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Die Insel Senoria Adventsrätsel - 3. Dezember

niederrhein
niederrhein
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Adventsrätsel - 3. Dezember
geschrieben von niederrhein
Adventsrätsel
am 3. Dezember



Das Rätsel Nr. 3

http://community.seniorentreff.de/storage/pic/userbilder/a30f1d57825f100a5a9ba38c76fffe20/dezember-archiv02.12.2008/120416_3_Dezember-Archiv_02.12.2008.jpg[/img]


Ein leichtes Rätsel ... aber es geht ja nicht nur darum, daß jemand mit und in der Attitüde eines übereifrigen Kindes mit den Fingern schnippt: "Herr Lehrer, Herr Lehrer, ich weiß es!", sondern um das Spiel mit den Märchen, mit den Märchenmotiven.
Kennt man das Märchen überhaupt (noch)? Wie ist das Märchen in dieses Rätsel umgesetzt worden? Welche Elemente (Motive, Personen, Sprachsentenzen) sind übernommen worden? Welche Verfremdungselemente wurden verwendet? Modernisiert, parodiert, die Perspektive geändert (Hänsel und Gretel aus der Sicht der Hexe z.B.), karikiert, aktualisiert ... das heutige Märchen läßt sich problemlos auf die Finanzwirtschaft übertragen.

Offenbar ist nicht jeder über das Märchen als literarische Gattung und über die Grimms Märchen informiert.
(Es amüsierte mich zu sehen, wie dieser Wikipedia Artikel über die Grimm'schen Märchen verändert worden ist, nachdem ich vor einigen Jahren einiges für diesen Artikel geschrieben hatte.)

Vielleicht ist dieses Funktionsbild/Tafelbild für manchen eine kleine Hilfe?

http://community.seniorentreff.de/storage/pic/userbilder/a30f1d57825f100a5a9ba38c76fffe20/dezember-archiv02.12.2008/120420_3_Dezember-Archiv_02.12.2008.jpg[/img]
Kleine Korrektur an diesem Funktionsbild:
Die Ausgabe von 1812 ist die 1. Auflage, die Auflage von 1818/19 eben als 2. Auflage bezeichnet, aber in dieser 2. Auflage wurde der Gesamtbestand der Märchen, deren Reihenfolge etc. festgelegt. Diese 2. Auflage gilt eben als die Ausgangsauflage der KHM.
Die Angabe "letzte Auflage 1956" bezieht sich auf die Tatsache, daß diese Auflage die letzte von [i]Grimm
verantwortete Auflage war bzw. ist.
(Blödsinniger Schreibfehler: Es muß statt [i]Aufgabe/Ausgabe
jeweils Auflage heißen! Pardon!)


Viel Vergnügen beim heutigen Rätsel!

Die Märchentante Bertha
vom Niederrhein
eleisa
eleisa
Mitglied

Re: Adventsrätsel - 3. Dezember
geschrieben von eleisa
als Antwort auf niederrhein vom 03.12.2008, 06:59:31
ich machs ganz kurz...Märchen Nr.3 ...Der Fischer und seine Frau.
--
eleisa
Linta
Linta
Mitglied

Re: Adventsrätsel - 3. Dezember
geschrieben von Linta
als Antwort auf eleisa vom 03.12.2008, 07:39:37

Mantje, Mantje, Timpe Te
Butje, Butje in der See
Myne Fru die Ilsebill,
will nich so as ick wohl will


Diesen Spruch wollte ich als Kind immer wieder hören
und mein Sandkistenverhältnis in Breslau musste mir
die Geschichte bis zum Geht-nicht-mehr vorlesen.

ninna

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eleisa
eleisa
Mitglied

Re: Adventsrätsel - 3. Dezember
geschrieben von eleisa
als Antwort auf Linta vom 03.12.2008, 07:55:18
Märchen hat mir meine Großmutter immer vorgelesen...
mein Lieblingswunsch war immer Hänsel und Gretel und an den Stellen,an denen Hänsel und Gretel die alte Hexe hereingelegt haben,hatte ich schon als Kind so ein Gefühl der Befreiung ...
Entschuldige, Berta...ich weiß, es gehört nicht hierhin.

