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Aktuelle Themen Marktwirtschaft : Organverkauf

heide
heide
Mitglied

Re: Marktwirtschaft : Organverkauf - bitte nicht!!!!!!!!!
geschrieben von heide
als Antwort auf Drachenmutter vom 11.11.2008, 18:44:58
Einer Organ - und Gewebespende nach meinen Tod zuzustimmen, steht eigentlich schon seit Jahren für mich fest. Mir den entsprechenden Spenderausweis zu besorgen, habe ich jedoch erst vor kurzen in Angriff genommen. Jetzt liegt eben dieser Ausweis ausgefüllt neben mir, und plötzlich fange ich an, mir allerlei Fragen zu stellen.

Was passiert z.B. mit mir, falls ich im fernen Ausland sterbe. Grundsätzlich ist es mir egal, ob nun ein Mensch in Valparaiso oder Wanne-Eickel ein Organ von mir erhält, nur muss geregelt sein, dass ich im Ausland nicht irgendwelchen Aasgeiern in die Hände falle, denn den Ausweis trage ich ja immer bei mir ( !!!) , die dann evtl. noch ein “Geschäft“ mit mir machen wollen.

Eine weitere Frag, die mich ebenfalls sehr beschäftig, betrifft meine Angehörigen. Ich denke, dass der Anblick eines ausgestopften Leichnams nicht gerade erquickend aussehen wird, ich aber aus eigener Erfahrung weiß, dass ein letztes Abschied nehmen unheimlich wichtig ist.

Ich bin also hin- und hergerissen bei dem Gedanken, wie ich nach meinem Tod und der anschließenden Organentnahme am besten entsorgt werden kann.

Könnte ich frei entscheiden, würden meine “Reste“ gleich nach der Organentnahme in die Tonne gestopft.

(bitte nicht erschrecken)

heide
niederrhein
niederrhein
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Tote sind verwertbar ...
geschrieben von niederrhein
als Antwort auf vom 11.11.2008, 17:09:12
Tote sind verwertbar ...

Verflixt, ich kann im Augenblick nicht einmal die Quelle nennen (halt aus meinem persönlichen Lektürebereich: FAZ, SZ, FT, ZEIT, SPIEGEL etc. - ich schaue mal, ob ich die Quelle noch finde) ...

aber dort hieß es (jetzt frei zitiert), daß der tote Mensch gleichsam viel zu schade sei als einfach nur verscharrt oder verbrannt zu werden. (Dann wurde aufgezählt, was man alles noch verwerten kann bzw. - und darauf kam es wohl an! - , bzw. welches Geschäft man damit noch machen kann.

Seinerzeit - nach einer Krebserkrankung kann man ja nicht mehr spenden - hatte ich explizit in meiner privaten Organsspendeverfügung verfügt, daß im Falle meines Todes bzw. einer Organverwertung kein Geld für ein entnommenes Organ verlangt werden darf. (Juristisch vielleicht sinnlos - aber mir war es damals wichtig.)

Aber wieso regen sich die ST'ler, die Menschen hier auf? Das ist doch nur die viel gepriesene Marktwirtschaft; wenn schon jemand arm ist und mit keinem Kapital anderen dienen kann (oder selbst dieses Kapital nicht zur Akkumulation einsetzen kann), wenn seine Arbeitskraft nicht mehr (gegen Entgelt) benötigt wird, nun ... dann kann er doch sich stückweise verkaufen (Prinzip der Marktwirtschaft: Angebot und Nachfrage).
Ob er nun über einen Arbeitsplatz (mit Niedriglohn und/oder mit schwindender sozialer Absicherung) ausgebeutet wird oder so eben ausgeweidet wird - da ist kein so großer Unterschied.

Immerhin wurden und werden junge Männer für wirtschaftliche Interesse (Rohstoffe, Rüstungsindustrie etc.) in den Tod geschickt und/oder müssen (andere Menschen) töten und zerstören. Das finden doch die meisten okay ... (Das allein sieht man an den jeweilgen Börsenkursen!)

Und solange irgendwelche Menschen daran verdienen können und/oder darin investieren können, entspricht es den heutigen Spielregeln (die übrigens von nicht wenigen hier eifrigst verteidigt werden!).
Das einzig Störende sind halt diese doch eher lästigen Aussagen, z.B. im Grundgesetz: Etwa

Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Vor kurzem disktutierte ich mit einem Freund über diesen Artikel; und wir kamen überein, dieses Artikel des GG zu ändern:

Die Würde des toten Menschen ist unantastbar.

