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Plaudereien Club der Nightwriter und Nightreader

Shenaya
Shenaya
Mitglied

RE: Club der Nightwriter und Nightreader
geschrieben von Shenaya

Ein Entwurf für unsere neue Eulenhorstbesucherin...

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LG in die Eulenrunde
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Bruny
Bruny
Mitglied

RE: Club der Nightwriter und Nightreader
geschrieben von Bruny
als Antwort auf Shenaya vom 01.05.2018, 19:49:02

Nach ganz langer Zeit ist heute der erste Tag
wo ich am Handgelenk keine Manschette trag.
Das Drehen und Biegen tut zwar immer noch weh
aber ich habe bald raus den erlösenden Dreh.
Meine Flügel sind ja nicht gänzlich lahm,
sodass ich das Eulennest wenigstens besuchen kann.
Den schönen Tag heute habe ich sehr genossen
und der Himmel hat keine einzige Träne vergossen.
Kürzlich bin ich ja wieder in Deutschland gewesen
und da konnte ich ein ulkiges Verbotsschild lesen.
Das witzige an dem Spruch ist, es hält sich daran
jede Frau und auch jeder Mann Zwinkern.

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Tine1948
Tine1948
Mitglied

RE: Club der Nightwriter und Nightreader
geschrieben von Tine1948
als Antwort auf Shenaya vom 01.05.2018, 19:49:02

Danke, Shen, ich hab Majorie schon mal per PN auf dein schönes Werk aufmerksam gemacht. Es ist so schön, so liebe Menschen im ST zu kennen, wie dich. Alles Liebe von der Tine


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johanna
johanna
Mitglied

RE: Club der Nightwriter und Nightreader
geschrieben von johanna

Ich war wieder ein paar Tage unterwegs, habe mir rund um den Harz verschiedenes angeschaut / leider habe ich den Bericht über Sonntag / die Fahrt mit der Dampflok auf den Brocken im Caravan liegen gelassen und der steht immer noch in Zorge.....also hier erst einmal die Einstimmung auf den Hexentanz in Braunlage


