Andere Zeiten, andere Frauen, andere Männer?


Andere Zeiten, andere Frauen, andere Männer?



Im Original hieß die Erzählung „The Manhood of Edward Robinson“. Im deutschsprachigen Band aus dem Jahr 1990 heißt sie „Der Traum vom Glück“. Im Jahr 1924 wurde die Erzählung zum ersten Mal veröffentlicht; hätten der Titel und der Inhalt etwas damit zu tun gehabt, dass die Ehe von Agatha Christie mit ihrem ersten Mann nun nicht mehr ganz glücklich sein konnte? 1928 ließen sie sich scheiden.

   Was in der Erzählung fehlt, ist eine Leiche, sonst unausweichlich ja. Ein Verbrechen gibt es schon, nicht ganz ernst gemeint aber. Und eines noch wirkt ein wenig unwahrscheinlich: Da liest der Hauptheld, der Edward Robinson, am Anfang – einen Roman unter dem Titel „Sieg der Liebe". Über einen gewissen Supermann Namens Bill. Unmöglich doch, selbst in den 20. Jahren, ein Mann, der so etwas liest? Und nicht nur liest er, er seufzt auch noch dabei!

   Na ja, wie auch immer. Am wichtigsten scheint das Ende der Erzählung zu sein. Hier wird nur noch verraten, dass der oben genannte Edward eine Maude heiraten sollte. Etwas passte ihm an ihrer Beziehung jedoch nicht ganz: Dass sie über alles entscheiden wollte (selbst das Datum ihrer Hochzeit wollte sie aus praktischen Gründen verschieben, obwohl der Edward eindeutig ungeduldig wurde), dass sie immer nur vernünftig war, ja ein wenig mütterlich. Und er fühlte sich dann so klein, wie ein Wurm (so steht es im Buch geschrieben).

  Ohne die Details zu verraten, sollte jemand die Geschichte selber durchlesen wollen, kann man nur sagen, dass ein kurzes Abenteuer den Hauptheld der Geschichte auf einmal verändert hat. Und die Erzählung endet ungefähr so:

„- Hör zu – sagte Edward. (…) Ich beabsichtige, dich nächsten Monat zu heiraten. Hast du verstanden?
- Oh – hauchte Maude. (…)
- Willst du? – fragte Edward. – Ja oder nein? (…)
Er schloss sie in die Arme, beinahe so, wie Bill, der Supermann, es getan haben könnte.
- Liebst du mich, Maude? Sag mir, liebst du mich?
- Oh, Edward! – hauchte Maude. – Ich bete dich an…“
 
   Schwer zu sagen, ob der neue Edward auch den modernen Frauen gefallen würde? Wahrscheinlich den 50% von ihnen. Denn es gibt Beziehungen, wo die Edwards herrschen, und solche, wo mütterliche Maudes die erste Geige spielen. Und wer da wen anbetet, bleibt ihr süßes (oder – ein bitteres) Geheimnis…

christie.jpg
(Eigenes Foto; leider weiss ich nicht, es vertikal zu bekommen, sorry). :)
 


Anzeige

Kommentare (8)

werderanerin

Das wäre wohl heutzutage so nicht mehr möglich, da Liebe die Grundlage einer Ehe sein sollte...eher werden heute gar keine Ehen mehr geschlossen..., vielleicht gut so, man spart sich im wahrsten Sinne des Wortes eine Menge Knete...

Kristine

Christine62laechel

Ja, und vielleicht auch gut so, denn solche Männer, in die man sich einfach verlieben muss, sind meistens kein Stoff für einen Ehemann und Vamilienvater, sozusagen. Sobald sie eine Dame verliebt sehen, werden sie satt, und brauchen eine Neue; wie lange es in dem Fall dauern wird, bis sie ihn anzubeten beginnt...? ;)

Mit Grüßen
Christine

silesio

    Ich kann nur hoffen, dass heutzutage Ehen nicht mehr zustande lommen! Die halten ja nicht einmal mehr bis zum Ende der Flitterwochen.
    Als Pfarrer habe ich erlebt, dass ein Paar den kirchlichen Segen mit Pauken und Trompeten haben wollte, während Freunden und Bekannten klar war: Dies ist ein totgeborenes Kind.
    Aber wie heisst es? Des Menschen Wille ist sein Himmelreich!
               Silesio

Christine62laechel

Ja, und sonst - ob es gut ist, oder auch nicht - heiraten die Leute heutzutage nicht mehr gerne. Mit Recht vielleicht - eine solche Verpflichtung, lebenslänglich? Nur was die Kinder anbetrifft, muss man schwer finden. Für sie sind ja die beiden Eltern etwas Ganzes...

Mit Grüßen
Christine

Willy

38.png

Christine62laechel

Willy, mir gefällt dein Kommentar ohne Worte sehr! :)

Christine

Manfred36


Ich habe das Buch nicht gelesen, habe es auch nicht vor. Ein Beziehungsdrama. Machos contra Metoos je zu 50% , meinst du. Und was bedeutet anbeten? Ich hätte mich zu Tode geschämt, wenn eine Frau mich angebetet hätte, und eine Frau, die nicht auch ihre Schwächen und Fehler hätte, hätte ich weder mir vorstellen noch lieben können. Aber Romane sind ja anders.
Herzlichen Gruß
Manfred

Christine62laechel

Lieber Manfred, du hast absolut Recht.
Die etwa 30-jährige Agatha Christie wusste leider nicht, dass es nur die Frauen sind, die gerne welche Symptome der großen Liebe (Anbeten) annehmen, sehr gerne auch in der Öffentlichkeit, sie hören auch gerne darüber, ohne Ende. Und die Männer, die hassen es einfach. Kein Streicheln, kein Kuscheln, kein Küssen - evtl. nur in einer intimen Situation. Und vor allem - kein Quatschen darüber. Ein wenig Bewunderung in den Augen der Partnerin - ja, gerne. Nichts mehr. Stimmt, nicht wahr?

Mit besten Grüßen
Christine
 


Anzeige