Forum Politik und Gesellschaft Innenpolitik Wer kann uns aus der Krise führen?

Innenpolitik Wer kann uns aus der Krise führen?

olga64
olga64
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Re: Wer kann uns aus der Krise führen?
geschrieben von olga64
als Antwort auf yuna vom 24.10.2011, 20:06:59
Die Bürger sehnen sich offenbar so sehr nach einer funktionierenden Politik, dass sie positive Ereignisse lieber in Erinnerung behalten als negative.

Was mich viel nachdenklicher stimmt hier ist die Frage "Wer kann uns aus der Krise führen?".


So sehe ich dies nicht ganz: die Bürger glauben, sich in alles - und sei es noch so lapidar - persönlich einmischen zu wollen, teilweise durch Demonstrationen, die auch handgreiflich werden können. Dazu wünschen sie z.B. den AKW-Ausstieg - sind aber gegen Windenergie usw.
Wie soll das funktionieren?
Bei dem Interview Schmidt/Steinbrück mit Jauch störte mich insbesondere, dass die Interviewten sich vorher ausbedungen haben, nicht die Frage "was wäre der besten Weg zur EU-Krise?" gestellt zu bekommen - sie erklärten, sie würden sie nicht beantworten.
DAs hat sicher auch damit zu tun,dass solche Passagen im gemeinsamen Buch erscheinen werden und man befürchtet, dass sich dieses Buch dann schlechter verkauft.
Es kann aber auch damit zu tun haben, dass begreiflicherweise auch diese beiden Herren keine Ahnung zur Problemlösung haben.
Ob sich Steinbrück wirklich einen Gefallen damit tat, sich von Schmidt zum Kanzlerkandidaten ausrufen zu lassen - werden wir sehen. Es kann gut sein, dass es einmal heisst: Steinbrück wäre ein guter Kanzler geworden - aber leider war er kein guter Kanzlerkandidat. Olga
yuna
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Re: Wer kann uns aus der Krise führen?
geschrieben von yuna
als Antwort auf olga64 vom 25.10.2011, 16:32:58
Schwierig, denn wie es so ist - im Vorfeld kann man sich zwar seine Meinungen bilden und spekulieren, aber 100% wissen wird man es eben nur, wenn es passiert. Und dann ist es im schlimmsten Fall zu spät.
Wer nicht gerade ein erfolgreicher Wahrsager ist, hat da bei schlechten Entscheidungen das Nachsehen.
Es gibt aber eben auch Risiken, die lassen sich durch ein bisschen Nachdenken minimieren.

Ich gehe einfach auch soweit (wie Sie Olga) zu sagen, dass keiner von den beiden eine Lösung hat/hatte. Und auch kein anderer in der aktuellen Politik wird eine Lösung haben - jedenfalls keine, die die Bevölkerung kurzfristig zufrieden stellt.

Bis wir nämlich an dem heutigen Punkt ankamen, haben wir viele, viele Jahre konsumiert wie die Blöden, Kredite aufgenommen, an der Börse spekuliert und es uns größtenteils auf Kosten anderer gutgehen lassen.
Keiner hat sich (zumindest nicht öffentlich) mal ernsthaft gefragt, woher das nötige Wachstum kommen soll, wenn mal keine Ressourcen mehr da sind. Und ich rede nicht von Bäumen für Papier oder Öl.

Daher wird es ebenso lange dauern (wahrscheinlicher, doppelt so lange, da erst eine Phase des Umdenkens stattfinden müsste), bis sich alles wieder auf ein verträgliches Maß reguliert hat.
Wer macht da mit? Die meisten denken doch wie unsere Regierenden: Nach mir die Sintflut.
Jemand der einmal in Saus und Braus lebte, verzichtet doch nicht freiwillig wieder darauf.
Es ist sich doch niemand einer Schuld bewusst.
Die Wenigsten lassen von Kredite ab, solange sie sie bekommen.
Banken wiederum verzichten auf keine Gelegenheit, noch mehr Geld einzufahren. Verborgen sie Geld, "vermehren" sie es ja durch die Zinsen.

Wenn man sich also mal anschaut, wer bereit ist sich zu zügeln, Opfer zu bringen, Verantwortung zu übernehmen und wer nicht, dann sieht man schnell: So gibt es keine Lösung. So kann es gar keine Lösung geben. Jedenfalls keine Lösung, die nicht nur oberflächliche Flickerei ist.

