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Aktuelle Themen Marktwirtschaft : Organverkauf

heide
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Re: Eine weitere Ergänzung
geschrieben von heide
als Antwort auf vom 14.11.2008, 21:49:01
Ich habe ja schon geschrieben, dass sie von mir quasi “Alles“ noch “Brauchbare“ nehmen können. Nur sollen sie mich dann auch entsorgen und nicht zusammengeflickt meinen Angehörigen zur weiteren Verwendung bzw. Beseitigung überlassen.
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heide
darklady
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Re: Eine weitere Ergänzung
geschrieben von darklady
als Antwort auf vom 14.11.2008, 21:49:01

Ich habe bei meinem Organspendeausweis stehen, dass mein Mann entscheiden wird,wann und was genommen wird.Sollte uns gleichzietig was passieren, sind zwei andere Personen benannt. So hat man doch noch den Daumen drauf was passiert.
darklady
niederrhein
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Eine kleine Klarstellung
geschrieben von niederrhein
als Antwort auf niederrhein vom 14.11.2008, 20:10:02
Eine kleine Klarstellung

Müssen nicht etliche Aspekte sauber unterschieden werden? (Eine solche Differenzierung erweitert den eigenen Blick und erleichtert - bei der Weiterführung der Diskussion - Überblick und argumentative Stringenz.)


- Einmal die marktwirtschaftliche Ausweidung und Verwertung des (toten) menschlichen Körpers. Für diejenigen, die in der Marktwirtschaft oder sagen wir besser: in der Möglichkeit, auch aus allem einen Profit zu schlagen, Heil und Segen oder eben ihren persönlichen (Gewinn)Vorteil sehen, ist dann eine solche Verwertung nur konsequent. (Wobei den Toten eine solche Verwertung weniger schadet als eben die aus gleichen Anlaß angezettelten Kriege den lebenden Menschen.)


- Die medizinisch-technische Möglichkeit, Organe zu verwerten. Ein weites Feld; vermutlich nicht grundsätzlich abzulehnen (wie Herz- und Nierentransplantationen bewiesen haben), aber wo sind da Grenzen zu setzen? (Oder will man gar keine Grenzen setzen? Darüber muß eben ein Konsens erzielt werden.)
Wie kann man auschließen, daß maßloser Ehrgeiz, Eitelkeit, Geltungsbewußtsein, Machtgehabe von Ärzten auf der einen Seite und Gewinnsucht auf der anderen Seite (oft vereint eben in den Ärzten!)

- Die - soll man sie wirklich so nennen? - humanitäre Seite - einfach die Situation, wo die Organe eines toten (oder todkranken?) Menschen einem lebenden Menschen helfen können.

- Die rechtliche Seite einer solchen Verwertung. Eben die Bestimmung der Spielregeln solcher Praktiken. Betroffen sind: Der Tote oder die Todkranken (deren Angehörige). Gegebenenfalls die Empfänger. Dann aber auf jeden Fall und Ärzte/ ärztliches Personal, die ökonomisch Interessierten (= der "Markt").

- Der politische Aspekt. Parteien, Politiker, eine Gesellschaft sollte schon wissen, worauf sie sich da einlässt. Wie verändert sich gegebenenfalls die verfassungsrechtliche Stellung des Menschen? (Persönliche Anmerkung: Von der Würde des Menschen - immer noch oberstes Verfassungsziel!) bleibt ohnehin dann immer weniger.)

- Der ethische Aspekt. Der Wertehorizont einer Gesellschaft, eines Staates oder sogar einen Staatengemeinschaft.

- Die - u.U. gegebenene - persönliche Betroffenheit des Einzelnen [etwa hier in der ST-Welt]; etwa, wenn er jetzt eine solche Nachricht verimmt und/oder sich mit einer solchen Frage auseinandersetzt; oder in die Zukunft blickt: Wie will er (nicht?) verwertet werden? Wer soll den Nutzen davon haben? Etc.


Ob es in einer solchen Diskussion ausreicht, nur seine eigene (manchmal durchaus etwas enge oder gar beschränkte) Betroffenheit zu artikulieren? Oder verlangt ein solches Thema nicht eine weiter ausgreifende Betrachtung und Beurteilung?
Etwa in der konkreten Situation: Wer bestimmt eben, in (m)einem Todesfalle, was mit der/meiner Leiche geschieht? Innerhalb welcher Rahmenbedingungen? Noch konkreter: Sollen, dürfen sich Menschen gleichsam eine goldene Nase an (m)einer Leiche verdienen? Wie schließt man Mißbrauch aus?
Ähnlich wie bei der Armutsprostitution, wo gesellschaftliche Rahmenbedinungen Menschen (eben nicht nur Mädchen und Frauen) dazu bringen, zu sich prostituieren, hier die ökonomische Situation für arme Menschen, einer Verwertung von Organen zu zustimmen. (Oder man zwingt sie dazu oder wendet Druck/Gewalt etc. an.)
(Querüberlegung: Was für eine Gesellschaft, ein Staat, der die blanke und bloße Ökonomie (die ja letztlich nur einigen Prozent einer Gesellschaft wirklich nützt!) als oberste Maxime proklamiert und arme Menschen gegebenenfalls dazu bringt, sich ausweiden und verwerten zu lassen!)


Ob der Querverweis amüsant und/oder gar unterhaltsam ist: Der Hinweis auf den Spielfilm Soylent Green (1973), in dem es um die Probleme der exzessiven Nutzung endlicher Ressourcen, der Umweltverschmutzung, der globalen Erwärmung und der Überbevölkerung zusammenhängend mit ihren möglichen Auswirkungen in einem Zukunftsszenario geht.


Verantwortlich
Die Bertha
vom Niederrhein


P.S. Oberste Ökonomie ... das ist zu abstrakt und insofern ein nicht zulässiger Euphemismus; es sollte heißen: Die rücksichtslose und maßlose Gier einiger weniger auf Kosten der übrigen Gesellschaft.

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