Himmliches Vesper


Himmliches Vesper

(Eine Wohnstube im Himmel. Gottvater sitzt etwas erhöht und die Gottesmutter tätigt eine Handarbeit. Maria-Magdalena stolziert gerade hüftschwingend durch den Raum. Jesus in Jeans, Turnschuhen und einem T-Shirt, worauf steht; „HERE I AM!“. Später kommen dann noch Gabriel, Luzifer und Petrus in die Szene.)


Gottvater

Also Junge, weißt du; muss Maria-Magdalena in so kurzen Röcken herumlaufen.

Gottesmutter

Ich wette! sie trägt nicht einmal einen Schlüpfer darunter!

Jesus

Papa, immer ist Mama zu Maddy so gemein .......!.

Gottesmutter

Ja natürlich; ich bin gemein! An allem bin ich immer schuld. So war es, so ist es und so wird es immer bleiben ...Hackt nur weiter auf mir herum!

Gottvater

Maria, hört um Gotteswillen mit dem Gezerre auf! Du weißt doch, dass Gabriel immer an den Türen lauscht und alles im Himmel breit tratscht.

Jesus (geht auf Zehenspitzen zur Tür und öffnet sie mit einem Ruck.)

Dem leg ich aber jetzt das Handwerk!

Gabriel (dann herein)

Au! Du hast mir wehgetan!

Jesus

Das kommt davon, wenn man seine Segelohren an fremde Türen legt!

Gabriel (spricht sehr affektiert, unterstützt durch neckische Handbewegungen.)

Ich habe nicht gehorcht!
Ich ging hier zufällig bei euch vorbei, da fiel mir mein Taschentuch herunter. Ich bückte mich um es aufzuheben und da hat mir Jesus absichtlich mit voller Wucht die Tür an die Omme geknallt.

Gottvater

Was heißt an die Omme! Hier wird deutsch, ich meine deutlich, also eben ... himmlisch ...Die Sprache ist der Spiegel deiner Seele oder etwas in der Art.

Gottesmutter (fällt ihm ungeduldig ins Wort)

Schon gut, du bist verstanden worden. Komm zu mir, mein armer Junge. Hier nimm das Tuch und putze dir die Nase.

Jesus

Ach, sieh an! Diesen Schleimbeutel hätschelst du, aber an meiner Maddy hast du nur immer herumzumäkeln!

Gottvater

Gib Ruhe, Junge und du, Maria, musst du, da immer . , ich meine ...

Gottesmutter

Ja, weil sie nicht hierher passt! Eingeschlichen hat sie sich in unsere Familie und unser Sohn ist wie ein dummer Gimpel auf sie hereingefallen.

Allein ihre Fingernägel! Ha! so lang sind nicht einmal die Krallen von Luzifer!


Luzifer (taucht in einer Nebelwolke, wie aus dem Boden gestampft auf.)

Ihr habt gerufen?
Hier bin ich! Was steht zu Diensten, Ma’m?

Jesus

Mach die Flocke, Luzifer, keiner hat dich gerufen!


Gabriel

Der auch noch, mein Gott!

Ja, husch, husch hinfort, du böses, böses Wesen du!

Gottesmutter

Es war ein Irrtum, Luziferchen, aber wenn du möchtest, kannst du bleiben und eine Tasse Kaffee mit uns trinken. Petrus hat uns eine Zitronentorte gebacken. Er hat heute Küchendienst und wird sie uns gleich bringen.

Luzifer (ihr beide Hände küssend)

Zitronentorte! Meine Lieblingstorte; ach, Ma’m; ihr seid so voller Güte!


Jesus

Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt! Papa, sage doch endlich einen Ton! Der soll die Fliege machen! Es langt schon Gabriel am Hals zu haben.

(Gabriel zeigt Jesus, hinter dem Rücken Marias, den ausgestreckten Zeigefinger.)

Luzifer

Immer lustig und vergnügt die jungen Leute.

Gottvater (etwas verlegen)

Ja, also weißt du, Luzi, es ist heute ein bisschen ungelegen. Wir haben da nämlich ...

Jesus

Papa!!!
Er hat bei uns im Himmel überhaupt nichts verloren!

Luzifer

Rege dich ab, Süßer! Einmal im Monat darf ich mich frei unter euch bewegen, dass hat mir dein lieber Paps schon vor Ewigkeiten in die Hand versprochen. Da bist du noch mit der Trommel um den Christbaum gerannt!

