Fernsehen und Film Ein offener Käfig

Ein offener Käfig
geschrieben von lara
Fernsehfilm Deutschland 2014 Robert Dühring ist angesehener Geschäftsmann in einer badischen Kleinstadt, sein Bruder Georg ein wegen der Vergewaltigung dreier Frauen verurteilter Strafgefangener.

http://www.daserste.de/unterhaltung/film/ein-offener-kaefig/film/index.html
Schade, ich bekomme das mit dem Linnk nicht hin, Lara

Mich haben dieser Fernsehfilm und die anschließende Doku sehr beeindruckt.
Dieser Fernsehfilm ist noch eine Woche in der Mediathek abrufbar.
karl
karl
Administrator

Re: Ein offener Käfig
geschrieben von karl
als Antwort auf lara vom 10.09.2014, 23:22:07
Liebe Lara,

doch, DeinLink (der blau hinterlegte Text) funktioniert. Karl
old_go
old_go
Mitglied

Re: Ein offener Käfig
geschrieben von old_go
als Antwort auf lara vom 10.09.2014, 23:22:07
Habe den Film und die anschließende Doku auch gesehen,
und hätte gerne darüber diskutiert,um andere Meinungen zu hören!

Film und Doku haben mich sehr nachdenklich gemacht.

Gudrun

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Bruny
Bruny
Mitglied

Re: Ein offener Käfig
geschrieben von Bruny
als Antwort auf old_go vom 11.09.2014, 07:31:27
Den Film habe ich gesehen, die anschließende Doku nicht. Mich hat das Schicksal des Kindes Georg tief betroffen gemacht. Das Schweigen der Familie in Bezug auf den prügelwütigen Vater erzürnt.
Warum der Bruder kein Mitspracherecht hatte und seinen Bruder Georg aufnehmen musste und somit die ganze Familie vor vollendete Tatsachen gesetzt wurde, ist mir nicht nur ein Rätsel sondern ich fand es auch grob fahrlässig. Schliesslich hat ein Mädchen im Teenager Alter im Haus gelebt. Eine Resozialisierung kann meines Erachtens nicht gelingen, wenn Angst im Spiel ist.

Bruny
Re: Ein offener Käfig
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf Bruny vom 11.09.2014, 07:42:36
ich fand den film auch sehr beeindruckend.
man kann im grunde beide seiten verstehen.

die, die ein recht haben auf wiedereingliederung nach ablauf
der strafe, aber auch die, die angst haben, in der nähe einen
solchen menschen zu wissen.

daß daran eine ganze restfamilie zerbrechen kann, zeigte der film
deutlich. basierend auf einen wahren fall glaube ich schon, daß
das so oder ähnlich immer wieder passieren würde.

ohne seine medikamente durfte ja der ehemalige straftäter nicht
sein. was ist, wenn er die vergisst zu nehmen oder fahrlässig
damit umgeht? geht dann die ganze geschichte von vorne los?

man weiß ja, daß viele medikamente lebenslang und regelmässig
genommen werden müssen.

man hat ja auch deutlich im film sehen können, daß der sexualtäter
selbst angst hatte, rückfällig zu werden.
ein armer mensch eigentlich. wenn so ein "monster" - wie er selbst
sagte, in einem schlummert, das muss wirklich schlimm sein.

ob das je therapierbar ist, kann eigentlich niemand genau sagen.
old_go
old_go
Mitglied

Re: Ein offener Käfig
geschrieben von old_go
als Antwort auf Bruny vom 11.09.2014, 07:42:36
Das sehe ich anders als du,Bruny

der Bruder nahm -so zeigt es der Film doch ganz deutlich-
den Bruder auf,
weil er offenbar ein schlechtes Gewissen hatte!

Es wurde erwähnt,daß die Mutter des älteren Bruders ihn und den Vater wegen eines anderen Mannes verlassen hatte.
aus diesem Grund konzentrierte sich der ganz Zorn auf diesen Jungen
Der Bruder,ein Kind offenbar von der 2.Frau und dem Vater,
hat von klein an miterlebt,daß der Ältere vom Vater geprügelt wurde,
daß der "große" Bruder sich öfter die Autoschlüssel genommen hat und mit dem Auto des Vaters gefahren ist,dafür Schläge bekam.

Er wollte auch mal mit dem Auto fahren,rammte aber schon das Tor,der Wagen stand immer noch zerbeult in dem Schuppen.
Mit ganz schlechtem Gewissen erzählt er seiner Frau,daß er zugelassen hat,daß der Bruder dafür geschlagen wurde.