Daher ist man sicher gut beraten, nicht einfach auf den großen Zusammenbruch zu warten, sondern sich schlicht um seine eigenen kleinen Krisen zu kümmern, diese zu bewältigen und in dem guten Gewissen zu leben, dass man das Problem erkannt hat und sich Mühe gibt, nicht zur Verschlimmerung beizutragen.
Jeder ein bisschen.
olga64
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Re: Wer kann uns aus der Krise führen?
geschrieben von olga64
als Antwort auf yuna vom 25.10.2011, 17:12:03
Vielen, vielen Dank für den wirklich klugen Beitrag - lässt mich aufatmen und macht mich nachdenklich.
Ich denke derzeit auch viel über die so viel gescholtenen Banken nach, die ja von der Mehrheit des deutschen Volkes kriminalisiert werden.
Derzeit sollen sie ja überredet werden, auf einen Grossteil ihrer Forderungen z.B. in Griechenland zu verzichten. Nun gehört ja eine Bank niemals einem Einzelnen (auch der sehr oft beschimpfte Herr Ackermann ist nicht Eigner der Deutschen Bank). Banken sind im Besitz von Aktionären - wenn diese nun befürchten muss, dass die Bank, wo er Aktien hält, auf 50 - 60% ihrer Forderungen verzichten muss, verlieren die Aktien an Wert - vermutlich steigen die Aktionäre schnellstens aus und verkaufen diese Aktien.
Rein von Benehmen her, interessiert es mich auch, wie man jemanden (die Banken) überreden kann, etwas "Gutes" zu tun (Verzicht auf Forderungen), den man vorher übelst beschimpft?
Übrigens sagte Herr Ackermann bereits vor mehr als einem Jahr,dass Griechenland seine Schulden nicht zurückbezahlen wird können. Damals war er wieder mal der böse Bube der Politik und auch des "Volkes". Die Deutsche Bank wird es auch bei einem Schuldenverzicht nicht zu stark treffen - ihr Engagement in Griechenland ist recht gering.
Schlimmer dran sind die Commerzbank und die Landesbanken; soviel wieder mal zu Volkes Forderung "Banken gehören verstaatlicht" - das sind die Landesbanken und machen eigentlich nur Unsinn. Olga

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EehemaligesMitglied58
EehemaligesMitglied58
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Re: Wer kann uns aus der Krise führen?
geschrieben von EehemaligesMitglied58
als Antwort auf olga64 vom 25.10.2011, 17:19:38
Hallo Olga, daß Griechenland seine schulden niemals wird zurückzahlen wird können, hab ich auch schon mehrmals hier geschrieben.
Meine und Ackermanns kritiker haben auch meine fragen, wie eine so unbedeutende volkswirtschaft und ein so unorganisierter staat eine solche geldschuld abtragen soll, nicht beantwortet.
Zu den Landesbanken nur soviel.
Die haben mit dem bis zu 50fachen, beispiel LBS, ihres eigenkapitals am kapitalmarkt spekuliert und unsummen (milliarden)in den sand gesetzt.
Alles auf kosten der steuerzahler, nach dem motto, ist ja nicht meins und haften tut auf jeden fall die große BRD.
Bei den privatbanken, der Citybank beispielsweise, ging das nur bis etwa zum 12fachen des eigenkapitals.
Insofern ist mit einer verstaatlichung der banken allein nix getan, wenn dort nicht strengste regeln verordnet und permanent kontrolliert werden.
trux
trux
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Re: Wer kann uns aus der Krise führen?
geschrieben von trux
als Antwort auf EehemaligesMitglied58 vom 25.10.2011, 17:36:26
Das verstehe ich nicht, daher meine Frage:
Wenn wir Steuerzahler doch die Banken stützen müssen, warum sie nicht verstaatlichen und Bankbeamte einsetzen? Beamte hat man durch alle möglichen Gesetze und Verordnungen fest im Griff, aber die Banken doch scheinbar nicht.
Trux
Christine1951
Christine1951
Mitglied

Re: Wer kann uns aus der Krise führen?
geschrieben von Christine1951

das weiß wohl keiner ... ein "herumgeeiere" ist das .... und von aus der Krise kann keine Rede sein im Moment stürzen wir wohl ins uferlose