Montag 30.4. Quedlinburg

Wer hats erfunden? - die Schweizer

Gestern die Fahrt mit der Schmalspurbahn – der Dampflok auf den Brocken. Heute soll es Quedlinburg sein. Wir wachen sehr zeitig auf, geniessen den Sonnenaufgang, das Vogelgezwitscher – frühstücken nach dem Duschen draussen vor dem Caravan und nehmen uns als Wegzehrung einige belegte Brote mit. Denn heute ist Quedlinburg angesagt – die Altstadt mit dem Kornmarkt, Marktkirche, und St. Blasiuskirche. Wir suchen uns nach der Ankunft einen Parkplatz, verfahren uns und müssen Einheimische fragen, wo man parken kann – wie man zur Altstadt kommt. Aber nicht alle Einwohner wissen Bescheid – erst eine etwas ältere Dame erklärt uns mit grosser Begeisterung, vielen ausschweifenden Gesten den Weg. Wir finden einen Platz, an welchem auch Wohnmobile stehen dürfen, zahlen die Tagesgebühr an Parkmiete und machen uns auf den Weg. Doch zuerst fragen wir einen Herrn, der in einem kleinen Bummelzug sitzt, wann er sich auf seine Rundfahrt macht,. Denn diese Bimmelbahn zeigt uns bereits am äusseren Erscheinungsbild dass hier Rundfahrten stattfinden. Auskunft: 11:00 Uhr am Marktplatz.
Es ist nicht weit wir kommen am Kornmarkt in die Altstadt wenden uns nach rechts und betreten gleich als erstes die Marktkirche. Ein alter Bau, schlicht im innern – eine schöne Orgel, ein schlichter Tisch mit zwei hohen Kerzenleuchtern die Kanzel ohne Schmuck. In der Kirche sind Tafeln ausgestellt mit der Geschichte der Stadt. Der Werdegang von einem kleinen Ort über eine Handelsmetropole – Kaiserliche Urkunden die den Bewohnern viele Rechte verliehen. Von ca. 940 bis ins 15. Jahrhundert gehen die Tafeln und Erläuterungen. Wir gehen weiter und betrachten die Auslagen der Geschäfte. Ein Ausstellungsstück hat es uns angetan: ein Lampenständer der ganz besonderen Art. Zu unterst eine kleine weisse schlichte Kanne, darauf ist dann eine Untertasse mit der Kaffeetasse platziert und darauf steht dann noch einmal eine Untertasse – nur wesentlich kleiner mit einer kleineren Kaffeetasse – alles in schlichtem weiss gehalten. Die Fassung für die Birne ist unter dem weissen schlichten Lampenschirm – daneben hängt eine Lampe von der Decke herab – es ist eine Kaffeekanne – feines weisses Porzellan, der Boden ist herausgeschnitten sodass das Licht ungehindert auf den darunter stehenden Tisch fallen kann. Eine wunderschöne Idee – aussergewöhnlich, wie auch die Wanddekoration in dem Kaffee, in dem wir uns einen Kaffee bzw. eine Schokolade mit jeweils einem Stück Kuchen bestellen. An einer Wand, zwischen zwei Fenstern sind halbe Kaffeekannen angebracht und mit der Wandfarbe im gleichen Ton gestrichen. Witzig – schön anzuschauen. Zur Nachahmung empfohlen. Wir verlassen das Kaffee und warten auf den Beginn der Stadtrundfahrt. In diesen kleinen Zug passen ungefähr 46 Personen hinein, die Rundfahrt soll ca. 45 Minuten dauern. Ein gutes Geschäft für den Mann, denn auch später ist der Zug jedes mal bis auf den letzten Platz besetzt, wenn wir ihn wieder vorbeifahren sehen. Während der Rundfahrt lernen wir die Unterschiede der einzelnen Häuser aufgrund der Dachabschlüsse zu erkennen. Im 17. Jahrhundert waren sie anders wie an den Häusern die im 18. Jahrhundert errichtet wurden. Es gibt besondere Bauten die erwähnt werden, so auch der Ständerbau, den wir uns dann später noch separat anschauten. Das Rathaus mit dem kleinsten Roland davor – in Bremen steht ein grosser Roland! Die alte Topfstrasse – wir erfahren wie dieser Name zustande kam – interessante Dinge, die uns der Fahrer auf der kleinen Stadtrundfahrt mitteilte. Wir sehen das Schloss auf dem Schlossberg mit der Stiftskirche – allerdings fahren wir nicht hinauf sondern bleiben in der Stadt. Nach der Rundfahrt machen wir uns auf den Weg um einzelne Gebäude aufzusuchen. Wir betreten eine Kirche – St. Blasil – Musik ertönt, so einschmeichelnd, ruhig, wunderschön – wir setzen uns und lauschen andächtig. Ein Mann sitzt an einem Klavier welches vorne neben dem Altar steht und spielt – improvisiert. Eine Musikfolge die in eine Kirche passt und doch wiederum nicht so ernst ist, dass man unwillkürlich an alte Klassik denken muss. Ich lausche hingerissen. Auch andere Personen kommen in die Kirche und hören zu. Wir sind nicht so viele Personen. Dann steht der Mann auf, nimmt ein anderes Musikinstrument, welches ich vorher noch nie sah zur Hand und spielt! Wir stehen auf und gehen weiter nach vorne, mich interessiert dieses Instrument – es tönt wie die Stahlfässer, mit denen früher auch Musik gemacht wurde. Nur viel feiner und schöner! Der Musiker kommt auf uns zu und erklärt uns dieses Instrument. Er sagt, dass es für ihn sehr schwierig war so eine Kostbarkeit zu erwerben. Schweizer Instrumentenbauer hätten diese Instrumente kreiert. Sie wären die nächste Generation der Steelpans gewesen – das Instrument nennt sich Hang und wird ständig verbessert im Klang und der Handhabung. Dann fragt er wer denn etwas musikalisch ist und mit ihm spielen möchte. Uwe nimmt mir einfach meine Handtasche von der Schulter und drängt mich. Also gehe ich nach einem zaudern nach vorne, setze mich zu dem Musiker und lasse mir die Handhabung erklären. Man muss nur schnell und leicht mit dem Finger auf die einzelnen Vertiefungen klopfen um einen Ton zu erzeugen. Dann probieren wir und ich merke, dass ich zu zaghaft „klopfe“ also noch einmal und etwas fester. Nach einer Weile hören wir auf, der Musiker bedankt sich und eine andere Dame setzt sich dazu. Uwe und ich verlassen die Kirche. Ich bin noch voll von dieser Musik – es war so friedlich, schön und harmonisch in diesem Bau. Danach schauen wir uns verschiedene Geschäfte an, wir sehen einen Laden mit Messern – Uwe mag gute Messer und auch meine Küche könnte ein gutes Stück vertragen. Wir betreten den Laden, fragen uns zu den Spezialmessern durch und finden Damaszenermesser – die Formel eins unter den Messern! Da es auf diese Stücke Sonderpreise gibt kaufen wir jeder eines der Superstücke. Wirklich nicht billig, aber wunderschön geschmiedete Messer. In einem anderen Laden sehe ich aus alten Büchern gefaltete Kunst – Bilder, Formen alles aus Papier gefaltet – Bücher die vorne Herzen oder auch einen Pferdekopf zeigen. Blatt für Blatt nach einem bestimmten Schema gefaltet – leider sind diese Stücke nicht zu erwerben, aber ich kann ein Buch kaufen in welchem diese Technik erklärt wird. In einem anderen Laden kaufen wir Sämereien. Quedlinburg ist bekannt dafür und wir decken uns mit Sprossensamen und anderen Samentüten ein. Dann endlich finden wir den Ständerbau. Dieses Fachwerkmuseum ist Weltkulturerbe und hier wird Fachwerk vom 14. bis 19 Jahrhundert gezeigt. Hier schwelgt Uwe – Formen und Holzgerüste – Holzschnitzereien für Hauswände und Dachabschlüsse. Konstruktionen bei denen die einzelnen Balken als Decken „eingehängt“ werden. Streben und Balken werden erklärt, Fachwerk deutlich für den Laien gezeigt. Die Ständer umstellen den Hauskörper ungeteilt vom Sockel bzw. von der Grundschwelle bis zum Dach. - Anschliessend laufen wir zum Parkplatz – fahren nach Zorge zurück. Heute abend wollen wir schliesslich noch nach Braunlage zum Konzert, der Hexenaufführung und dem Feuerwerk. Es wird eine lange Nacht, also ist erst einmal ein Nachmittagsschlaf geplant, damit wir das durchhalten. Wir fahren zurück zum Campingplatz – die Klamotten werden einfach nur gewechselt und dann schlafen wir tief und fest.
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Tine1948
Tine1948
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RE: Club der Nightwriter und Nightreader
geschrieben von Tine1948
als Antwort auf Bruny vom 01.05.2018, 20:02:56

