Neuvorstellungen Nachdenklich

Re: Nachdenklich
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf val vom 01.02.2017, 09:52:43
ich träume (nicht oft, aber immer wieder), dass meine kleinen Kinder auf dem falschen Bahnsteig (ich stehe auf dem gegenüber und sehe hilflos zu ) in den falschen Zug steigen werden (abfahren sehe ich sie nie - ich wache vorher auf, wie beim 'Fallen').
geschrieben von val
Mit einer ordentlichen Anamnese könnte man sicher etwas aufdecken. So bar jeglicher Kenntnis Deiner Lebenssituation fallen mir spontan zwei gängige Möglichkeiten ein:
1. Ehe kriselt (Angst sie zu verlieren), und/oder
2. Kinder sind in der Pubertät (Angst, dass sie auf Abwege geraten).
Aber es kann natürlich auch ganz was anderes sein.
JuergenS
JuergenS
Mitglied

Re: Nachdenklich
geschrieben von JuergenS
als Antwort auf ehemaliges Mitglied vom 01.02.2017, 15:55:45
Es sind auf jeden Fall Ängste, das normalste der Welt, aber keiner will sie haben.
carlos1
carlos1
Mitglied

Re: Nachdenklich
geschrieben von carlos1
als Antwort auf platon vom 24.01.2017, 22:11:13
Am 24.01.2017 stellte der Forist Platon das Thema »Nachdenklich« ein. Nun scheint die Nachdenklichkeit in einen Dämmerschlaf überzugehen, nachdem das Denken zuletzt in Richtung Traumdeutung und virtual reality driftete. Heigl sprach das Höhlengleichnis an, ein interessanter Einstieg in Richtung Ideenlehre Platons. Karl würde sich für Erkenntnistheorie interessieren, während cunvivanto mit Philosophie eine »eine flotierende, ziellose Nachdenklichkeit« verbindet, was erstaunlich ist, weil Philosophie keineswegs ein zielloses gedankliches Umherschweifen ist. Ich vermute, dass cunvivanto die breit gestreute Themenvielfalt in der Philosophie mit frei flotierend gleichsetzt. Genau so gut müsste man dann auch die Wissenschaften, Natur- sowohl als auch Geisteswissenschaften als frei flotierend bezeichnen, nur weil sie eine große Themenvielfalt aufweisen.

Mir geht es, wenn ich den Namen Platon höre um mehr: Wie hat Platon die Ideenlehre gemeint und was bedeutet sie für die heutige Wissenschaft? Deshalb nochmal den Hinweis auf den Mathematiker und Philosophen Whitehead, der vor knapp hundert Jahren von der gesamten Philosphie Europas incl. den Naturwissenschaften als Fußnoten zu Platon sprach.

Der Physiker und Philosoph C. F. von Weizsäcker (Lehrstuhl f. Philosophie in Hamburg von 1957 bis 1969) sah es als Aufgabe die moderne Naturwissenschaft philosophisch zu interpretieren und zugleich klassische Philosophie zu lehren. Er schreibt, dass je tiefer er sich in diese Aufgabe vertiefte diese sich umso untrennbarer erwiesen sie:

»Alle »Grundbegriffe, welche die Naturwissenschaft naiv verwendet, haben ihren Ursprung in der Denkanstrengung der [i]klassischen, letztlich der griechischen Philosophie.« C. F. von Weizsäcker [/indent]

Verstehen könne man die klassischen Philosophen aber nur, so Weizsäcker, wenn man sich mit ihnen wie mit lebenden Kollegen über die Wahrheit iher Gedanken unterhält.

Es geht also um wahr oder falsch und den Weg zur Wahrheit. Die Methode Platons ist der sokratische Dialog. Platon, Schüler des Sokrates, der selber nicht Schriftliches hinterlassen hat, übernimmt dabei das Problem und die Thesen des Gegenübers und nötigt diesen durch insistierendes Fragen zuzugeben, dass er nicht weiß, was er mit seinen eigenen Behauptungen eigentlich meint. Gespräch ist für Sokrates/Platon also philosophische Arbeit. Die Arbeit endet meist in einer Aporie (nicht auflösbarer Widerspruch), Sokrates sagt damit »Tschüss« und »Morgen sehen wir weiter.« Eine Denkmethode also. Dialogisch.

Die Wissenschaft , so Weizsäcker, verhält sich so wie die Menschen im Alltag auch , mit denen Sokrates (oder Platon in seinen Dialogen). Sie leistet gute Arbeit und redet vernünftig. Nur eines tut sie nicht: Von der Vernunft dessen, was sie tut Rechenschaft abzulegen. Das kann sie nicht. Der Wissenschaftstheoretiker Th. Kuhn nannte das »normal science.«

Weizsäcker veröffentlichte bei Reclam (Universal Bibliothek) 1981 vier ausgewählte Aufsätze: Über Sprachrelativismus, dann Parmenides und die Graugans, ferner Parmenides und die Quantentheorie, Platons Logik und die platonische Naturwissenschaft im Laufe der Geschichte. Auf dies kleine Reclam-Bändchen beziehe ich mich. Es umfasst 140 Seiten. Titel: »Ein Blick auf Platon.«Ich las es vor lange Zeit. Heute muss ich ein Vergrößerungsglas nehmen.

