Ich lebte damals in P., und mit 25 Jahren war ich bereits mit meinem Studium fertig. Ähnlich wie  zwei Freundinnen von mir, die Myra und die Bogna (auf jeden Fall klangen ihre Vornamen etwa so). Sie wohnten in zwei anderen Großstädten, ab und zu trafen wir uns aber bei mir in P.

   Solche Treffen hatten wir alle drei sehr gern. Ich war damals noch nicht verheiratet, die beiden jungen Frauen dafür schon, seit wenigen Jahren natürlich. Wir haben uns immer lustig unterhalten, uns an die Studienzeit erinnert, und so. Gerne sprachen wir natürlich auch über Jungs und Männer. Einmal betraf unser Gespräch den Ehebetrug…

   Die beiden Freundinnen, Bogna und Myra, hatten festgestellt, dass sie ihre lieben Ehepartner nie im Leben betrügen können würden, einfach nicht imstande! Ich sagte, dass ich es doch nicht ausschließen kann: Sollte mal eine Versuchung stärker werden, als die Vernunft…? Meine Freundinnen schauten mich schockiert und gar angeekelt an.

   Beim nächsten Treffen, kaum einige Monate später, war nur die Myra dabei. Und sie hatte das sehr bedauert, denn sie meinte gleich am Anfang, sie hätte mir und der Bogna etwas zu gestehen. Na, dann sagte sie es nur mir: Sie hätte ihren Mann betrogen. Sie war als Betreuerin in einem Ferienlagen, und der Mann war auch da tätig. Abends hatte es immer ein Lagerfeuer gegeben, er spielte so schön Gitarre… Irgendwie war es dann mal passiert, dass sie nur zu zweit draußen geblieben waren, die Nacht warm, und irgendwie war es dazu gekommen… Sie sagte, sie fühlte sich so verliebt wie nie vorher – zwar mehrere Tage lang nur. Dann war alles vorbei, und nur die Gewissenbisse übrig geblieben.
 
   Zu dritt trafen wir uns nach weiteren paar Monaten. Zuerst haben wir zusammen die Geschichte von Myra besprochen, nicht wenig dabei gelacht, wie es bei jungen Frauen ja üblich ist. Dann sagte Bogna: Ihr sollt wissen, dass auch mir so etwas passiert ist… Da waren wir beide mit Myra ganz Ohr. Obwohl die Geschichte ähnlich banal: Die Bogna war kurz im Ausland. Und der Mann kam ihr so attraktiv vor… Wenn er ihr in seiner Muttersprache sagte, dass er sie liebe, war sie so glücklich… Langsam dachte sie schon daran, sich eventuell von ihrem Ehemann zu trennen. Da hatte sie mal den wundervollen Geliebten dabei erwischt, wie er einer anderen dasselbe sagt, und sie dabei auch küsst. Schluss also.

   Und ich? Na ja, bei mir war die Vernunft die ganzen 20 Jahre meiner Ehe stärker, als die Versuchung.
Oder einfach – keine Gelegenheit gehabt…? Lachender Teufel
 


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Kommentare (14)

werderanerin

Da sollte man wohl wirklich immer dran denken "man sollte nie nie sagen..." und wie es ja oft ist, nur Gelegenheiten machen Diebe und so ist es wohl auch. Na und...

Letztlich muss das wohl Jeder für sich ausmachen...aber alles dafür aufgeben, da denke ich sollte dann doch die Vernunft befragt werden !

Kristine

werderanerin

Guten Morgen, liebe Christine..., ja da hast du wohl Recht, wenn man sich selbst zu viel Disziplin auferlegt, versäumt man vielleicht so manches Schöne...

Kristine

Christine62laechel

Liebe Kristine,

man weiß wirklich nie, und sollte nie nie sagen... Allzu konsequent übrigens zu sein, das muss ja auch nicht immer vernüftig sein... Zwinkern

Mit Grüßen
Christine

Willy

Es gibt Zufälligkeiten, da wird man einfach gefühlsmäßig überrannt, so etwas kann selbst dem treusten Ehepartner passieren. 
Eine nebeneheliche Dauerbeziehung  oder dauerhaftes Fremdgehen,steht außerhalb meiner Betrachtung, das muss jeder vor sich selbst verantworten.
signature_2.gifWilly