Ui, Bruny, das sind ja gute Nachrichten. Ich wünsche dir und deinem Handgelenk ganz viel Bewegungslust.

Über das Schild hab ich mich sehr gefreut. Ich wollte, es gäbe solche auch hier am Aareufer in CH, denn sie treffen die Humorbasis im Mensch-- Am Aareufer:  Dort tummeln sich freitagsabends Typen, jung oder alt, Eltern mit Kleinkindern und Pubertiere... keine Ahnung, die Leserbriefe in der Blöd-Presse meinen natürlich ,es seien AUSLÄNDER, doch da kann ich widersprechen, denn ich hab erstens gute Augen, zweitens Ohren und drittens auch eine Unterhaltung mit den Dosenwerfern, wenn ich sie mal antreffe. Sie sind meistens sehr nett, aber nicht gerade vorgebildet in Sachen Abfall. Ich hab aber erleben dürfen, dass sie es dann doch ganz lustig finden, mit mir beim Abfallsammeln zumzualbern. Halt ist dann eine Mülltüte mit gemeinsamer Aktion schnell voll, ist das nicht toll? 

Und damit mein unerschöpflicher Lobgesang auf meine Lanzarote-Jule nicht abebbt: Die coole Jule holt täglich aus jedem Bach und Fluss Treibgut raus. Nich nur Holz... auch Plasikmüll. - Den zerfleischt sie dann als Plastikkillerhund. 
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Bruny
Bruny
Mitglied

RE: Club der Nightwriter und Nightreader
geschrieben von Bruny
als Antwort auf johanna vom 01.05.2018, 23:18:24

Johanna, gerade habe ich deinen tollen Bericht gelesen,
das ist ja wieder eine tolle Reise gewesen.
Mein Flug brachte mich wieder in das Eulennest
weil man so einen bequemen Platz nicht gerne verläßt.
Morena hatte heute schon einen kleinen Kampf
so ein kleines Amselkind war fast außer Rand und Band.
Es saß unter der Pergola, ganz verstört,
plusterte sich auf und schrie empört.
241108D9-0D64-4D65-8650-6122F0470BB4.jpegUnd Morena stand da und sah den Schreihals an
als wollte sie sagen, ich hab dir doch gar nichts getan.
Die Amselmama saß auf dem Pergoladach
schimpfte und zeterte auf uns herab.
Also ging ich mit Morena eine Runde spazieren,
denn wir wollten das Amselkind nicht länger stören.
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Majorie
Majorie
Mitglied

