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Plaudereien Aus meiner Schulzeit........

Karl
Karl
Administrator

Re: Aus meiner Schulzeit........
geschrieben von Karl
als Antwort auf ehemaliges Mitglied vom 07.01.2011, 19:33:55
Guten Morgen Leuchte,

ich kann Deine Erfahrungen bestätigen. Auch wir mussten in Zweierreihen antreten. Ich kann mich noch gut an solche Veranstaltungen im Schulhof erinnern, wo der "Giggel" (Spitzname des Rektors) dann Verurteilungen inklusive sofortigen Strafvollzugs an Deliquenten (in Form von Stockschlägen) vor der ganzen Schulöffentlichkeit vornahm.

Dieser "Herr Rektor" hat mir einmal eine Ohrfeige verpasst, weil ich ihn von der anderen Straßenseite aus im Dorf nicht gegrüßt hatte.

Wie positiv hat sich doch die Pädagogik seit diesen Zeiten entwickelt.

Karl
Urego
Urego
Mitglied

Re: Aus meiner Schulzeit........
geschrieben von Urego
als Antwort auf Karl vom 08.01.2011, 10:15:46


Eigentlich wollte ich mich nicht auch noch zu diesen Strafaktionen zu Wort melden, denn schließlich gehörte ich in späteren Jahren zu eben dieser Gilde.

Ich kann alle Eure Erfahrungen bestätigen und sogar noch einige hinzufügen, denn meine Geschwister und ich waren "Lehrerkinder". Wir bekamen dann mit ausdrücklicher Genehmigung unseres Vaters immer noch einen mehr. Das war selbst in unserem jugendlichen Alter eine große Erniedrigung, denn es freuten sich die Schüler besonders, die von meinem Vater gerade verdroschen worden waren.

Selbst auf dem Gymnasium hatten wir noch einen Lehrer, der der körperlichen Strafe noch huldigte. Bei entsprechender Gelegenheit kniff er uns mit Zeige- und Mittelfinger in die Backen (Wangen) und drehte sie um. Dabei zog er uns nach oben, bis wir auf den Fußspitzen standen und nicht mehr höher konnten. Dann ließ er uns plötzlich los und in unserem Zusammensacken bekammen wir eine kräftige Backpfeife. Er beherrschte diese Kunst virtuos.

Das ist, Gott sei Dank, heute alles Geschichte. Genau wie Karl begrüße ich die Entwicklung in der Schule. Vielfach kann man sich die Verhältnisse gar nicht mehr vorstellen.

Urego
omaria
omaria
Mitglied

Re: Aus meiner Schulzeit........
geschrieben von omaria
In Erinnerungen "schwelgen"... wenn es denn *lustige* sind:
Griffelkasten mit Schiefergriffeln,
Tafel mit selbst gehäkelten Baumwollläppchen,
Schwämmchen in der Dose...
Das alles habe ich auch kennen gelernt!

Zum Nikolaustag gab es in der Schule für die Erstklässler
als Überraschung sogar GOLDENE Griffel! (sahen wirklich echt aus!)

Schönschrift übten wir mit Federhalter und Tinte:



"Hand aufhalten" für den Rohrstock, und in der Ecke stehen...
habe ich zum Glück nur bei den Mitschülerinnen erlebt!

Die Grundschule und der Pausenhof waren strikt getrennt:
eine Hälfte für die Jungen, die andere für Mädchen!

Grässlich fand ich das Duschen im Schulkeller =
einerseits zur strengsten "Schamhaftigkeit" erzogen,
sollten wir andererseits gemeinsam mit der ganzen Klasse duschen!
Und bloß nicht gucken!!!

omaria

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gerry
gerry
Mitglied

Re: Aus meiner Schulzeit........
geschrieben von gerry
als Antwort auf omaria vom 08.01.2011, 11:04:04


Wir haben mit der anderen Schrift - Sütterlin - begonnen.
Es begann da mit dem "kleinen i", das am einfachsten zu schreiben war.
Die Umstellung auf die lateinische Schrift in der 4. Klasse
fiel natürlich schwer.
Schläge der Lehrer waren an der Tagesordung!
schorsch
schorsch
Mitglied