Jesus

Wirklich komisch, Luzifer; zum Totlachen! Hat er tatsächlich von dir die Erlaubnis Papa?


Gottvater

Was sollte ich machen, mein Junge. Auch auf der Erde gestattet man den Missetätern Freigang. Ich kann doch als Gottvater kein Unmensch sein.

Jesus (dann ab)

Ach, was soll’s. Hier macht doch sowie so jeder, was er will. Ich gehe mal nach Maddy sehen. Sie wollte doch sofort zurückkommen.

Gabriel (nach dem Abgang von Jesus)

Maria-Magdalena habe ich an der Pforte gesehen. Sie stand bei Raphael, der heute für die Neuzugänge verantwortlich ist.

Gottesmutter

Dort hat sie überhaupt nichts verloren, diese Schlange! Petrus hätte ihr das nie erlaubt, aber Raphael, dieses Weichei!
Der lässt sich doch von ihr, wie mein Herr Sohn, um den kleinen Finger wickeln!

Luzifer (zu Gabriel)

Wie Wachs werden sie alle in ihren süßen Patschehändchen.

Gabriel

Ich bin nicht wie die!


Luzifer (fasst ihn an)

Nein, du kleiner Racker, das bist du ganz bestimmt nicht.

Gabriel (kichert albern)

Nimm deine Hände von mir, du Ferkel!

Gottvater (sucht vergeblich nach seiner Uhr)

Wo bloß dieser Petrus bleibt. Wir wollten um Drei vespern und jetzt ist es schon .. .Wo zum Kuckuck .. ?

(Luzifer schnippt mit den Fingern. 2 kleine Teufelchen tauchen mit einer großen Uhr auf.)

Gottvater

Schon 19 Minuten drüber. Danke, Luzi! Du bist zwar ein ganz schlimmer Finger, aber deine gute Manieren hast du nicht vergessen.

Gottesmutter

Da kann sich unser Sohn eine ganze Scheibe abschneiden.

Luzifer

Ma’m; ich höre Schritte!
Einer geht wie ein Trampeltier, das dürfte Freund Petrus sein. Ein Schritt wie ein Tanz, das ist ganz ohne Zweifel Maria-Magdalena, ja und ihr zur Seite, wer anders als der Sohn des „Hohen Hauses“. Das Rollgeräusch ist der Servicewagen, nehme ich mal an.


(Die Tür geht auf. Petrus schiebt den Wagen, worauf eine riesige Torte zu sehen ist. Mit ihm Maria-Magdalena und Jesus, die Händchen halten.)

Gottvater

20 Minuten über der Zeit, du bist auch nicht mehr der Schnellste, Freund Petrus!

Petrus

Eine kleine Panne, an der ich schuldlos bin.
Die Katze, die wir in der Küche halten, ist schon so senil, dass sie die Zitronen, die ich für die Torte brauchte, für Mäuse hielt.
Sie hat alle weggeschleppt und da musste ich sie einzeln wieder zusammensuchen.

(Währenddessen hat sich Luzifer Maria-Magdalena genähert und ihr verstohlen ein kleines Päckchen in die Hand gedrückt. Sie schiebt es sich sofort ins Mieder. Die Gottesmutter schaut misstrauisch, aber da ihr beide den Rücken zukehren, sieht sie nicht, was vorgeht.)

Gottvater

Schon gut, Petrus; aber der Duft deiner Torte - einfach himmlisch! Ja, unser Miezekätzchen, wir werden alle nicht jünger. Vielleicht war es ein Fehler von mir die Zeit erfunden zu haben?

Petrus (ernst und überzeugt)

Ganz sicher nicht; denn du bist unfehlbar in all deinem Tun! In allem, was da war, was da ist und dereinst sein wird!


Gottvater (klopft Petrus dann auf die Schulter)

Ja, das stimmt nun auch wieder!
Ich bin Vater, Sohn und der Heilige Geist in einer Person und dazu noch unfehlbar.
Das ist zwar manchmal ein wenig verwirrend für Außenstehende, aber doch schön, wenn man es ist.
Bei nächster Gelegenheit Petrus sprechen wir noch einmal ausführlich darüber. Ich habe es ganz gern, wenn du mir ein wenig Zucker über den Honig streust.
Jetzt aber deckt endlich den Tisch, Kinder!


