Forum Politik und Gesellschaft Innenpolitik Ach - uns gehts doch gut

Innenpolitik Ach - uns gehts doch gut

Elmos
Elmos
Mitglied

RE: Ach - uns gehts doch gut
geschrieben von Elmos
als Antwort auf ehemaliges Mitglied vom 20.02.2018, 16:57:05

Hallo Nicole,
du hast echt Recht, finde ich, die Tafeln anzusprechen.
Ich bin, wenn ich darüber nachdenke, wirklich hin und hergissen. Einerseits finde ich es sehr lobenswert wenn auf diese Weise Lebensmittel "gerettet" werden. Und ich finde es ebenfalls sehr beeindruckend, was da von freiwilligen Helfern auf die Beine gestellt wurde.
Was ich eher negativ beeindruckend finde ist die Tatsache, dass in der Zwischenzeit in Deutschland etwa 1,5 Millionen Menschen regelmässig die Tafeln benötigen, davon übrigens ein sehr grosser Anteil an Jugendlichen und auch - natürlich - Senioren.
Und was trägt unsere Bundesregierung dazu bei? Das Bundesministerium der Finanzen gibt eine Sonderbriefmarke heraus (Quelle)
Das ist... nicht schlecht, oder?

Nun ja, was deinen Unwillen hier bestimmten Personen zu antworten betrifft... da bin ich ganz bei dir. Ich finde, die einfachste Methode ist es, deren Beiträge erst gar nicht zu lesen, man kann sie einfach überschlagen und dann muss man sich nicht ärgern und seine Zeit nicht mit sinnlosem Getippe verbringen. Du könntest statt dessen ein wenig mit deinen Zimmerwänden reden, das macht wahrscheinlich mehr Spass (und die Effektivität ist ähnlich).

liebe Grüße
Andrea

Elmos
Elmos
Mitglied

RE: Ach - uns gehts doch gut
geschrieben von Elmos
als Antwort auf freddy-2015 vom 20.02.2018, 18:52:30

Hallo Freddy,
ich glaube eine pauschale Rentenerhöhung ist zu kurz gedacht, auch wenn sie jetzt in diesen Thread gut passt.
Meiner Meinung nach (und da bin ich, glücklicherweise, in bester intellektueller Gesellschaft) wird es über kurz oder lang ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle Menschen geben MÜSSEN.
Da wehren sich jetzt noch etliche Gruppen, die entweder zufällig an den oberen Einkommensrand gespült wurden und nicht über eben diesen (ihren Rand) blicken können, oder diejenigen die nicht verstehen was grade gesellschaftlich passiert.
Leider wird dieser Unwille zu verstehen, davon gehe ich aus, eine (lange ?) Phase der sozialen Ungerechtigkeit und auch Unruhen und Probleme mit sich ziehen - denn es ist nicht abzusehen, dass diese Idee (die von Menschen, die sich mit der Zukunft dieses Landes intensiv beschäftigen sehr unterstützt wird) schnell genug umgesetzt werden wird - Gottchen, es ist ja kaum möglich hier im Land einen kostenfreien ÖPNV durchzusetzen).
Leiden werden darunter, davon kann man ausgehen, erst mal diejenigen die heute noch "so grade" auskommen, aber in letzter Konsequenz alle Menschen die hier zusammen leben möchten, weil es unter den Bedingungen, die auf uns zukommt nicht mehr so gehen wird, wie es jetzt läuft.
Liebe Grüße
Andrea

Karl
Karl
Administrator

RE: Ach - uns gehts doch gut
geschrieben von Karl
als Antwort auf Elmos vom 21.02.2018, 06:53:24

@Andrea,


aus deiner Quelle:

Die mehr als 930 gemeinnützigen Tafeln in Deutschland sammeln einwandfreie überschüssige Lebensmittel von Herstellern und Händlern und verteilen diese regelmäßig an bis zu 1,5 Millionen bedürftige Menschen in Deutschland. Damit schaffen sie eine Brücke zwischen Überfluss und Mangel.
Die Tafeln verbessern die Verwertbarkeit der Lebensmittel, die von den Lebensmittelmärkten und Restaurants nicht aus Dummheit oder Böswilligkeit weggeworfen werden, sondern aus logistischen, letztlich wirtschaftlichen Gründen. Das Verbraucherverhalten, also unser aller gemitteltes Verhalten, ist der wichtigste Faktor bei der Kalkulation der Lebensmittelmärkte und Restaurants.

Die Tafeln machen eine Bedürftigkeitsprüfung, würde diese nicht stattfinden, würden sehr viel mehr Menschen die billige Lösung in Anspruch nehmen als notwendig. Der angesprochene Schämfaktor spielt keine Rolle.