Re: Aus meiner Schulzeit........
geschrieben von schorsch
als Antwort auf gerry vom 07.01.2011, 10:39:42
Wir hatten einen Lehrer (im Nebenberuf Wirt), der nahm schon mal nach einer durch-gezechten Nacht in seiner eines dieser Tintenfässer und schmiss es über 10 Bankreihen hinweg einem unbeliebten Schüler an den Kopf. So kriegten auch alle überflogenen Schüler etwas davon ab.
opti
opti
Mitglied

Re: Aus meiner Schulzeit........
geschrieben von opti
als Antwort auf gerry vom 08.01.2011, 11:26:47

Ich liebte meine Schiefertafel, nur das Griffelspitzen mit einem Küchenmesser fand ich schrecklich.
Das Schreiben in Sütterlin-Schrift (Deutsche Schrift) war nicht ganz einfach, da wir noch keine Schreibfüller besaßen. Bei den Verstärkungen dieser Schrift spreizte sich gar oft die Feder und es entstanden die ungeliebten Spritzer im Heft, die ich mit Vaters Rasierklingen zwar entfernen konnte, aber auch Löcher im Papier verursachten.

Dies wiederum gefiel meiner Lehrerin (Ordensschwester) nicht und es gab öfters mit dem Lineal "Eine" auf die Hand. Zuvor mussten wir aber mutig sagen "ich bitte um Eine auf die Hand" und hinterher quetschte man etwas mühsamer ein "Vergelt`s Gott" heraus.

Trotzdem ging ich sehr gerne in die Schule, genoss besonders den Nachhauseweg und die Ferien.

opti

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netarip
netarip
Mitglied

Re: Aus meiner Schulzeit........
geschrieben von netarip
als Antwort auf Marija vom 06.01.2011, 15:41:47
In meiner Schulzeit gab es Lehrer, die noch deutliche Nazispuren aufzeigten.
Sie ließen einen körperlich gehandicapten Mitschüler deutlich spüren, dass sie Vorurteile und Abneigungen verspürten.

Eine meiner Lehrerinnen meinte zu mir, ich war ein Scheidungskind :"Aus dir kann mal nichts werden, deine Mutter ist ja geschieden!"
Sie gab mir auch schlechtere Zensuren als den anderen.
Später musste ich sie dann tatsächlich noch für ein Jahr als Kollegin ertragen! Das war der Gipfel !

Marija


An meine Schulzeit sind mir auch noch einige Nazi Erinnerungen geblieben, das begann mit dem Absingen des Deutschlandsliedes und des Horst Wessel Liedes jeden Morgen, es war eine ganz normale Oberschule in Paderborn, einige Lehrer kamen in Uniform zum Unterricht,als Gruß war nur Heil Hitler erlaubt, das war übrigens auch in vielen Läden so üblich, es konnte passieren dass man nicht bedient wurde wenn man aus Versehen Guten Tag sagte. Aber zurück zur Schule. Schiefertafeln hatten wir in den ersten Schuljahren in der Volksschule, da konnte es schon passieren dass einem der Lehrer , bei einer falschen Rechenlösung, die Tafel auf den Kopf schlug und man mit dem Holzrahmen um den Hals plötzlich da saß. Rohrstockschläge auf die Hände waren normal, wenn man dann die Hand über das Tintenfass hielt schwoll die Hand an, als die Lehrer das gemerkt hatten gab es Schläge aufs Gesäß. Und da die Lehrer Respektpersonen waren wäre ein Protest zu Hause unwirksam gewesen, man riskierte dann eine zweite Abreibung.
Je mehr ich jetzt schreibe um so mehr an Ungeheuerlichkeiten kommen in meine Erinnerung. In den ersten Kriegsjahren war es noch an der Tagesordnung dass der Vormarsch in Russland besprochen wurde, wurde zum Ende des Krieges aber,logischerweise, eingestellt. Und eines Morgens war die Schule weg, man nannte das damals Terrorangriff, wir sind dann noch ein paarmalinnerhalb der Stadt in andere Räume geschickt worden, wir konnte dann eine Art Not Mittlere Reife Prüfung machen aber ab März 45 bis zum Eintreffen der Amerikaner gab es keine Schule mehr. Kurze Zeit waren wir in einem Wehrertüchtigungslager , aber da fehlte dann auch das Personal und dann haben wir gewartet bis der Krieg vorbei war, am letzten Tag zog auf der einen Seite der Straße die SS ab und auf der anderen Seite konnte man schon die Amis sehen. Schule gab es nicht mehr , keine Räume, keine Lehrer sogar der Hausmeister, der uns immer anzeigte wenn keine Fahne aus dem Fenster hing war plötzlich im Widerstand gewesen. Als dann die Engländer ins Städele kamen war es auch mit der Schokolade und dem Kaugummi, die Amis waren freundlicher, vorbei. Wir mussten arbeiten, im Wald und auf dem Feld, die ganzen Fremdarbeiter Ost ( die hatten so ein Emblem auf der Kleidung ) und die Kriegsgefangenen waren weg.
Aber meine jüngere Schwester hat noch einen, völlig gewandelten, Lehrer aus meiner Klasse erlebt. Schade dass ich nicht den Mut hatte mit ihm zu reden.
johanna
johanna
Mitglied