Gysi in der Bundestagsdebatte

LG

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olga64
olga64
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Re: Wer kann uns aus der Krise führen?
geschrieben von olga64
als Antwort auf trux vom 25.10.2011, 18:14:48

Wenn wir Steuerzahler doch die Banken stützen müssen, warum sie nicht verstaatlichen und Bankbeamte einsetzen? Beamte hat man durch alle möglichen Gesetze und Verordnungen fest im Griff, aber die Banken doch scheinbar nicht.
Trux


Was nützt denn der Griff, wenn sich das angerichtete Unheil zu spät herausstellt? Dann kommt - wenn überhaupt - der verursachende Bankbeamte in den Knast - und wer bezahlt den Schaden? Der Steuerzahler.
An Ihnen scheint das Bankenfiasko gerade der staatlichen Banken (Landesbanken) völlig spurlos vorbeigegangen zu sein.
In München steht derzeit ein früheres Vorstandsmitglied der bayerischen Landesbank vor Gericht, der zusammen mit Ecclestone einen Deal in SAchen Formel 1-Lizenzverkäufe eingefädelt hatte und sich mit 40 Mio Provision schmieren liess - in Ihrer Diktion war dies ein "Bankbeamter" einer staatlichen Bank. Ist dies besser als wenn Privatbanken mit ihren Aktionären gut wirtschaften und nichts vom Steuerzahler benötigen? Z.B. die Deutsche Bank und Herr Ackermann. Olga
erafina
erafina
Mitglied

Re: Wer kann uns aus der Krise führen?
geschrieben von erafina

Es wird allenthalben, auch hier im ST, gelästert über die OCCUPY-Veranstaltungen.
Gerade bekomme ich eine Einladung für OCCUPY Frankfurt am 29.10.
Näheres hier
Ist es nicht besser zu einer viel belästerten Demo zu gehen,
als daheim zu sitzen und zu lästern?

Was meint Ihr?

erafina
king
king
Mitglied

Re: Wer kann uns aus der Krise führen?
geschrieben von king
als Antwort auf erafina vom 26.10.2011, 19:54:51
Wenn Du davon überzeugt bist, dann tu es einfach.

Unverständlich ist mir nur,dass die Vereinigung ein Paypal Konto angibt, als Spendenkonto.
Eine Tochtergesellschaft von Ebay, die weltweit agiert, also auch ein Global Player, der mit seinen Koditionen sehr gut verdient und ettliche Einschränkungen in seinen AGB'S hat.

king
yuna
yuna
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Re: Wer kann uns aus der Krise führen?
geschrieben von yuna
als Antwort auf king vom 26.10.2011, 20:46:30
@King: Das hat damit sicher wenig zu tun. Paypalkonten sind extrem weit verbreitet (ich habe übrigens auch eins) da es im weltweiten Internethandel schon sehr, sehr praktisch ist - sowohl für den Verkäufer als auch auf jeden Fall für den Käufer.
Es gäbe natürlich noch Flattr (wird in Deutschland häufig neben Paypal angeboten), aber das ist nicht annähernd so verbreitet. Paypal ist im gleichen Maße praktisch, wie es unbeliebt ist. Gerade als Spendenkonto ist es absolut mit Vorsicht zu genießen, weil Paypal sich allzu gerne öfter mal das Recht heraus nimmt, Konten ohne Vorwarnung und ersichtlichen Grund mehrere Monate einzufrieren - gerne auch nur in eine Richtung. Geld einzahlen geht noch, Geld abheben nicht. Abgesehen von Flattr fehlen aber sinnvolle Alternativen, die ähnlich verbreitet sind.
Daher nutzt man eben Paypal und hofft darauf, dass man vllt. Glück hat.
Ich bin ziemlich sicher, dass es nichts mit eBay zu tun hat, oder dass man einen riesigen Konzern weiter unterstützen möchte.
Wie gesagt - gäbe es eine echte Alternative, die meisten Händler und Organisationen wären sofort weg von Paypal, und mit ihnen auch die restlichen Kunden.
Paypal überschreitet einfach viel zu oft seine Grenzen. Fast jeder größere Händler ist sich durchaus bewusst, dass er da auf einem Pulverfass sitzt (oder hatte bereits echte Probleme mit denen), aber wenn du weltweit handelst, kommst du nicht drumherum.

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