Jetzt neige ich wieder zur Originalversion mit einer kleinen nominalen Änderung:

Die Würde des Kapitals ist unantastbar.

So einfach kann man Verfassungswirklichkeit und Verfassungsrecht wieder in Einklang bringen.


Die olle Bertha
vom Niederrhein


P.S. Für die, die meinen, es wäre alles nicht so schlimm oder so etwas wäre nie möglich ... keine Bange: Was in den letzten Jahren alles bereits diskutiert wird (damit wird die öffentliche Meinung schon einmal prä-formiert, vorbereitet ...): Sozialverträgliches Sterben, Aufhebung des Wahlrechts für Alte und HARTZ-IV-Empänger/Arme; radikale Senkung (oder Aufhebung) der staatlichen Transfer-Leistungen (die FDP bemüht hier u.a. das familiäre Subsidiaritätsprinzip). Weiterer Ausbau der Praxis: Privatisierung der Gewinne, Sozialisierung der Verluste. Allein, was im sogenannten öffentlichen Bereich (Schulen, Ausbildung, Gesundheit) sich entwickeln wird ... ob ich's (seit dem 5.11. 74 Jahre) noch erleben werde?
heijes
heijes
Mitglied

Re: Marktwirtschaft : Organverkauf
geschrieben von heijes
als Antwort auf Drachenmutter vom 11.11.2008, 18:29:27
Woelfin deine Vorstellungskraft ist nicht daneben.
Beisp. gefällig: siehe Link Unten, aber auch in Europa ist man davor nicht sicher.
Und das schlimme für die Organempfänger ist, sie können sich nicht sicher sein, dass das "gespendete" Organ gesund ist, weil beim illegalen Organhandel schon "mal" die Untersuchungen nicht gemacht werden, wie im untenstehendem Link.

--
heijes

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Linta †
Linta †
Mitglied

Re: Marktwirtschaft : Organverkauf
geschrieben von Linta †
als Antwort auf Drachenmutter vom 11.11.2008, 18:29:27
Auch ich mache mir da überhaupt keine Gedanken. Von einer
einstmals an Krebs Erkrankten (damals allerdings als
geheilt entlassenen) will sicher niemand ein
Organ.

n.
Re: Marktwirtschaft : Organverkauf
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf Linta † vom 11.11.2008, 19:41:22
ich weiss überhaupt nicht was ihr alle habt! ihr seid doch dann tod und wem nützt es wenn ihr in die kiste oder urne kommt. hauptsache ich bin wirklich tod, wenn die mit dem auschlachten anfangen - nicht das ich noch winke oder maule oder was auch immer. will ich nicht, dann will ich wirklich tod sein. und dann können sich die gänseblümchen mit mir vergnügen. heide, wieso machst du dir gedanken um die hinterbliebenen, die sollen sich gefälligst selber einen kopp machen, was mit meinem gerippe passiert oder du schreibst auf, das du mit allem pomp und gedöns in die gruft oder urne willst und dann ist ruhe.

bedauerlicherweise existiert der handel mit organen schon seit jahren. in indien werden z.b. nieren gekauft und in europa und amerika verkauft. ich finde es ist ein widerliches geschäft und habe mich nach dem 1. bericht vor jahren gefragt - wie diese leute sich noch im spiegel ansehen können. kurz danach gab es den für mich sehr eindrucksvollen spielfilm "fleisch", vielleicht erinnert sich der ein oder andere noch daran.
--
plumpudding
arno
arno
Mitglied

Re: Marktwirtschaft : Organverkauf
geschrieben von arno
als Antwort auf Drachenmutter vom 11.11.2008, 18:44:58
Hallo, woelfin,

unten ein Link für Dich !


Viele Grüße
--
arno

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niederrhein
niederrhein
Mitglied

Eine Anmerkung bzw. Ergänzung
geschrieben von niederrhein
als Antwort auf vom 11.11.2008, 20:35:12
[...] kurz danach gab es den für mich sehr eindrucksvollen spielfilm "fleisch", vielleicht erinnert sich der ein oder andere noch daran.--
plumpudding
geschrieben von plumpudding


Der Film Fleisch (dem Genre Thriller zugeordnet) ist von dem Regisseur Rainer Erler (*1933), der hier in Bairawies (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) lebt.