eleisa
luchs35
luchs35
Mitglied

Re: Adventsrätsel - 3. Dezember
geschrieben von luchs35
als Antwort auf eleisa vom 03.12.2008, 08:35:50

Wie verschieden doch kinder reagieren können. ich habe das märchen hänsel und gretel gehasst, denn immer ,wenn die alte hexe in den backofen gestossen wurde, fing ich an zu heulen, weil sie mir so leid tat. Auch bei einer theateraufführung im kindergarten brüllte ich das haus zusammen, so dass man mich aus dem raum entfernen musste.
auch die glühenden tanzschuhe von schneewittchens stiefmutter verursachten bei mir albträume.
so gab es eine ganze reihe märchen, vor denen ich mich als kind buchstäblich fürchtete.

und manche märchen könnte man auch glatt als "krimis im kinderzimmer" bezeichnen.

"Der Fischer und seine Frau" allerdings mochte ich sehr.
--
luchsi35
baerliner
baerliner
Mitglied

off-topic: Links mit Umlauten
geschrieben von baerliner
als Antwort auf niederrhein vom 03.12.2008, 06:59:31
Offenbar ist nicht jeder über das Märchen als literarische Gattung und über die Grimms Märchen informiert.
(Es amüsierte mich zu sehen, wie dieser Wikipedia Artikel über die Grimm'schen Märchen verändert worden ist, nachdem ich vor einigen Jahren einiges für diesen Artikel geschrieben hatte.)
geschrieben von Bertha



Bertha,

wenn eine URL Umlaute enthält wie im Falle von

http://de.wikipedia.org/wiki/Grimms_Märchen

dann musst Du die URL erst mit der Kurzlinkfunktion des ST umwandeln, um hier einen anklickbaren Link zu generieren, der formal richtig ist und nicht ins Nirwana führt.


Grimms Märchen bei WIKIPEDIA


--
baerliner

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Linta
Linta
Mitglied

Re: Adventsrätsel - 3. Dezember
geschrieben von Linta
als Antwort auf Linta vom 03.12.2008, 07:55:18


OFF TOPIC

Sophie war noch ganz klein als ich ihr zur
Weihnacht nach alter Familientradition ein
Pfefferkuchenhaus backte --- natürlich mit
den Figuren dazu --- und das Lied von Hänsel und
Gretel vorsang.

Es wurde ihr absolutes Lieblingslied und sie trällerte
es im Frühjahr ebenso wie im Sommer und bei jedem
Telefonat.......

ninna
chris
chris
Mitglied

Re: Adventsrätsel - 3. Dezember
geschrieben von chris
als Antwort auf Linta vom 03.12.2008, 08:57:07
Das Märchenbuch der Gebrüder Grimm,

wer von uns hat es eigentlich nicht gelesen? Mein Lieblingssmärchen war das Märchen von Schneeweisschen und Rosenrot.
Hänsel und Gretel hat mir Angst gemacht, zumal ich ja wusste wie heiss es in einem Backofen ist. Als Schülerin hab ich mal mitgespielt im Märchen Schneewittchen; ich war damals ein Zwerg: "Wer hat von meinem Tellerchen gegessen?" Das war mein Text.

chris
niederrhein
niederrhein
Mitglied

Zwischenkommentar
geschrieben von niederrhein
als Antwort auf niederrhein vom 03.12.2008, 06:59:31
Liebe Freunde
(weibliche wie männliche) des Märchens oder speziell der Grimm’schen Märchen,


mich freut natürlich sehr, wenn das Rätsel (es kommen 21 weitere!) nicht nur auf Resonanz und Interesse stößt (ich habe etliche Zeit dafür benötigt und für jede weiteren Vorbereitung, Kommentierung wende ich Sorgfalt und Zeit auf – dies nur zur Information!), sondern wenn jene lockeren, heiteren persönlichen Erinnerungen und/oder Kommentare folgen, die übrigens durchaus sehr informativ sind.


