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Innenpolitik Stand der Pressefreiheit in Deutschland

Elmos
Elmos
Mitglied

Stand der Pressefreiheit in Deutschland
geschrieben von Elmos
Hallo,

laut dem jährlichen Bericht der "Reporter ohne Grenzen" ist Deutschland, was die Freiheit der Journalistischen Arbeit angeht, von Platz 12 der "Weltrangliste" auf Platz 16 gesunken. Ich persönlich muss sagen, dass ich das ein sehr komisches Gefühl finde, dass das Land in dem ich lebe da grade mal im europäischen Mittelfeld herumkrauchelt.

Interessant fand ich dazu, dass als Gründe die gehäuften Angriffe auf Journalisten genannt wurden (und zwar vor allem auf Rechtsextremistischen und Salafistischen Demonstrationen), aber ebenso die AFD, die wohl gerne Journalisten von ihren Versammlungen fern hält. Das verwundert ja niemanden. Aber ein weiterer Grund war der Umgang Deutschlands mit "Whissleblowern".

Aber, am besten ihr lest das selber.

Liebe Grüße
Andrea
karl
karl
Administrator

Re: Stand der Pressefreiheit in Deutschland
geschrieben von karl
als Antwort auf Elmos vom 21.04.2016, 19:47:41
Hallo Andrea,

ich fand es auch sehr interessant, dass namentlich bei Pegida-Demonstrationen von Einschränkungen der Pressefreiheit berichtet wurde. Dies ist jedoch nicht der "Obrigkeit" anzulasten, sondern den sich als "Volk" bezeichnenden Menschen, die offensichtlich eine freie Presse nicht ertragen können.

Was uns erwarten würde, wenn diese Leute tatsächlich einmal an die Macht kommen würden, ist abzusehen: "Lügenpresse" würde amtlich und offiziell, siehe Polen und Ungarn.

Zu Gewalt gegen Journalisten kam es meist auf Demonstrationen der Pegida-Bewegung und ihrer regionalen Ableger, bei Kundgebungen rechtsradikaler Gruppen oder auf Gegendemonstrationen. Rund zwei Drittel der dokumentierten Fälle zählte ROG in Sachsen, weitere in Berlin, München und anderen Städten. 2015 erstatteten allein bei der Leipziger Polizei Journalisten in 13 Fällen Anzeige wegen Beleidigung und Körperverletzung ( http://t1p.de/vc9t).

Reporter wurden geschlagen, getreten, zu Boden geworfen, ihre Ausrüstung beschädigt oder zerstört. Opfer der Angriffe waren meist Fotografen, Kamerateams oder Reporter vor Übertragungswagen von Radio- und Fernsehsendern – Journalisten also, die leicht als solche erkennbar sind und symbolhaft für die von Demonstranten pauschal verunglimpfte „Lügenpresse“ stehen. Bei den Demonstrationen zum Jahrestag der Pegida-Bewegungen am 19. Oktober 2015 in Dresden häuften sich die Überfälle: Der Fernsehjournalist Jaafar Abdul Karim (Deutsche-Welle) wurde als „Kanake“ beschimpft, beim Drehen behindert und ins Genick geschlagen ( http://t1p.de/gk4w). Ein Mitarbeiter vom Deutschlandradio wurde vor einem Übertragungswagen von einem betrunkenen Gegendemonstranten angegriffen und leicht verletzt ( http://t1p.de/igpt). Ein Kameramann der russischen Videoagentur Ruptly wurde von mehreren Männern bedroht, die seine Ausrüstung zu Boden warfen und auf ihn einschlugen ( http://t1p.de/xhzq). Quelle.
geschrieben von Reporter ohne Grenzen

Karl
dutchweepee
dutchweepee
Mitglied

Re: Stand der Pressefreiheit in Deutschland
geschrieben von dutchweepee
als Antwort auf karl vom 22.04.2016, 11:34:14
So ist es karl - man muss unerbittlich sein: „Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muß den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf. Sie ruht erst, wenn sie alles unter sich begraben hat.“
Erich Kästner


...oder wie Goebbels tönte: "Wir haben die Demokratie genutzt, um die Macht zu ergreifen - nicht um sie zu gebrauchen."