Dieser Spielfilm, andere Filme, literarische Bücher und vor allem Sachbücher haben viele Entwicklungen erkannt, beschrieben und gegebenenfalls vor etwas gewarnt (Siehe als weiteres Beispiel das Buch The Silent Spring (Der stumme Frühling [1962]) von Rachel Carson, in dem sie vor dem Gebrauch von Pestiziden in der Landwirtschaft gewarnt hatte.)
Oder: Dieser finanzielle Crash jetzt etc. - auch das wurde vorausgesehen und beschrieben.

Zum eigentlichen Thema (Organverwertung) hier:
Besteht nicht die Gefahr, wenn man nur seine persönliche Betroffenheit (etwa ... mich kann man nicht verwerten, weil ... oder: mir ist es wurscht, denn ich bin ja eh tot) artikuliert, daß man das eigentlich unerhört Skandalöse des ganzen aus den Augen verliert?


Die Bertha
vom Niederrhein


Re: Eine Anmerkung bzw. Ergänzung
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf niederrhein vom 11.11.2008, 21:05:57
nein bertha, das skandalöse einer derartigen handlungsweise einiger wenige verliere ich dabei sicherlich nicht aus dem auge - weil es mir wieder zeigt, dass viele die achtung vor den menschen verloren haben und dabei vergessen, dass sie selbst mensch sind.
aber tatsache ist auch, dass dies ein thema ist, welches seit jahren diskutiert wird und die unterschiedlichen länder unterschiedliche richtlinie herausbringen. hätte ich eine tochter oder einen sohn, vielleicht würde auch ich versuchen, dann das geld aufzubringen, um ein organ zu kaufen. der gedanken, dass damit einem anderen menschen etwas genommen wurde - vielleicht sogar das leben, wird, so könnte ich mir vorstellen, weit weggeschoben.
--
plumpudding
EehemaligesMitglied58
EehemaligesMitglied58
Mitglied

Eine Klärung (Leider ist mir ein Fehler unterlaufen!)
geschrieben von EehemaligesMitglied58
als Antwort auf niederrhein vom 11.11.2008, 21:05:57
Eine Klärung (Leider ist mir ein Fehler unterlaufen!)

Herr Gram,

mir ist leider ein Fehler unterlaufen, für den ich mich entschuldige. Ich bin - in meiner Schusseligkeit - in den Gram-Artikel geraten und habe meinen Beitrag/meine Antwort in diesen Beitrag hineingeschrieben (und damit eben den ursprünglichen Artikel gelöscht). Ich bedaure dieses Versehen aufrichtig! Ich konnte diesen Vorgang nicht mehr rückgänig machen.

Mit einem freundlichen Gruß
Die Bertha
vom Niederrhein



Der Beitrag von Gram betonte, daß es doch grundsätzlich nichts Verwerfliches sei, wenn ein Todkranker mit seinen Organen einem anderen Menschen helfen oder gar das Leben retten könne.


[...] skandalös, wenn todgeweihte durch die implantation von organen gestorbener ein neues leben geschenkt wird? [...] gram


Daß wir uns nicht mißverstehen ... ich wäre die erste (bitte dies jetzt einmal einfach so hinnehmen), die, sterbend , einem Menschen helfen würde ...

Aber es müßte doch klar geworden sein, was ich kritisiere. Verzeihung - aber bei diesem Organ[b]handel
geht es doch nicht um humanitäre Maßnahmen? Oder ...
Ich lasse mich gerne belehren, falls ich mich geirrt haben sollte ...

Bertha
Medea
Medea
Mitglied

Re: Tote sind verwertbar ...
geschrieben von Medea
als Antwort auf niederrhein vom 11.11.2008, 19:18:28
Meine Meinung zur Organentnahme hat sich nicht geändert:

Ich will nichts von anderen u n d ich gebe auch nichts
in diesem speziellen Falle an andere.


Da ziehen bei mir auch keine moralischen Argumente.
So unvollkommen vollkommen werde ich dereinst zu Asche,
wer will mir das verwehren? Nix mit Ausweiden - da sei Zeus
vor.

Medea.


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