Von Rechthaberei und dem "armen Teufelchen" Adam...


So manche Stunde habe ich meine grauen Zellen gequält und keine zufriedene Antwort auf die Frage nach dem Recht haben gefunden:
Wer hat also recht?
Na, wer bestimmt, der hat recht!
Aber, hat der immer recht, der bestimmt?
Nehmen wir das Beispiel, wenn ich koche.
Da gibt es des öfteren Rede und Gegenrede.
Was sage ich, nicht nur des öfteren, da gibt es garantiert immer Stunk.
Meine bessere Hälfte bestimmt, was ich zu tun oder zu lassen habe.
Sie beschließt einfach und duldet keine Gegenrede.
Sie sagt das mit einer Bestimmtheit, da bleibt mir die Spucke weg!
Aus!
Keine Widerrede.
Ich soll, ja, ich muß nach meiner ausgeübten Kochkunst das benutzte Geschirr auch wieder abwaschen und weg stellen.
Das fordert sie!
Wo bleibt da die Demokratie?
Ich bin der Meinung,daß schon die anstrengende Tätigkeit der Zubereitung des gemeinsamen Mahles ausreicht, vom Abwasch befreit zu werden!
Hab' ich recht?
Jawohl! Hier hab ich recht.
Und genau da liegt der Knackpunkt, oder, da liegt der Hase im Pfeffer.
Prompt gibt es Krach mit der anderen Hälfte!
Sie meint, wer die Küche benutzt, muß diese auch wieder aufräumen!
Welch kleinbürgerliche Zumutung nach einer derartigen schöpferischen Großtat meinerseits!
Und das in einer Zeit, wo das Wort Demokratie in aller Munde ist.
Doch, sie bleibt eisern.
Ihre Entscheidung sei unumstößlich, meint meine bessere Hälfte.
Dabei nimmt sie mir gegenüber in der letzten Zeit immer öfters eine bedrohliche, ja fast handgreifliche Position ein.
Die liebe bessere Hälfte zeigt keine Einsicht.
Nicht einmal eine klitzekleine Erkenntnis, daß ich vielleicht doch im Recht sein könnte.
So ist es auch Heute.
Diesmal rückt sie mir auch wieder bedenklich nahe auf den Pelz.
In ihrem energischen Wortschwall verweist sie, die liebe Ilse, auf die meinerseits nur etwas umgestaltete Küche.
Ich komme kaum zu Wort und kann mich auch kaum verteidigen, weil Frau Ilse, fast ohne Luft zu holen, mir eine ganze Vorlesung hält.
Na ja, Topf und Töpfchen, ein paar benutzte Gerätschaften aus Schrank und Schränkchen, Kelle, Löffel, diverse Kräuterbüchsen zieren Fensterbank und Abwaschbecken.
Das muß ich schon etwas, aber nur etwas eingestehen, unräumig sieht die Küche schon aus.
Aber, nur etwas!
Na und?
So was läßt sich bei meinem schöpferischen Tun doch nicht vermeiden.
Im Fernsehen, da hab ich noch keinen Chefkoch beim Abwaschen erwischt.
Auch der gute Tim überläßt diese Nebensächlichkeit anderen. Das scheint er wohl seinem guten Ruf schuldig zu sein.
Ich meine, das sind doch für abwaschgewohnte Hände Lappalien!
Und was tu ich, der andere Partner, obwohl ich überzeugt im Recht bin?
Ich gebe halt nach.
Weil ich der Meinung bin, der Klügere zu sein, gebe ich nach.
Frau Ilse verläßt als Siegerin den Platz der Polemik, die Küche.
So schaffe ich nach gelungener Mahlzeit eine zweite Schicht zum Wohl des häuslichen Friedens. Weil ich eben der Klügere bin, sein will.
Wer hat da recht?
Eine schwierige Frage.
Noch komplizierter die Antwort und die künftigen Folgen für den, der auf das Gegenteil besteht.
Dabei geht es doch ganz einfach nur darum, wer hat das "Sagen" in der gemeinsamen Küche.