RE: Club der Nightwriter und Nightreader
geschrieben von Majorie
als Antwort auf johanna vom 04.03.2018, 18:40:49

"Hello" alle miteinander,
ich bin ein Neuling hier und habe erst ein einziges mal eine 'Vorstellung ' gegeben. Ich muss noch
lernen, mit all dem Neuen hier umzugehen. Aber nichtsdestoweniger moechte ich Bruny danken,
die mich gleich nach meinem 'Einzug' hier willkommen hiess und das hebt.
Wollte gerade zu Bett gehen - obschon wir hier in Canada 5 Stunden zurueck sind (aber nur
zeitmaessig), als ich diesen ausfuehrlichen Bericht von Johanna las und daran haengen blieb.
So toll und plastisch geschrieben, als ob man dabei gewesen waere.
Herzlichen Dank, dass Du das mit uns Anderen teilst.
Bin selbst viel in der Welt herumgereist mit meinem Mann, teilweise beruflich, teilweise privat -
aber bekanntlich lernt man ja niemals aus.
Ich schreibe Situationsschilderungen fur die can. Zeitschriften - seit mein Mann verstarb nur hin und
wieder aber dachte- da die Canadier sie moegen und die Zeitschriften mich nicht rauslassen obschon ich
im Moment gesundheitlich angeschlagen bin und es mir schwerfaellt-, ich sei gut darin.
Aber von Dir, Johanna, konnte und kann ich noch etwas lernen. Und das meine ich im Ernst.
Sei gewarnt - ich werde Dich von jetzt an verfolgen !

Das musste ich gerade noch loswerden, haette mich ansonsten im Schlaf verfolgt :-)

"So long"  und bitte mach' weiter !
Ruth

Herzliche Gruesse an alle Eulen, verbunden mit der Hoffnung dass ich in der Lage und smart genug
bin, Euch in Zukunft oefters zu 'begluecken'. Der Umgang miteinander und der Jargong sind mir
fremd, aber ich mag all das und bin finster entschlossen, es zu lernen, von wem auch immer.
Denke, es wird sich schon irgendeine Eule finden die mich einweist ?
Melde mich wieder sobald ich kann und weiss, wie ich mich zu benehmen habe .

Bis dann, macht weiter so !
 

pippa
pippa
Mitglied

RE: Club der Nightwriter und Nightreader
geschrieben von pippa
als Antwort auf johanna vom 01.05.2018, 23:18:24

Moin, liebe Johanna,

es war wieder ein Genuss, Deinen Bericht über Quedlinburg zu lesen.
Ganz herzlichen Dank dafür.

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P1040257.JPGGruß von der Tageule
Pippa