Re: Aus meiner Schulzeit........
geschrieben von johanna
als Antwort auf netarip vom 08.01.2011, 16:51:01
oh ja Griffel, Griffelkasten und Schiefertafel sind mir auch bestens bekannt. Und meine Tante, bei der ich noch das erste Schuljahr erlebte, beherrschte die Kunst des "zwiebelns" auf das perfekteste. Ein einziger kleiner grauer Fleck, der nicht zwischen die Buchstaben gehörte und alles wurde mit dem berühmten nassen Schwamm weggewischt und ich durfte die ganze Tafel wieder von vorne beginnend vollschreiben. Das Erlernen der Buchstaben wurde dann auch von ihr in aller Öffentlichkeit mit mir geübt - vorzugsweise bei den Anschlagtafeln oder Litfaßsäulen.....manchesmal glaubte ich in den Boden zu versinken, wenn ich einen Buchstaben nicht sofort wusste und Nachbarn und/oder Bekannte drumherum standen. Aber nach dem Wechseln des Wohnortes nach Hamburg war ich dort der Klasse soweit voraus - im Lesen wie im Schreiben - dass mir von der Lehrerin verboten wurde, meinen Pelikanfüller zu benutzen. Weil die anderen Kinder ja auch noch mit Bleistift in die Hefte schrieben. Das war schon ein Fortschritt - Bleistift und Heft! Am Ende des Jahres gab es die sogenannten Kopfnoten..."da sie der Klasse weit voraus war, liess sie es an Sorgfalt und Fleiss oft fehlen, war deswegen oft unaufmerksam. So war sie beim Lesen regelmässig erst dann dabei, wenn sie an der Reihe war..." und dergleichen mehr.
Und das Fach "Schönschreiben" hatten wir sogar noch im Gymnasium - wenn ich mir die Handschriften der Kinder heute ansehe.....da glaube ich schon dass es besser (lesbarer)ist, wenn sie leicht und schnell mit Computer umgehen können.
clara
clara
Mitglied

Re: Aus meiner Schulzeit........
geschrieben von clara
als Antwort auf johanna vom 08.01.2011, 17:33:56
Meine Mutter war auch erbarmungslos, was das Auswischen der Schiefertafel betraf, wegen meiner "Klaue" nicht gerade selten!
Was hätte sie wohl über dieses Schriftbild gesagt? Wer war's?



Clara
Urego
Urego
Mitglied

Re: Aus meiner Schulzeit........
geschrieben von Urego
als Antwort auf clara vom 08.01.2011, 18:00:32


@ Clara

Ich würde das Schriftbild als "genial" bezeichnen, wenn Du schon so fragst. Jedenfalls hat er oder sie an den "Bruder Carl" geschrieben.

Urego

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