Wehret den Anfängen!

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wandersmann_1
wandersmann_1
Mitglied

Re: Stand der Pressefreiheit in Deutschland
geschrieben von wandersmann_1
als Antwort auf karl vom 22.04.2016, 11:34:14
Was uns erwarten würde, wenn diese Leute tatsächlich einmal an die Macht kommen würden, ist abzusehen: "Lügenpresse" würde amtlich und offiziell, siehe Polen und Ungarn.
geschrieben von karl


Wobei unsere Medien nicht so ganz unschuldig daran sind, dass vielen Bürgern mittlerweile das Vertrauen fehlt, in ihnen eine objektiv berichtende Informationsquelle zu sehen.

Dennoch sehe ich in diesem Punkt noch nicht mal das schwerwiegendste Defizit resp. die größte Gefahr, die heute für die Pressefreiheit besteht. Die ist m.A. nach eher darin zu sehen, dass die Medien in ganz wenigen, privaten Händen konzentriert sind, namentlich Friede Springer, Liz Mohn, Funke Mediengruppe, Burda.
Der Funke Mediengruppe bspw. gehören sämtliche relevante Zeitungen im Ruhrgebiet, Berlins sowie ganz Thüringens. Diese Konzentration lässt die Vielfalt und Freiheit der Presse gegen Null fahren, zumal die redaktionellen Bereiche dieser Zeitungen mehr und mehr abgeschafft werden, zugunsten der Versorgung aus sog. Zentralredaktionen. Dies führt zwangsläufig und gewollt zu einer speziellen Form von Einheitsnachrichten, die wir aus der Vergangenheit leider nur zu gut kennen.

Wie sagte Paul Sethe mal so treffend:
„Pressefreiheit ist die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten.“ Dort hieß es auch: „Da die Herstellung von Zeitungen und Zeitschriften immer größeres Kapital erfordert, wird der Kreis der Personen, die Presseorgane herausgeben, immer kleiner. Damit wird unsere Abhängigkeit immer größer und immer gefährlicher.“
Das war 1965.
dutchweepee
dutchweepee
Mitglied

Re: Stand der Pressefreiheit in Deutschland
geschrieben von dutchweepee
als Antwort auf wandersmann_1 vom 22.04.2016, 16:12:23
Genauso ist es, wandersmann! Hier hörst Du die Namen, der Pfeffersäcke, die für unsere "Meinung" verantwortlich sein wollen:

Re: Stand der Pressefreiheit in Deutschland
geschrieben von marina
als Antwort auf wandersmann_1 vom 22.04.2016, 16:12:23
Ich finde auch, wir sollten uns an der Pressefreiheit in Russland ein Beispiel nehmen. Da gibt es eine große Vielfalt, und alle sind unabhängig.
So ab und zu werden zwar mal Journalisten kurz um die Ecke gebracht oder auch "nur" eingekerkert und gefoltert, aber das hat sicher nichts damit zu tun, die waren eben alle Verbrecher.

Und nun aus gegebenem Anlass an alle Alles-wörtlich-Nehmenden: Vorsicht Ironie!

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dutchweepee
dutchweepee
Mitglied

Re: Stand der Pressefreiheit in Deutschland
geschrieben von dutchweepee
als Antwort auf marina vom 22.04.2016, 16:26:39
@marina ...was haben deutsche Medien- und Meinungsmonopole mit Polen, Russland, Ungarn, China oder Süd-Swasiland zu tun? Der wandersmann hat diesmal absolut recht - es sind eine Handvoll superreiche Familien, die unsere Meinung bestimmen wollen.

Gönn Dir bitte 6 Minuten das Pispers-Video und Du weißt was ich meine.
Elmos
Elmos
Mitglied

Re: Stand der Pressefreiheit in Deutschland
geschrieben von Elmos
als Antwort auf marina vom 22.04.2016, 16:26:39
Hallo,

ähm - Russland wurde auf Platz 148 von 180 "gerankt". Wir sollten uns daran lieber doch kein Beispiel nehmen.