Die in der Diskussion angesprochene Solidarität innerhalb der Familien geht leider immer mehr verloren, die Familie selbst ist auf dem Rückzug. Deshalb ist es gut, dass es die Tafeln gibt.

Die Sondermarke des Bundes für die Tafeln zeigt die Wertschätzung, die den Tafeln entgegengebracht wird und sie wird helfen, ihrer eventuellen Stigmatisierung entgegen zu wirken.

Karl

P.S.: Warum wird hier eigentlich auf die Sachaussage, dass "der Staat" nicht an allem schuld sei und es auch Eigenverantwortung gebe, so aggressiv persönlich reagiert? Es gab noch nie ein dichter geflochtenes Sozialsystem als in der Bundesrepublik Deutschland. Anstatt den Staat auch einmal dafür zu loben, erhält er nur Schelte. Wir fordern doch ansonsten Selbstbestimmung des Individuums und Eigenverantwortung ein. Der Mensch ist eben nicht nur das Produkt seiner Umwelt, sondern auch sein eigenes. Man kann dieser These widersprechen, aber es gibt keinen Grund den Vertreter solch einer Meinung persönlich herabzuwürdigen.
 

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schorsch
schorsch
Mitglied

RE: Ach - uns gehts doch gut
geschrieben von schorsch

Soziale Hilfen basieren meistens auf privater Basis. Der Staat schaut zwar wohlwollend zu. Aber nur so lange als ihm niemand in die Quere kommt und nur so lange, als niemand verlangt, dass er sich auch daran beteilige.

Mitglied_dc2d221
Mitglied_dc2d221
Mitglied

RE: Ach - uns gehts doch gut
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf Karl vom 21.02.2018, 08:58:37

Ok, karl dann überlegen wir mal gemeinsam. Wenn ich was falsches schreib, gib mir ein Zeichen.
Die Tafeln wurden 1993 gegründet und es sind nun schon über 900 Tafeln...Tendenz steigend.Die Menge der gespendeten Lebensmittel ist tendenziell steigend, aber nicht in der Geschwindigkeit, in der die Nachfrage steigt. Sie sind überkonfessionell und stehen keiner Partei nahe. Ihre Mitglieder arbeiten meist ehrenamtlich.
Das klingt doch wirklich toll.

Was schliesse ich daraus ?

-es gibt in Deutschland arme Menschen die nicht davon leben können was sie vom Staat an finanziellen Mitteln bekommen.

- der Staat sieht es mit Vergnügen, daß sich ehrenamtliche Bürger um diese Menschen kümmert.

-diese Tafeln "beköstigen" ja über 1,5 Millionen Menschen...da sie keiner Partei nahe stehen,werden also diese Menschen nicht von diesen beeinflusst. Wäre es nicht besser, wenn diese Menschen sich nicht anders ernähren (bedingungsloses Grundeinkommen) und das mit politisch legitimen Mitteln durchsetzen ?

- Lebensmittelhändler(ich kann auch Konzerne schreiben) "entsorgen" so praktisch umsonst ihre Überproduktion...warum müssen sie dafür nicht zahlen ?

- Die Tafeln haben Problem mit dem Nachwuchs...warum müssen es ehrenamtlich Mitarbeiter sein, die den Staat unterstützen bei seiner Fürsorgepflicht ?

Ich habe in solch einer Einrichtung auch ein paar Monate gearbeitet habe.

Karl
Karl
Administrator

RE: Ach - uns gehts doch gut
geschrieben von Karl
als Antwort auf ehemaliges Mitglied vom 21.02.2018, 11:38:31

Richtig ist, dass die Tafeln ehrenamtlich eine Lücke schließen, die dadurch aufgrissen wird, dass die Lebensmittelhändler und Restaurants Bedarf und Angebot nicht immer optimal abstimmen können. Sie würden das sicherlich gerne tun, denn diese Lücke erhöht ihre Kosten. Anstatt diesen Überschuss nun vernichten zu müssen, wird er von den Tafeln genutzt. Das ist prima.

Die Schlussfolgerung, dass sonst jemand hier nicht hätte leben können, ist allerdings falsch, denn verhungern muss(te) in diesem Land niemand. Aber die Resourcen werden so besser genutzt und die Lebensqualität der Tafelbesucher verbessert.

Man sollte nicht immer nach dem Staat rufen, der letztlich natürlich auch nichts anderes ist als eine Organisation der Bürger. Trotzdem hätte ich nichts dagegen, wenn der Staat (und damit wir alle) die Tafeln unterstützen würden.