Ich erinnere mich an das zweite Thema , wo er auf den Idealtypus der Wissenschaft eingeht. Die Wissenschaft beziehe sich auf diesen Begriff, »nur von ihm ist Wissenschaft möglich.« Als Beipsiel wähl W. die Verhaltensforschung. Die Graugans war Vorzugsobjekt der Forschungen von Konrad Lorenz. Er war der Gänsevater und seine Gänse schwammen um ihn herum im Wasser. Die Graugans und die Ideenlehre Platons gehen für Weizsäcker gut zusammen. Zunächst wirde erklärt, was Ideen nicht sind: Reine Begriffe. Vielmehr sind Ideen die Voraussetzungenm, dass überhaupt ein Ding existiert, dass dieser Idee entspricht. Sehe ich das aber so, dann ist es mit dem vielzitierten Idealismus Platons nicht weit her. Denn erst durch die Idee sei es möglich ein Ding (etwa einen Tisch) zu schaffen, der Idee »Tisch«ein Sein zu verschaffen. Weizs. schreibt, dass ihm sehr daran liege, dass der Wissenschaftler einsieht, dass er selbst nicht weiß, was er sich unter einem Begriff vorstellt. Er erläutert dies explizit am Begriff der biologischen Spezies in der Biologie. Das hat mit Logik zu tun und es wird klar, dass die Ideenlehre ein Versuch Platons ist zu erklären, was ein Begriff ist.

Als Idealtypus kommt die Graugans im Körperbau und Verhalten in der Natur niemals überall genau (d. h. identisch ) vor, wie sie beschrieben wird. Es gibt viele Arten von Gänsen, die alle an ihre engere Umgebung angepasst sind. Darwin lässt grüßen: »Der Idealtypus beschreibt die dieser Nische angepasste Gans, um deren Eigenschaften die empirisch vorfindlichen Gänse in einer von anderen Parametern abhängigen Verteilung spielen.« Weizsäcker

Ein weiteres Beispiel: Die Soziologie entwickelte den homo sociologicus, die Wirtschaftslehre den homo oeconomicus. Beide sind intellektuelle Kunstprodukte wie der erwähnte Idealtypus auch. Ein Mensch wie der homo oeconomicus , der immer exakt nach den Regeln des ökonomischen Gesetzes handelt, ist zwar notwendig für die Ökonomen, um durch Berechnungen Prognosen für die künftige ökonomische Entwicklung zu erstellen, die übrigens fast nie stimmen werden. Warum? Menschen werden nie zu jeder Zeit und bei jeder Transaktion genau oder überhaupt nach dem ökonomischen Gesetz handeln (mit den vorhandenen Mitteln ein größtmögliches Ziel anstreben).

Natürlich werden Wissenschaftler auch genau wissen und einsehen, dass sie Begriffe verwenden, die von der genauen Beschreibung einer Spezies abweichen. Weizsäckers Meinung müsste relativiert werden. Anders gesagt wäre Wissenschaft nicht möglich. Das Publikum dagegen erwartet, dass Wissenschaft exakt Aussagen über individuell gültige Situationen macht. Die Komplexität der modernen Welt hat darin seine Wurzeln. Was dies mit Platon zu run hat?

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platon
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Mitglied

Re: Nachdenklich
geschrieben von platon
als Antwort auf carlos1 vom 04.02.2017, 21:31:19
Nein, nicht Dämmerschlaf----eher Meditation oder Konzenntration auf sich selbst! Ich möchte mit dem Faust antworten:".....das ich erkenne was die Welt im Innersten zusammenhält!" Meine Welt, denn eine andere kenne ich nicht (schon wieder der Goethe).
Im Ernst, wenn man ein gewisses Alter erreicht hat sucht man im Philosophieren und in der Philosophie Antworten auf die Frage "..wo stehe ich und warum stehe ich hier?" Was wäre anders wenn....? Was war die Basis für Wegbestimmende Entscheidungen der Vergangenheit? Waren es unbewusste Wünsche? Realitätsferne Fantastereien? Schatten die ich für Wirklichkeit gehalten habe? Und wenn ja, wie hätte ich sie erkennen können und wie kann ich sie in Zukunft erkennen? Denn der Weg ist nicht mehr so lang.
Ich habe versucht Entscheidungen immer auf Basis von Analysen des IST zu treffen. Aber gibt es in diesen Lebensbereichen auch Entscheidungen oder besser Schlüsse a priori??? Und was war nochmal der Unterschied von analytischen und syntethischen Schlüssen a priorie?
Das liest sich sicher alles ziemlich durcheinander. Das muss sortiert und schlüssig werden. Also sucht man oder besser ICH Hilfe in der Philosophie. Viele Philosophen haben, glaube ich, so angefangen, mit Fragen, oder?

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