johanna
johanna
Mitglied

RE: Club der Nightwriter und Nightreader
geschrieben von johanna

Alles von Eschwege abgeschaut?
Wir wachen gegen fünf Uhr auf, es herrscht eine himmlische Ruhe. Es dämmert, die Vögel zwitschern ihr Morgenlied. Deswegen beschliessen wir vor dem Caravan zu frühstücken. Sicher sind wir die  ersten Camper an diesem Morgen welche die Dusche nutzen und anschliessend bei Tee und belegten Brot den Sonnenaufgang geniessen. Am Himmel zeigt sich kein Wölkchen, ein idealer Tag um mit der Schmalspurbahn auf den Brocken zu fahren. Der Fahrplan zeigt uns eine durchgehende Verbindung mit der Dampflok -. Wir brauchen nur den Abfahrtsort zu wählen. Nordhausen Nord Abfahrt 10:24 Uhr Brocken Ankunft 13:15 Uhr. Hier haben wir dann lt. Fahrplan eine Stunde Zeit bevor wir mit der Dampflok wieder zurück fahren müssen.
Wir brechen auf suchen eine Bäckerei um Brötchen oder ähnliches als Wegzehrung einzukaufen. Bei einer Tankstelle werden wir fündig. In Nordhausen kommen wir zum Bahnhofsplatz. Grosszügig angelegt, das Bahnhofsgebäude alt, aber sehr gut gepflegt. Im Bahnhof zwei Bäckereien eine Pizzeria Fahrkartenverkauf sowie Shop für Zeitschriften und ähnliches. Das zweite Bahnhofsgebäude an der Stirnseite des Platzes ist zuständig für die Schmalspurbahn. Auch hier ein sehr grosszügiger Raum für Fahrkartenverkauf, Beratung und obendrein einige Regale und Tische mit Reiseandenken. Gleichzeitig der Durchgang zum Bahnsteig.
Auf dem Bahnhofsvorplatz sind rings herum Sitzgelegenheiten, Bänke und auch Bäume die im Sommer Schatten spenden. Ausserdem sind hier die Haltestellen für Busse. Neben diesem Platz Schienen der Straßenbahn, die hier einen Wendepunkt hat. Autoparkplätze in ausreichender Anzahl. Das einzige was in Eschwege noch zum Vergleich fehlt sind Penner, die bereits am frühen Morgen dem bier zusprechen und vorbeigehende Passanten um eine “milde Gabe" bitten.
Nachdem wir die Fahrkarten kauften, tranken wir einen Kaffee, gingen rechtzeitig auf den Bahnsteig und wählten den ernsten Wagen für uns aus. Es stiegen noch einige Personen zu, die Fahrt begann und einige Männer meinten, sich auf dem Perron aufhalten zu müssen. Dagegen ist ja nun nichts einzuwenden, aber sie schlossen nicht die Tür! Höflichkeit ist eine Zier. Erst bat ich höflich darum, die Tür zu schliessen, dann machte ich einige laute Bemerkungen, da sich zwei der Männer als sehr resistent erwiesen. Dem Einen tippte ich auf die Schulter, bat ihnen Schrittbach vorn zu machen und schloss ziemlich lautstark die tur! Knapp hinter seinem Rücken!
Das Bier welches konsumiert würde, war auch nicht wenig. Die Schaffnerin ging während dem letzten Drittel der Fahrt mit einem mit kleinen Schnapsflaschen gefüllten Korb durch die Waggons.
Die Fahrt selbst, die Aussicht, ich habe jede Minute genossen. Das frische helle grün von Sträuchern und jüngeren Bäumen hob sich wunderschön von dunklen Blättern oder auch Tannengrün ab. Die Sonne malte helle Flecken auf den dunklen Waldboden und neben den Bahngleisen war ein kleiner Fluss zu sehen, der langsam bergab plätscherte. Wir sahen aber auch grosse Flächen in denen der Windbruch fürchterliche Schäden angerichtet hat. Grosse Flächen mit abgestorbenen Bäumen. Weisser Stämme, abgestorbene Finger die mahnend in die Höhe zeigten. Kaum ein baum, der gesunde Spitzen zeigte - nackte Zweige, trocken und ohne ein Anzeichen von Leben. Wurzelscheiben, die Kreuz und quer im Wald lagen, abgeknickt ein Bäume, Baumspitzen wie Streichhölzer abgebrochen, auch Stämme die vor langer Zeit schon umgefallen waren, Flechten und Moos hatte sich hier schon neuen Lebensraum erobert. Man sah aber auch frisch abgesägte Bäume, helle Baumstümpfe. Weiter oben im Naturschutzgebiet dann Felsstücke, grosse Brocken die wohl dem Berg seinen Namen gaben. Felsbrocken von klein bis gross in reichlicher Anzahl. Bei einer Haltestation müsste die Lok Wasser aufnehmen, dementsprechend dauerte der Aufenthalt hier etwas länger. Am Brocken angekommen stiegen wir bis zur Anhöhe hinauf. Hier waren in einem Kreis die Städte mit Entfernungsangaben auf Platten in den Boden eingelassen. Der hohe Meissner wurde direkt neben Madrid erwähnt. Aber die Metropole Eschwege könnte ich nirgends finden.
Wir trafen die Rückfahrt an, der zug war überfüllt. Erst als die Umsteigemoglichkeit nach Wernigerode durchgesagt wurde, leerte sich das Abteil fast vollständig.
Der Brocken, die Windbrüche an der Bahnstrecke begleiteten uns noch länger. Vor Nordhausen  fuhr der Zug an der Rückseite der Häuser und Grundstücke vorbei. Man bekam Einblick in die gute Stube, sah Kinderzimmer und Menschen die sich im Garten sonnten. Ein Anblick, den man von der Straßenseite aus niemals hat.
In Nordhausen wechselten wir die Beförderungsart und fuhren gemütlich mit dem Auto zum Campingplatz zurück.