Christine62laechel

In meiner Familie hat es so etwas gegeben. Mein Onkel hatte eine sehr hübsche Frau, sonst aber eine gutmütige, dumme Kuh (pardon). Und die Andere war eine intelligente Jornalistin; ab und zu wollte sich mein Onkel ja mit einer Frau auch interessant unterhalten können. :) Die Tante wusste nicht darüber, ihr fehlte auch nichts, denn mein Onkel liebte sie sehr (mein Verdacht: weil sie eben so dämmlich war). Und die Journalistin war eine selbständige Dame, gerne allein. :)

Mit Grüßen
Christine

Manfred36


Ehret die Frauen! Sie flechten und weben
Himmlische Rosen ins irdische Leben,
Flechten der Liebe beglückendes Band,
Und in der Grazie züchtigem Schleier
Nähren sie wachsam das ewige Feuer
Schöner Gefühle mit heiliger Hand.

Schiller spricht also auch von züchtiger Verschleierung. Man muss so was ja dann nicht vor sich her tragen und mit Freundinnen breit treten.

(Gedanken eines Unwissenden)

Christine62laechel

Lieber Manfred,

nimm es uns, damals jungen Frauen, nicht übel, dass wir gelacht und geplaudert hatten. Es war eine Art Abwehr: Vor Unsicherheit, ob man da den Richtigen geheiratet hat? Ob man überhaupt heiraten soll? Also, für mich bleiben die beiden Fragen bis heute offen.

Mit besten Grüßen
Christine

Distel1fink7

Seitensprung,heimliche Liebe, da brauchst Du starke Nerven
und ne Portion Masochismus. In meinem Fall war  ER verheiratet,
glücklich aber auch, sagte er.
Das hinderte uns nicht, eine voll romantische Zeit zu verbringen.
"Wir machen ja nichts kaputt " flüsterte er mir verliebt ins Ohr.

Bei mir aber schonWeinen


Gruß vom Distelfink

Christine62laechel

Also, liebe Distelfink, wäre ich ein Mann, würde ich wahrscheinlich gerne eine Dame heiraten, und mit anderen süß herumflüstern. Da ich aber eine Frau bin, gefallen mir solche "harmlosen" Spiele nicht... Weinen

Mit lieben Grüßen
Christine
 

Roxanna

Da hast du Glück gehabt, liebe Christine, dass keine Versuchung deine Wege gekreuzt hat Zwinkern oder auch nicht, wie man es nimmt Tränen lachen. Wie das mit den guten Vorsätzen so ist, nicht immer kann man sie halten. Im voraus zu denken, das und das mache ich nicht, oder ich würde mich so oder so verhalten, ist eigentlich nur Theorie. Erst dann, wenn eine solche Situation eintritt geht es in die Praxis und da kann man eben für niemanden die Hand ins Feuer legen. So sind die Menschen halt. Mein neuer Vorsatz seit kurzem ist, keine Vorsätze mehr Zwinkern. Wie Elbstromerin finde ich es auch schön so vertraute und enge Freundinnen zu haben, mit denen man alles teilen kann. Danke für diese Geschichte und herzlichen Gruß

Brigittte

Christine62laechel

Liebe Brigitte,

eine Versuchung hatte meine Wege gekreuzt, als ich keine Ehegattin mehr war. Und obwohl nicht mehr jung, war ich so dumm verliebt! Nun will ich von dem Kerl nicht mehr hören - mag ihn aber nach wie vor, denn er war ein interessanter alter Trottel. Errötet

Mit Grüßen
Christine

Elbstromerin

Liebe Christine,
ja, so kanns gehn...
Sag niemals nie oder so..Zwinkern
Ich war in meinem Leben  ziemlich gradlinig. Wenn es nicht mehr in der Beziehung ging, aus welchen Gründen auch immer, dann sind wir auseinandergegangen.
Moralische Überlegungen spielten da keine Rolle.
Aber vielleicht ging es mir auch wie Dir, es war zu gegebener Zeit keine Gelegenheit da.
Eure Dreier-Frauen-Gruppe gefällt mir aber, so etwas ähnliches hatte ich früher auch.
Mir fehlt vor allem dieses gemeinsame Lachen.

Liebe Grüße
Elbstromerin
 

Christine62laechel

Liebe Elbstromerin,

hier sagt man: Es ist besser, jung zu sünden, als später zu bedauern, dass man nicht gesündet hat. :) Trotzdem bin ich zufrieden, dass ich mich in ein solches Abenteuer nicht verwickelt hatte.

Mit lieben Grüßen
Christine


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