Ein wenig Weichnachtliches ist auch dabei


Ein wenig Weichnachtliches ist auch dabei


Erinnerung an meinen Stiefvater, den Kinderfreund!


Mich als dumm, begriffsstützig oder gar faul zu bezeichnen, würde an meiner Persönlichkeit in Kindertagen ziemlich weit vorbeigehen, ja sogar kränkend sein. Allerdings muss ich zugeben, dass ich für bestimmte Dinge eine besondere Vorliebe besaß, manche unter „mir wurscht“ (egal) fielen und ein Teil von mir als unausstehlich empfunden wurde, ich war also ein ganz normales Kind.
 
Irgendwann stellte sich heraus, dass meine schulischen Leistungen im Rechnen nicht berauschend wirkten und so beschloss der Familienrat, bestehend aus meiner Mutter, es müsse etwas geschehen und beauftragte sofort meinen Stiefvater mit der Umsetzung von „was auch immer“, helfen muss es!
 
Sie traf damit eine wirklich gute Wahl.
Nicht nur, da er Kinder generell sehr mochte und mich offensichtlich besonders, er besaß auch eine überschäumende, kindgerechte Fantasie.
 
Es war einige Wochen vor Weihnachten, d. h. auf den Kästen lagen schon kleine Kartons mit Christbaumbehang wie Windbäckerei, Gelee- und Fondantringerl, leider unerreichbar für mich. An einem Wochenende holte mein Vater eine dieser Schachteln herunter und legte einen Teil der Geleeringerl auf den Schachteldeckel. Ich ahnte irgendwie, dass es bald öde langweilig werden würde und hörte den Ausführungen meines Vaters nur mit halbem Ohr zu. Jedenfalls wollte er wissen, wie viele Ringerl sich jeweils im Deckel und in der Schachtel selbst befinden, was ich nach lässigem Zählen ziemlich uninteressiert beantwortete. Aber damit war der Spuk keineswegs zu Ende, denn er schlichtete schon wieder um und fragte, wie es denn jetzt auf den jeweiligen Seiten aussehe und wie viele er weggenommen bzw. dazugegeben hätte. Es wurde im kleinen Rahmen subtrahiert und addiert. Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen, aber ich fügte mich meinem tristen Schicksal.
 
Plötzlich hatte ich den Eindruck, die Ringerl würden auf beiden Seiten auf eine geheimnisvolle Art weniger werden. Und dann ertappte ich meinen immer wieder zur Seite blickenden Vater beim Kauen. Ich war zutiefst empört, wie konnte er …….. Er bestritt meine Behauptung, dass er ein Ringerldieb sei und verlangte Beweise.
 
Mit einem Mal ging das Zählen, Abziehen und Aufrechnen wie von selbst. Der „Mundraub“ gelang ihm nur noch ein Mal, ich rechnete wie ein Weltmeister. Wenn es um Süßes geht, bin ich auch heute noch kaum zu halten.
 
Er war schon ein wundervoll Durchtriebener, der bei Kindern immer wusste, wie sich Erfolg einstellen könnte. Schöne Erinnerungen…
 
Jedenfalls wurden Rechnen und Deutsch meine besten Fächer während der ganzen Schulzeit. Ich hoffe, er war ein wenig stolz auf mich UND SICH. 
 
 
 
 


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Kommentare (4)

indeed

Liebe Keyly,

wenn ein Kind spielend lernen darf, gewinnt es meistens an Interesse und somit steigern sich "Errungenschaften" oftmals spielend leicht :-)). Das ist zumindest meine Erfahrung.

Da hast du sehr viel Glück gehabt und somit hat dein Stiefvater sicherlich gute Spuren für dich hinterlassen. 

Danke für deine Erinnerung, die ich gerne gelesen habe.

Ein schönes erstes Adventwochenende wünscht

indeed und grüßt dich herzlich.

keyly

@indeed  
Liebe Ingrid!

Herzlichen Dank für deine freundlichen Zeilen.
Es stimmt, mein Stiefvater, den ich natürlich immer mit Vati anredete, war der Glücksfall meiner Kindheit.
Ich bekam ihn mit nicht ganz 3 Jahren. Als meine Mutter ihn mir vorstellte, betrachtete ich ihn angeblich relativ lange, dann öffnete ich die Arme und rannte zu ihm hin. Kinder fühlen oft mehr als Erwachsene.

Jetzt, wo ich durch die Pension natürlich mehr freie Zeit habe, gehen mir viele solcher Geschichten durch den Kopf.

Ich wünsche dir ein schönes Adventwochenende, bei uns jedenfalls passt auch das Wetter dazu. Schnee in Hülle und Fülle!

Liebe Grüße  Lydia mit Amica

Christine62laechel


Liebe Keyly, wer solche Erwachsene als Kind um sich herum haben konnte, kann sich mit Vergnügen an diese Zeit erinnern. Menschen, die sich ein wenig Mühe gaben, die vieles verstanden, und nicht über alles redeten. Die es oft ja nicht gelernt haben, und waren trotzdem beste Betreuer und (heute ein nicht populäres Wort) Erzieher. Eine sehr schöne Erinnerung.

Mit herzlichen Grüßen
Christine

keyly


@Christine62laechel  

Liebe Christine!

Danke für deine positiven Zeilen.

Deine Meinung in Sachen Erziehung deckt sich genau mit meiner. Empathische Menschen konnten ihren Kindern zu allen Zeiten, auch zu sehr schweren, wie sie nach dem Krieg eintraten, einen Ort bieten, wo man auf Hilfe und Verständnis traf. Natürlich war von rosigen Zeiten keine Rede, aber eine Bezugsperson konnte viel bewirken. Das heutige "must have" wäre nicht einmal zur Weihnachtszeit ein Thema gewesen. 
Vielleicht war genau dieses bescheidene Leben ein guter Einstieg in die eigene Zukunft, auch Kinder wußten um die Mühen ihrer Eltern, wenn etwas  neu angeschafft werden mußte. Ich denke, daher kommt auch die bis heute anhaltende Sorgsamkeit im Umgang mit Gegenständen und die Distanz zur Wegwerfgesellschaft. Umlernen werden wir nicht müssen.

Ich wünsche dir schöne, entspannende Adventtage.
Liebe Grüße   Lydia mit Amica    


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