johanna
johanna
Mitglied

RE: Club der Nightwriter und Nightreader
geschrieben von johanna

Wasser predigen und Wein saufen
Zisterzienser Klostermuseum
Im Kloster der Zisterzienser in Walkenried war ursprünglich den Frauen der Zutritt verwehrt. Ein Schild weist gleich am Eingang des Museums darauf hin.
Nach dem Lösen der Eintrittskarte und Ausleihen eines Audioführers betrete ich im Erdgeschoss den langen (Kreuzgang) Gang, der sich im Inneren rund der Anlage befindet und nahtlos in die Klausur und den Lesegang übergeht. Von hier aus kann man durch verschiedene Türen andere Räume/Teile des Klosters betreten. Büchernische, Kapitelsaal oder aber den innenliegenden Klostergarten mit dem Brunnenhaus. Dieser Garten ist als Viereck mit Mauern ringsherum eingeschlossen und nur in Richtung des Himmels geöffnet.
Das Klaustrum und der Lesegang ist begrenzt von Säulen. Den Kapitellen sieht man an, dass der Zahn der Zeit an ihnen nagte. Man erkennt Blütenmuster und Ornamente aber von den über den Türöffnungen angebrachten Köpfen ist kaum noch etwas zu erkennen. Obwohl hier der Audioführer etwas anderes sagt. Der Rundgang im Museum beginnt mit einem Treppenaufstieg. Grosse behauene Abschlusssteine, Teile von Kapitellen, Steine in denen Schriftzeichen zu sehen sind hölzerne Betstühle alles sehr gut ausgeleuchtet und beschrieben. Dazu die zusätzlichen Informationen des Audiogerätes über Gründer des Klosters. Die Anfänge und Weiterentwicklung zu einer grossen Wirtschaftsmacht in damaliger Zeit. Benedict von Narsia ein Mann aus gut situiertem haus begründete das Kloster in welchem jeder einzelne Mönch arm sein  aber viel und hart arbeiten sollte. Zwei Dinge, die irgendwann nicht zueinander passen, denn Arbeit bringt Gewinn. Einem Abt von einem reichen Kloster ging es sehr gut, während der Mönch und später die anderen “Mönche zweiter Klasse" nichts besassen. Die Klöster wurden durch die kostenlosen Arbeitskräfte immer reicher, sie kauften Land, betrieben Wasserwirtschaft und hatten obendrein Arbeiter die unterschiedlich behandelt und bezahlt wurden. Voraussetzung für eine Arbeit im Kloster: man durfte nicht lesen und nicht schreiben können. Dies war den Mönchen und hier ganz besonders den Schreibern vorbehalten.
Für Zweitgeborene war es eine sichere Zukunftsperspektive ins Kloster zu gehen, denn nur der Erstgeborene konnte den elterlichen Hof erben. Die jüngeren Geschwister mussten sich als Knechte verdingen oder wurden in Klöstern Billiglohnarbeiter. Mädchen waren nicht so wertvoll wie Jungen weshalb die Sterblichkeit bei weiblichen Nachkommen sehr hoch war (Mord eingeschlossen)
Im zweiten Stock ein grosser Saal. Hier sah man die Kutten der Zisterzienser, Schautafeln, Werdegang des Klosters und Anzahl der Mönche. Steigerung der Klöster allgemein sowie Tafeln berühmter Personen der jeweiligen Zeit. Könige, Kopernikus, Kolumbus, Luther, Gutenberg, Müntzer um nur einige zu nennen. Dazu jeweils die Geschichte des Klosters. Es gab Schauwürfel, die jeweils nach ca. 25 Minuten  aufleuchten und hier wurden dann die einzelnen Gebete zu den unterschiedlichen Zeiten erläutert. Der letzte Abt führte in Walkenried den evangelischen Glauben ein, bevor das Kloster durch Bauernkriege und Aufstände zerstört wurde. Auch die wertvolle Brunnenschale wurde geraubt.
Die Schlafsäle der Mönche waren klein, man schlief sehr beengt und durch das Audiogerät hörte man schnarchen und andere Schlafgeräusche, dazu die Ansicht dass langes schlafen dick und faul machen würde. Deswegen war die Nachtruhe auf ein Minimum beschränkt.
Bevor ich meinen Rundgang beendete lauschte ich der Orgelmusik im Kapitelsaal.
Ein feines Klostermuseum welches Regen Zuspruch fand, während ich dort alles besichtigte.

Diesen Ausflug habe ich vorgestern alleine gemacht. Uwe musste arbeiten und kam erst gestern zum Campingplatz.
Heute noch eine Ausstellung und dann geht es wieder nach Hause. Muss doch sehen ob im heimatlichen nest alles in Ordnung ist.


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