Also, um Kuschen oder Nichtkuschen!
Und wer das "Sagen" hat, der hat auch recht, bestimmt,was getan wird, schwingt das Zepter der Macht über den anderen Partner.
Der muß parieren!
Wo steht das geschrieben?
Jüngst besuchten uns liebe Freunde.
Siegfried und Erika aus der "Stadt des Alten Dessauer", wir hatten sie zu uns eingeladen.
Meine bessere Hälfte und Altverlobte wurde 70 Lenze jung und verdiente deshalb eine anständige Geburtstagsfeier.
Die Gute, sie lebt bei voller Gesundheit nun schon lange 54 Jahre mit mir altem Knochen zusammen. Da hat sie es verdient.
Das ist ein besonderes Kunststück bei unseren Gegensätzen.
Ganz gewiß!
Mehr als ein halbes Jahrhundert sind wir gemeinsam und optimistisch durch dick und dünn gestürmt.
Ohne Übertreibung.
Doch zurück zum Tagesgeschehen.
Für mich, den Phantasie- und Hobbykoch der Familie, eine enorme Herausforderung, dieser Besuch.
Ich fühlte mich sofort für das kulinarische Wohlbefinden unserer Gäste voll verantwortlich!
Was kommt auf den Tisch?
Natürlich Wild.
Die endgültige Wahl fiel nach reiflich demokratischwortreicher Diskussion auf ein saftiges Rückenstück vom Porzellanschweinchen und die Schulter vom Reh.
So soll es sein.
In der Gefriertruhe ist beides reichlich vorhanden.
Meine Altverlobte signalisiert mir ihre Erwartungen. Sie gibt grünes Licht für hervorragenden Geschmack und zartes Jungwild in der Pfanne.
Das heißt verdolmetscht: "strenge dich an, mei' Alterchen, zeig' was de drauf hast und blamier mir nich". Damit ist offiziell die Küche frei.
Ich atme auf. Dann wird losgelegt.
Schon den Abend zuvor erhalten beide Wildteile in der großen Bratpfanne die notwendige Bräune und den Geschmack durch ausgewähltes Wurzelgemüse. Pfifferling und Preiselbeere spendieren unter anderem den erforderlichen Gaumenkitzel der Soße.
Als Herr der Küche akzeptiert mich meine bessere Hälfte ohne Einwände.
Schließlich gibt es für die liebe Ilse genügend Gesprächsstoff mit Erika über alle möglichen Themen des Tages.
Fleißig wird in der guten Stube geschnattert. Beide sind in ihrem Element, voll beschäftigt. Sie taut richtig auf.Ein zusätzliches Wurzelkräuterchen tut in der Runde gewissenhaft seine Pflicht.
So kann ich walten und schalten, wie ICH will.
Ein herrliches Gefühl, so selten.
Kein Einspruch, kein Protest.
Und trotzdem, ein sehr verdächtiger Verlauf der Dinge in meinem wachsamen Hinterkopp.
Wo liegt nun der Hase im Pfeffer?
Erst am nächsten Tag fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Die Küche!
Habe ich fast vergessen.
Na denn mal los.
Die bunte, erfolgsgekrönte Produktionsstätte meines Wildgerichtes wird sofort auf Vordermann gebracht.
Und was geschieht dann??
"Vorzüglich!"
"Sehr gut!"
"Ausgezeichnet!"
Mir diesen Lob überraschen mich meine Gäste.
Von meiner besseren Hälfte erhalte ich beinahe, aber doch nur dicht dabei ein Küsschen auf die stoppelbesetzte Wange. Ein Küsschen mit Seltenheitswert., Reicht für die nächsten Monate.
Aber, nur wegen der sauberen Küche!
Auch den überraschten Gesichtsausdruck meiner besseren Hälfte heimse ich als Anerkennung ein.
"Ein Wunder", meint sie.
Ist das nicht toll?
Man muß also nicht immer recht haben wollen und doch gewinnen können.-