Im einzelnen (ohne jetzt direkt die Bezugsnamen zu nennen):

Zum Fischer und seine Frau (unverkennbar am Dialekt erkennbar; für die es nicht wissen: Das ganze Märchen wurde ursprünglich im plattdeutschen Dialekt niedergeschrieben; in späteren Auflagen und Bearbeitungen eingehochdeutscht, so daß nur noch der berühmte Vers
Mantje, Mantje, Timpe Te
Butje, Butje in der See
Myne Fru die Ilsebill,
will nich so as ick wohl will
[/indent]
in [i]Plattdeutsch
wiedergegeben wurde. (Ein Bub (David, seinerzeit drei, vier Jahre alt) sprach nur vom „Akuwil“-Märchen [= as ick wohl will])

Leider finde ich in meiner Bibliothek nicht die von Monika Laimgruber illustrierte Ausgabe dieses Märchens mehr; ich erinnere mich an das hochdramatische Bild, als der Butt zum letzten Mal auftauchte: riesengroß, ein dunkel-düsterer Himmel, eine gewaltig-wilde Woge. (Mal sehen, ob ich das Buch doch noch finde.)


Dann: Auf der Suche nach diesem Buch im Internet (antiquarisch ist es zu finden) stieß ich auf einen Hinweis zu dem Film Der Fischer und seine Frau (2005) von Dörte Dörrie, die von diesem Märchen zu ihrem Film inspiriert wurde. (Ich habe diesen Film leider nicht gesehen.)

Ob nur Kinder (wenn für solche waren ja Märchen ursprünglich gar nicht gedacht!) dieses Gefühl der Befreiung bei Hänsel und Gretel empfunden haben? Ich habe dieses Gefühl seinerzeit auch empfunden, wie überhaupt Märchen ganz elementare Gefühle hervorrufen. Die Muster, Motive und vermutlich auch die Reaktionen sind wohl gleichsam archetypisch im Menschen angelegt. Märchen (und auch Mythen) spielen wohl mit diesen archetypischen Grundmustern.
Ein solches elementares Gefühl (in diesem Gefühle der klugen Überlegenheit) habe ich beim „Tapferen Schneiderlein“ empfunden, obwohl hier eher das „Pflaumenmus“ der bleibende Eindruck geblieben ist. (Als hungriges Kind im Schweizer Exil, aber eben in einem Kinder- und Waisenhaus, war dieses Pflaumenmus damals für mich der – zunächst unbekannte – Inbegriff einer Köstlichkeit. Und – eigentlich erschreckend wegen seiner Nachhaltigkeit! – heute noch ist meistens ein Glas Pflaumenmus im Kühlschrank!)

An den vielen Grausamkeiten merkt man auch, daß Märchen wohl niemals für Kinder gedacht waren, wobei man allerdings wissen muß, daß eine Kindheit, wie wir sie heute kennen und „pflegen“, gleichsam eine Erfindung des 19. Jahrhunderts ist und selbst da nur für das wohlhabende Bürgertum gedacht war. Weder Bauern, (arme) Dorfbevölkerung, aber auch nicht der Adel (!) kannten eine Kindheit in jenem idyllischen Sinne, wie sie sich etwa in Ludwig Richters Zeichnungen widerspiegelt oder wie wir sie zu sehen glauben, denn manche dieser Zeichnungen zeigen wohl Armut etc. Jene heitere und anscheinend-scheinbare unbeschwerte Kindheit war eine Wunschvorstellung, Fiktion, keine soziale Wirklichkeit.
(An anderer Stelle habe ich schon einmal auf das Buch von Philippe Aries "Geschichte der Kindheit" hingewiesen; auf dieses Buch komme ich noch einmal im Rahmen des Themas Kindheit deklariert als Lehrveranstaltung der Universität Senoria [also auch hier im Insel-Forum] zurück.)