Das -so habe ich das empfunden-war der Auslöser,
warum der Jüngere sich verpflichtet fühlte,den aus der Haft Entlassenen vorübergehend bei sich aufzunehmen.

Gudrun

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Re: Ein offener Käfig
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf old_go vom 11.09.2014, 07:56:22
gudrun,

ich sehe das anders. der bruder wurde ja vom sozialarbeiter
sozusagen "gezwungen", den bruder aufzunehmen.
es war auch dessen elternhaus, er hatte ja das RECHT, dort zu
wohnen. er selbst wollte ihn ja anfangs nicht.

es sollte ja ursprünglich ein "aufnehmen auf zeit" sein,
weil der therapieplatz noch nicht zur verfügung stand.

die geschichte kam ja erst im laufe der zeit ins rollen,
als man die hintergründe vermittelt bekam.
Bruny
Bruny
Mitglied

Re: Ein offener Käfig
geschrieben von Bruny
als Antwort auf old_go vom 11.09.2014, 07:56:22
Guten Morgen Gudrun, wie Karin schon erwähnte, der Bruder hatte sich anfangs gegen die Aufnahme seines Bruders Georg gewehrt. Er war ja sogar in diesem "Camp" wo er hätte zu einem späteren Zeitpunkt, aufgenommen werden sollen. Aber da wurde ihm gesagt, dass der Bescheid ist wie er ist und er MUSS seinen Bruder aufnehmen. Das heisst für mich ganz klar dass man die Situation der Familie, Mann, schwangere Frau, Teenager Tochter nicht eine Minute lang berücksichtigt hat und das ist in meinen Augen grob fahrlässig.

Wenn ich neben einem Straftäter wohne, der Frauen vergewaltigt und fast erschlagen hat, dann kann ich damit eventuell umgehen. Ich würde mich aber mit Händen und Füßen wehren wenn eine Enkelin im Teenager Alter bei mir wohnen würde.

Bruny
Re: Ein offener Käfig
geschrieben von lara
Während der Film und die Doku lief, und auch später noch, gingen mir tausend Gedanken und Gefühle durch den Kopf.

Ich habe mich gefragt, wie würde ich reagieren, wenn ein solcher entlassene Strafgefangener in meiner Nachbarschaft wohnen würde. Meine Gefühle würden auch „Nein“ schreien. Ich denke ich würde in meiner Angst um die Enkelkinder auch dort stehen mit einem Schild worauf geschrieben wäre „ Achtung Vergewaltiger“.

Wenn aber nur mein Verstand reagieren würde, gäbe ich dem Straftäter eine 2. Chance.

Was bei mir siegen würde, kann ich nicht sagen.

Was mich gestört hat, war dass der Bruder gezwungen wurde, seinen Bruder aufzunehmen, ich kann mir nicht vorstellen, dass das so im Leben passiert.

Eine schwere Kindheit kann nicht für alles eine Entschuldigung sein, aber sicherlich kann sie Kinder für das ganze Leben prägen. Dann liegt es an jedem Menschen wie er seine Kindheit aufarbeitet.
In der anschließenden Doku war ich dann total entsetzt, als der Vergewaltiger der befragt wurde, seine Vergewaltigung mit diesen Worten – „dann habe ich mit ihr geschlafen“ seine Tat schilderte.
mane
mane
Mitglied

Re: Ein offener Käfig
geschrieben von mane
Ich habe den Film und die anschließende Dokumentation auch gesehen. Es wurde versucht, die unterschiedlichen Sichtweisen zu beleuchten, wobei, in meinen Augen, die Probleme des Täters im Vordergrund standen.

Wie in der Dokumentation berichtet, geschah ein ähnlicher Fall in Randerath, wo der Mann ebenfalls bei seinem Bruder und seiner Familie unterkam.
Randerath 2009

Die Frage ist: Was wiegt höher - das Recht des Straftäters auf Wiedereingliederung in die Gesellschaft oder das Recht der Gesellschaft auf einen angstfreien Alltag?
Die Furcht vor weiteren Übergriffen ist nicht unbegründet. Die Täter sind wahrscheinlich trotz Therapie (die der Vergewaltiger in Randerath sogar verweigert haben soll, lt. obigem Bericht), lebenslang nicht ungefährlich. Es bleibt ein Restrisiko.
Aber ist ein lebenslanges Wegsperren die Lösung?

Mane

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