Wer schwingt nun die Kelle der Herrschenden in der Küche?
Natürlich, meine bessere Hälfte.
Wo steht das geschrieben?
Ich nehme an, das ist eine angeborene Sache des weiblichen Geschlechtes schon seit Adam und Eva.
Das arme Teufelchen von Adam, so sehe ich das jetzt, mußte einfach in den Apfel der lieben Eva beißen!
Warum?
Er wollte der Klügere sein, im Paradiese keinen Streit anfangen und einfach nachgeben.
Hätte er gewußt, was da auf ihn zu kommt, wäre er bestimmt mutiger gegen die Apfelverlockung angegangen!
Oder nicht?
Einen kleinen Vorwurf, mein lieber guter Apfelbeißer Adam, war dir eigentlich damals richtig klar, was du da angerichtet hast?
War dein Biß absichtlich oder nur spontan, einfach so, weil du der Klügere sein wolltest?
Gab es damals noch keine Demokratie im Paradiese?
Nein, sagst du?
Jetzt haben wir den Salat!
Dein Nachgeben stempelt auf ewig denjenigen, der meint, klüger zu sein und nachgibt.
So bin auch ich dann ein Gestempelter, ein Apfelbeißer, wenn ich meine, klug zu sein und nachgebe.
Wie eine unsichtbare Macht die mich dazu zwingt, werde ich ein gewöhnlicher Apfelbeißer.
Meine bessere Hälfte schwingt das Zepter der Herrscherin, wandelt auf dem unsichtbaren roten Teppich, so, wie die großen Politiker auf dem Echten.
Na und?
Damit läßt es sich auch gut leben als alter Knochen.
Doch, woran erkenne ich, daß sie recht hat, die unsichtbare Macht ausübt?
Wenn mein Großvater - seiner Meinung nach - im Recht war und ich im Unrecht und trotzdem meinen Willen als Zwölfjähriger durchsetzen wollte, nahm er seinen abgegriffenen Schlapphut vom Kopf und warf ihn gut gesteuert in meine Richtung.
Bei Großvater war also der Schlapphut das Zeichen seiner Macht im Haus.
Meinem Vater zeichnete der Schusterriemen, seine Macht, als Herrschenden, aus.
So bin ich respektvoll aufgewachsen. Habe tunlichst vermieden, diese alten Überlieferungen weiter zu geben.
meine mühsam im lauf der Jahrzehnte erworbene Erkenntnis, nicht immer unbedingt im Recht zu sein, kommt mir jetzt in den alten Tagen zu gute:
Keine fliegende Bratpfanne oder andere Gerätschaften, wie in früheren Jahren, nein, das bleibt mir erspart.
Gott sei's gedankt!
Dabei muß ich an die Geschichte vom chinesischen Scharfrichter denken, der mit einem rasiermesserscharfen Schwert hinrichtete, so daß der Kopf noch auf dem Halse sitzen blieb.
"Ich bin ja noch gar nicht tot", sagte der Enthauptete umnd wollte recht haben.
"Nicken Sie mal", sagte der Scharfrichter.
Mensch, hab' ich ein Glück, daß ich hier lebe und meine liebe Ilse die Geschichte vom chinesischen Scharfrichter nicht kennt!


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Kommentare (2)

ehemaliges Mitglied Deine Einträge bezeugen stets sehr humoristischen Tiefsinn.
Da hat deine Ilse einem ganz schönen Schlitzohr ihren Apfel gereicht.
Hoffentlich beweisen uns deine Ansichten auch weiterhin,
daß man außerhalb des Paradieses ganz gut zurechtkommen kann.
Es wäre nun hochinteressant, die gleiche Geschichte von deiner
Ilse erzählt zu bekommen.

Einen schönen Sonntag
wünscht dir Alwite






finchen Der Klügere gibt solange nach, bis er der Dümmere ist!!!!
Mit dem Paradies muß irgendwas nicht gestimmt haben und mit dem Apfel kann das auch nicht so süß gewesen sein.
Weitermachen-----Gruß Finchen

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