In den 70er Jahren kam dann der vehemente Protest gegen die klassischen KHM und ihren Grausamkeiten auf: "Diese Märchen sind nicht kindgemäß. Sie widerspiegeln überholte Familienmuster (Mutter, Vater, Kind) und hierarchische Verhältnisse und Sozialordungen."; man „korrigierte“ die Grimm’schen Märchen und schrieb andere Märchen.
Der Verlag Beltz & Gelberg (Unbedingt lesen!) war damals das verlegerische Sprachrohr dieser Märchen-Emanzipation und neuen Kinder-Literatur und ist heute noch einer der wichtigsten Verlage für sehr anspruchvolle Kinder- und Jugendbuchliteratur.

Es sehr interessant zu lesen und somit zu erfahren, daß tatsächlich Kinder diese vielen Grausamkeiten (ich erinnere mich u.a. an die durch Tauben (!) herausgepickten Augen der beiden Stiefschwestern von Aschenputtel.) als Grausamkeiten empfunden haben – das andere Gefühl wäre das der Schadenfreude und der ausgleichenden Gerechtigkeit.

Zu dem gespielten Zwerg: Auch ich mußte/durfte als siebenjähriges Kind in irgendeinem Stück einen Zwerg spielen (übrigens auch mit sehr wenig Text). Mir hatte diese Rolle sehr gefallen, denn einerseits durfte ich als „Exilflüchtlingskind“ (das Wort Judenkind war tabu) mitspielen, anderer mußte/durfte ich ein Mäntelchen mit Kapuze tragen – mein erster selbst gekaufter Mantel war ein klassischer Dufflecoat (mit Kapuze natürlich, wie die KennerInnen wissen); und wenn man mir heute an sehr kalten Tagen begegnet: Ich trage einen dunkelblauen Dufflecoat.


Soweit für jetzt ... weiter machen!

Die alte & olle Märchentante Bertha
vom Niederrhein zu Senoria
Medea
Medea
Mitglied

Re: Zwischenkommentar
geschrieben von Medea
als Antwort auf niederrhein vom 03.12.2008, 11:17:32
Dann darf meine kleine "Märchen"-geschichte hier auch nicht fehlen.
Als aus Niederschlesien Vertriebene und in einem kleinen Straßendorf in Niedersachsen abgeladene und auf die einzelnen Bauernfamilien verteilten Neuankömmlinge gab es ja keine eigenen Bücher mehr -
ich war aber schon als Kind auf das Lesen versessen. Mit den Nachbarkindern der Familie K. spielten wir auf der geteerten Straße und als ich mal sehr dringend "mußte" , rannte ich auf deren Plumpsklo mit Holzdeckel. Was ich dort vorfand, ließ mich auf dem Klo hocken bleiben, mochten die anderen auch noch so rufen. Opa K. hatte, in Ermanglung von Papier, den einen dicken Band der Grimmschen Märchen zwecks hinterrücksscher Vernichtung hingelegt - und ich kam mitten in das Märchen vom "kleinen Muck" - leider fehlte bereits der Anfang.
Wie so manche Stunde habe ich auf dem K.schen Klo zugebracht und mich durch die vielen Märchen gelesen. Mich haben sehr beeindruckt "Die sieben Raben", "Die sieben Schwäne", "Das steinerne Herz", "Der gestiefelte Kater" wurde zum Lieblingsmärchen, "Der König Drosselbart",
natürlich auch "De Fischer un sien Fru", "Der große und der kleine Klaus", "Der Froschkönig" das ging alles querbeet.
.... Und jedesmal wenn ich las Oh Fallada du da hangest"
"Oh Königstochter du da gangest" stürzten die Tränen aus meinen Augen und waren schwer wieder zu trocken und dennoch zog es mich dorthin ganz besonders.

Und als der Opa K. dann dahinter kam, warum ich ständig deren Klo aufsuchte, gab er mir den noch recht stattlichen Rest des Buches und holte vom Boden die dort aus den zwanziger Jahren gelagerten Zeitungen hervor. Dieses "Restbuch" der Grimmschen Märchen hat mich viele Jahre lang begleitet.

Das fiel mir soeben wieder ein - mich haben Märchen eigentlich nicht erschreckt, auch wenn es dort manchmal ziemlich grausam zuging, letztendlich fand ich, hatten die Bösewichter doch ihre Strafe verdient.

M.


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