Aber vielleicht an Finnland?
Ich finde, dass Pressefreiheit so ein hohes Gut ist, dass man sich nach oben, nicht nach unten orientieren sollte.

Dass ein Teil des "Verlustes" bei uns durch die Pegida und AFD zu Stande gekommen ist, das ist schon bemerkenswert. Aber schlimmer ist für mich fast, dass in dem Zusammenhang eben auch die Untätigkeit der Polizei mit Ausschlaggebend war. Und es eben auch noch andere Gründe gibt, ganz abseits dieser rechten Gruppentreffen, die Deutschland eben hinter und nicht vor Finnland rangieren lassen.

Herrn Pispers kann ich zwar in manchen Dingen zustimmen, aber man sollte nicht aus dem Auge verlieren, dass es in Deutschland sehr wohl noch unabhängige und kritische Zeitungen gibt die auch frei berichten dürfen (und das tun). Wenn niemand sie kauft, dann ist das nicht nur die Schuld der Medien"mogule"...

Liebe Grüße
Andrea
Re: Stand der Pressefreiheit in Deutschland
geschrieben von marina
als Antwort auf Elmos vom 22.04.2016, 17:21:15
Dem letzten Absatz stimme ich neben dem anderen voll zu.
Es gibt ausgesprochen seriös und frei recherchierte Artikel in diversen Zeitungen, sogar dann, wenn sie an große Medienkonzerne angeschlossen sind. Denn die einzelnen Journalisten, die da schreiben, haben trotzdem weitgehend freie Hand, ihre unabhängige und freie Meinung zu schreiben.
Ich lese inzwischen regelmäßig die Wochenendausgaben der SZ, ab und zu "Die Zeit", ab und zu die FR, im Netz auch viele Artikel von anderen Zeitungen. Und sie schreiben nicht alle gleich.
Die Journalisten der Frankfurter Allgemeinen z. B. schreiben völlig anders als die der Frankfurter Rundschau, obwohl inzwischen beide Zeitungen vom gleichen Konzern herausgegeben werden.

Im Vergleich zu anderen Ländern wie beispielsweise Russland, worauf ich bereits ironisch hingewiesen habe, oder auch im Vergleich zur Türkei und sogar im Vergleich zu Italien sind wir noch gut dran. Deshalb sehe ich das alles ziemlich gelassen.

Aber etwas ganz anderes wird ja auch von "Reporter ohne Grenzen" beklagt: das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung, durch das Ärzte, Anwälte und Journalisten nur unzureichend geschützt sind (steht auf Seite 6) oder auch mangelnde Trennung von Redaktion und Werbung (S. 8).

In manchen Zeitungen gibt es lange Reiseberichte mit Hotelempfehlungen oder in meiner Lokalzeitung im örtlichen Teil jeden Tag Restaurantempfehlungen, und das läuft alles nicht unter "Werbung".

Das ärgert mich täglich. Denn das hat mit seriöser und objektiver Berichterstattung wirklich nichts mehr zu tun.
Tina1
Tina1
Mitglied

Re: Stand der Pressefreiheit in Deutschland
geschrieben von Tina1
als Antwort auf dutchweepee vom 22.04.2016, 11:49:11
So ist es karl - man muss unerbittlich sein: „Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muß den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf. Sie ruht erst, wenn sie alles unter sich begraben hat.“
Erich Kästner


...oder wie Goebbels tönte: "Wir haben die Demokratie genutzt, um die Macht zu ergreifen - nicht um sie zu gebrauchen."

Wehret den Anfängen!


Und genau das sagt auch ein Herr Erdogan u das schon 1998. Steht er inzwischen kurz vor dem Ziel? Äußerst gefährlich, als Natopartner, würde ich sagen.
Tina
Linktipp: Götterdämmerung in Istanbul

"Aus jener Zeit stammt auch ein Gedichtzitat, das ihm 1998 das Politikverbot eintrug und schon ahnen ließ, wessen Geistes Kind er ist: „Die Demokratie ist nur ein Zug, auf den wir aufspringen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.“

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