(Auf ein Zeichen von ihm taucht ein großer schon eingedeckter Tisch und Stühle aus der Versenkung auf. Luzifer hilft Petrus die Torte zu platzieren und dann sitzen alle am Tisch.)


Gottesmutter (ihm das Messer reichend)

Luziferchen, weil du heute Freigänger bist, darfst du uns die Torte aufschneiden.

Jesus

Nun komm aus dem Knick, Luzifer! Wir alle haben Hunger.

Luzifer

Gewiss, du kleiner Brausekopf. Ich dachte nur, die alte Sitte, vor dem Essen ein Dankgebet aufzusagen, hätte sich bei euch erhalten?


Jesus (Gabriel hält den Daumen hoch und zwinkert Luzifer zu.)

Du hast es gerade nötig!

Gottesmutter (genauso verlegen wie Gottvater und Petrus.)

Das Tischgebet, nein ..., natürlich .. .
Ich war am Überlegen, bin am Überlegen, wer heute an der Reihe ist ......

Jesus
Das will ich dir sagen, Mama, Maddy ist an der Reihe!
(Maria-Magdalena zeigt Freude wie ein kleines Mädchen, die Gottesmutter schaut grimmig und zieht tief Luft.)
Und du, Luzifer, kannst dir ja deine Daumen in den ... in die Ohren stecken.

Luzifer (nur zu Jesus)

Ich bin so abgehärtet, dass ich sogar in Weihwasser baden könnte, Herzensjunge!

Gottvater

Dann Maria-Magdalena lass uns hören, wie du mir Dank sagst!


Maria-Magdalena (in der Art, wie kleine Mädchen ein Gedicht vortragen. Der Vorhang fällt schon während ihrer Danksage. )

Wir danken all denen, die den Tisch gedeckt,

und wir danken Gott, der hinter all dem steckt.

Du bist ein Gott, dem man nur danken kann,

und jetzt, jetzt fangen wir zu essen an.

Amen!


Petrus (laut und inbrünstig)

Halleluja; Preiset den Herrn!


Gottvater (brummt es vergnüglich mehr vor sich hin)

Ja, ja; bis in alle Ewigkeiten ...


Alle

Amen!

(Aufgeführt in Dresden 1998 – im Privat-Club "Purple dust".
© Willy Rencin (d. i. Sweder van Rencin)


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Kommentare (9)

Sam 2

Lier  Willy,

richtig, die Himmlischen sind genauso blöd wie die Irdischen. Das war schon in der Bibel zu lesen: "Gott schuf den Menschen nach seinem Ebenbild".

Herzlichen Glückwunsch zu der Soap!

Gruß
Sam 2

ehemaliges Mitglied

köstlich!!
Wann kommt es zur Aufführung? Ich komme! Tränen lachen
LG Elbstromerin

ehemaliges Mitglied

Da geht's ja zu wie auf Erden, und das in alle Ewigkeit?

Lachender TeufelUnschuldig

LG
Arni

Manfred36

köstliche Blashemie !!

Willy

Du kennst das ja auch, Manfred; da schwirrt dir ein Einfall in den Kopf und du machst (ohne groß Nachzudenken) etwas daraus.
Eine andere Mini habe ich kurze Zeit später veröffentlicht- kann sein ich habe sie schon mal hier eingestellt. 
Ich lade sie nächste Woche mal hoch.
LG
Willy

lillii

Tränen lachenUnschuldigTränen lachen

ich traue mich... Tränen zu lachen, danke!

Grüße Luzie

Willy

Ja, der Pflegepapa Josef, den hatte ich damals glatt vergessen und als er mir später einfiel, oder mich wer (so wie Du) darauf hinwies, habe ich ein Ministück über ihn gemacht. 
Ich werde es nächste Woche mal hochladen.
Hier aber schon mal das Cover;
2019-03-09_140927.pngLG
Willy

lillii

danke, wünsche ich Dir auch,
doch ich habe noch eine Frage,
was sagt denn der  Pflegevater Josef zu der ganzen Sache oder ist der hinterm Ofen verbannt worden ??

LG Luzie

Willy

Vielen Dank und habe ein schönes Wochenende.
LG
Willy


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