Die Freiheit der Schafe


Sie hatten den alten Hirten verjagt
Die Weiden verwüstet
Die Zäune zernagt
Denn waren sie frei

Aber Gott sei´s geklagt
Vom Hunger geplagt
Und ohne die Scheune
Die schützenden Bäume
Die Wiesen,die fetten
Sich weich zu betten
Und satt -

Doch anstatt
Dass jedes für sich das klärte
Blökte erbärmlich die ganze Herde:
Wir sind verloren
So ungeschoren.

Und schon harrte
Der losen Schafe
Die Strafe:

Denn als sie den neuen Hirten gefunden
Wurden sie unumwunden
Gerettet -
Heisst kurzum
Zum garantierten Konsum
An die Futterkrippe gekettet.

Joan

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Kommentare (10)

ehemaliges Mitglied Akteure (nicht Aktionäre)
ehemaliges Mitglied Wenn Menschen sich wie Schafherden benehmen und durch die Masse angefeuert, zerstören, dann liegt dem Ganzen ein geradezu paranoides Verhalten zugrunde.

Durch die Konsequenzen werden die Aktionäre erst wachgerüttelt und sehen erschrocken das Ausmaß ihres Verhaltens, wenn sie es nicht sogar dann noch vehement verteidigen.

Dieses Verhalten scheint in den Genen der Menschen verankert zu sein.

Du hast die Aussage Deines Gedichtes in eine aussdrucksstarke, beeindruckende lyrische Form fließen lassen. Wunderbar!

Mit lieben Grüßen
Sigrun
harfe mit diesem Gleichnis von der Freiheit und der Psychologie der Massen wegen ihrer tragischen Folgen tief beeindruckt. Es findet bis in unsere Zeit in vielen Phänomenen seine Entsprechung. Am fatalsten wohl im Dritten Reich, wo selbst integere Menschen unter dem Diktat der Massenpsychologie des „mitgerissen-Werdens“ selbst zu verbrecherischem Handeln befähigt wurden. Da kann einem schon bange werden, liebe Joan.
Danke für diesen Hinweis in Gedichtform.
Liebe Grüße von Horst
ehemaliges Mitglied habe dein Gedicht erst jetzt gelesen, möchte dir aber noch sagen, dass es mir sehr gut gefallen hat. Ich sehe die Aussage gar nicht einmal so eindeutig nur kritisch auf die Nachteile von Herdentieren bezogen, sondern meine, dass es durchaus zwei Seiten erkennen lässt, vor allem in den letzten Zeilen, auch wenn sie etwas sarkastisch formuliert sind.
Denn immerhin – die Schafe sind zwar wieder unfrei und angekettet, haben aber nun genug zu fressen, das ist dann wiederum die positive Kehrseite der Medaille. Freiheit ohne Futter würde ihnen auch nicht unbedingt die Erlösung bringen, oder?
Übrigens finde ich dein Gedicht auch formal sehr interessant, es durchbricht ein bisschen das übliche Reimschema, obwohl es kein Prosagedicht ist, das ist sicher nicht einfach, und du hast es richtig gut hingekriegt.
In Zukunft werde ich mehr auf deine Gedichte achten, es lohnt sich!

Gruß Marina
joan meine liebe Anne,lieber Gerd,liebe Pelagia,liebe Meli und lieber Otmar für Euer ausdauerndes Interesse an meinen Gedichten und die Kommentare Eurer Gedanken darüber.Glaubt mir,ich wäre glücklich,wenn ich intensiver am Treff teilnehmen könnte.So werf ich eine Gedichte rein ohne auch nur jene anzusprechen,die ich doch schon ,und manche von ihnen länger,kenne,wie Koloman,Heidi,Ninna,Judith,Medea ,Henryk,Sigrun,Harfe ,Anika,Britt,Donauperle,Silesio, Kaet,Karl und....ich möcht sie alle grüssen-nur hier liest es halt keiner.Ich denk an Euch.Joan
ehemaliges Mitglied ...Redewendungen und "Weisheiten" ein, wie z. B. "...da weiß man, was man hat", oder "vom Regen in die Traufe kommen". Das beschriebene Blökverhalten ist dem Herdentier zueigen. Und bezeichnet man den "Homo Sapiens" nicht zuweilen als solches? ...
Habe ich gerne gelesen, Joan!
Mit LG *Otmar*
ehemaliges Mitglied gibt es viele. Ganz spontan fällt mir da ein Satz ein - nicht von mir und ich weiß auch nicht mehr, wo ich ihn her habe - Wer sich den Banken verschreibt, den versklavt ihre Macht - und so geht es weiter und weiter - egal ob Rückblick oder in Sorge Vorausschau.
Es macht sehr nachdenklich und auch ich möchte mich hier immergruen und pelagia anschließen und sage Danke!
Liebe Grüße
Meli
pelagia jammerte es ihn; denn sie waren verschmachtet und zerstreut wie die Schafe, die keinen Hirten haben." (Matth. 9,36)

Möchte mich immergruen anschliessen und danke sagen.
ehemaliges Mitglied dein Gleichnis für das Herdenverhalten lässt sich auf viele Situationen anwenden, beispielsweise von der Französischen Revolution zu Napoleon, von der Weimarer Republik zum sog. Dritten Reich und in der heutigen Zeit dürfte es auch zu finden sein, z. B. sozialer Kahlschlag (überspitzt gesagt) und Bankenmacht usw. Ein wunderbarer Gedicht, was zum Nachdenken in viele Richtungen anregt. Ich danke Dir fürs Lesen.
Liebe Grüße
Gerd
immergruen für das allgemeine Herdenverhalten glanzvoll in Reime verpackt.
Wie immer, joan, bewundernswert ,
immergruen

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