Ich bin persönlich wie Du ein Freund des bedingungslosen Grundeinkommens und denke, dass die Entwicklung dahin führen wird. Die menschliche Zufriedenheit wird aber auch dies nicht wirklich erhöhen. Die Biochemie im Gehirn wird sich neu justieren und Gründe Verbesserungen zu verlangen wird es immer wieder geben.

Karl


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Monja_moin
Monja_moin
Mitglied

RE: Ach - uns gehts doch gut
geschrieben von Monja_moin
als Antwort auf ehemaliges Mitglied vom 21.02.2018, 11:38:31
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- Die Tafeln haben Problem mit dem Nachwuchs...warum müssen es ehrenamtlich Mitarbeiter sein, die den Staat unterstützen bei seiner Fürsorgepflicht ?

Ich habe in solch einer Einrichtung auch ein paar Monate gearbeitet habe.
geschrieben von Ion
Ich würde sagen, wenn es keine ehrenamtlichen Mitarbeiter wären, sondern festangestellte Mitarbeiter, entstehen Kosten die dann auch zumindest teilweise von den Bedürftigen bezahlt werden müßten.
Das Essen gäbe es dann nicht mehr umsonst oder für einen kleinen Obolus.

Monja.
Mitglied_dc2d221
Mitglied_dc2d221
Mitglied

RE: Ach - uns gehts doch gut
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf Monja_moin vom 21.02.2018, 12:33:09

Warum sollten es die Bedürftigen bezahlen ? Wie war das eigentlich vor 1993 ? Wer hat da, dafür gesorgt, daß keiner hungern musste in den alten Ländern. Und warum werden es immer mehr Tafeln, wenn es uns doch so gut geht ?

RE: Ach - uns gehts doch gut
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf ehemaliges Mitglied vom 21.02.2018, 11:38:31
"-diese Tafeln "beköstigen" ja über 1,5 Millionen Menschen...da sie keiner Partei nahe stehen,werden also diese Menschen nicht von diesen beeinflusst. Wäre es nicht besser, wenn diese Menschen sich nicht anders ernähren (bedingungsloses Grundeinkommen) und das mit politisch legitimen Mitteln durchsetzen ?"

geschrieben von Ion
ALLES VERNÜNFTIGE FRAGESTELLUNGEN !

Für mich ergeben sich hier einige Probleme.
Zunächst unterstütze ich ein bedingungsloses GESETZLICHES Grundeinkommen.
Soziale Leistungen unterschiedlichster Art gibt es ohnehin.
Deutschland gibt fast ein Drittel seiner Wirtschaftsleistung für Sozialtransfers wie Alterssicherung, Sozialhilfe, Kindergeld oder Grundsicherung aus.

Ich habe keine Klarheit, was die Höhe der Beding.Grundsicherung betrifft und wie die Erwirtschaftung aussehen soll.
In Deutschland gilt per Definition als arm, wer als Single weniger als 917 Euro netto verdient...
Das soziokulturelle Existenzminimum beträgt 751 Euro (409 Euro plus durchschnittliche Kosten der Unterkunft und Heizung von 342 Euro). Das liegt deutlich unter der definierten Armutsgrenze.

--- Wie hoch würdest du denn das Bedingungslose Grundeinkommen ansetzen, damit Bürger die Tafel nicht mehr nutzen MÜSSEN ?
--- Meinst du wirklich, dass dann NICHT trotzdem weiter kostenlose Tafeln genutzt werden würden und dass nach gesetzlicher Realisierung des Beding. Grundeinkommen die Ansprüche sofort steigen würden ???
UND und und...
 
Mitglied_dc2d221
Mitglied_dc2d221
Mitglied

RE: Ach - uns gehts doch gut
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf ehemaliges Mitglied vom 21.02.2018, 13:03:18

Keine Ahnung klaus, wie hoch dieses bedingungslose Grundeinkommen sein müsste. Bin doch kein Spezialist. Ich hab mich auch, als der Mindestlohn eingeführt wurde, gefreut. Bis ich dahinter kam, daß jemand der sein ganzes Leben mit diesem Mindestlohn arbeitet weiger als eine Mindestrente bekommt. 
Warum also soll er dann dafür arbeiten ? Der Mindestlohn sollte eine Rente sichern die höher ist als die Mindestrente. Und so wie ich das damals nicht einschätzen konnte, so bin ich auch überfragt mit deiner Frage.
Die Tafeln selber finde ich nicht schlecht...es ist sowas wie auf anderem Gebiet ein Sozialarbeiter oder Streetworker. Sie helfen Menschen bei Dingen die der Staat nicht auf die Reihe bekommt. Sie sind sowas wie ein moralisches Feigenblatt. Man brauchte sie früher nicht...ich weiss aber auch nicht wie es damals war.


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