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Soziales Analphabeten in Deutschland

KarinIlona
KarinIlona
Mitglied

Analphabeten in Deutschland
geschrieben von KarinIlona
Fassungslos las ich den Artikel unserer heutigen Tageszeitung:
"200.000 Thüringer sind Analphabeten".
Dazu leider keine Erläuterung, welche Menschen es betrifft, nur, wie man ihnen helfen will. So weit so gut.
Hier im Forum gibt es doch sicher einige Lehrer, die mit diesem Thema umgehen mußten, und mir meine Fragen beantworten können: Wie kann ein Schüler die 8. Klasse abschließen, ohne einen Aufsatz oder ein Diktat geschrieben zu haben? Das muß doch bemerkt worden sein! Und wenn er das nicht konnte, hat ihm niemand geholfen und ihn zeitgleich gefördert?
Kann man die "Schulpflicht" einfach abhaken mit dem Ergebnis: Teilgenommen?
Dem Ausländeranteil in Thüringen schreibe ich nur ein paar wenige Prozente zu. Aber wie kann das Übel gedeihen bis man sich endlich wundert: Oh, 200.000 können nicht lesen und nicht schreiben!?
KarinIlona
schorsch
schorsch
Mitglied

Re: Analphabeten in Deutschland
geschrieben von schorsch
als Antwort auf KarinIlona vom 10.09.2014, 01:00:30
Die Wirtschaft ist auch um diese froh. Denn wer nicht lesen kann, der kann auch keine Vertragsklauseln lesen. Und wer dies nicht kann, der findet gewiss seinen Ausbeuter!
barbarakary
barbarakary
Mitglied

Re: Analphabeten in Deutschland
geschrieben von barbarakary
Ist mir auch ein Rätsel, liebe KarinIlona! Ich hörte mal, dass sich Schüler 'durchgemogelt' haben bzw. leere Blätter abgaben, Verweigerungshaltung. Trotzdem müssten Lehrpersonen merken, wenn einer nie schreibt und vorliest!!! Man kann das also einen schulischen Skandal nennen!!! Und mit Migranten hat es in erster Linie nichts zu tun!

LG und einen schönen Tag....
barbarakary

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Re: Analphabeten in Deutschland
geschrieben von meli
als Antwort auf barbarakary vom 10.09.2014, 09:21:57
Mich interessiert hier doch sehr, welche Altersgruppe gemeint ist?

Ich selbst keinen eine Frau, die Analphabetin ist und aus Weißrussland kommt.
Sie spricht einwandfrei deutsch.

Sie ist jetzt 84 Jahre alt und hat aufgrund der damaligen Verhältnisse in der Sowjetunion keine Schule besuchen dürfen.
In einer riesigen Familie, in der jeder schon frühzeitig arbeiten musste, damit überlebt werden konnte, ging das einfach unter oder war auch nicht erlaubt. Da müsste ich nachfragen, was ich nicht will, da das Kapitel sehr schambesetzt ist bei der alten Frau.

Später hier in Deutschland war sie sehr isoliert. Sie geht zu keinem Treffen der Begegnunsstätte oder sonst irgendwohin, da sie keine Speisekarte lesen kann und sie sehr schämt.

Ich schreibe das, damit klar ist, dass es ja nicht nur die Jungen sind, die sich durch die Schule gemogelt haben.
Das allerdings wäre in unserem Schulsystem ein großer Skandal und diesem müsste wirklich von der Schulbehörde nachgegangen werden.

Meli
gatita49
gatita49
Mitglied

Re: Analphabeten in Deutschland
geschrieben von gatita49
als Antwort auf meli vom 10.09.2014, 09:31:16
Laut einer Studie der Uni Hamburg aus dem Jahr 2011 gibt es in der Bundesrepublik 7,5 Mio. Analphabeten.

14,5 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung zwischen 18 und 64 Jahren fallen in die Kategorie "funktionaler Analphabetismus". Eine kleine Gruppe von ihnen kann nur Buchstaben lesen, andere scheitern an Sätzen oder Texten.

Männer (60,3 Prozent) sind häufiger von Analphabetismus betroffen als Frauen (39,7 Prozent), ältere stärker als jüngere Menschen. Weiteren 13,3 Millionen Erwerbstätigen, also jedem Vierten, bescheinigt die Studie außerdem fehlerhaftes Lesen und Schreiben.
Re: Analphabeten in Deutschland
geschrieben von meli
als Antwort auf gatita49 vom 10.09.2014, 09:40:16
Ich danke Dir für diese Zahlen.

Was mir hier in meiner Heimatstadt aufgefallen ist, ist die verstärkte öffentliche Werbung gegen den Analphabetismus.

Mir gefällt das sehr gut, denn es zeigt den Betroffenen, dass sie nicht allein mit dem Problem sind und evtl. die Hemmschwelle, sich auch außerhalb der Familie zu outen, heruntergesetzt wird.

Meli

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Edita
Edita
Mitglied

Re: Analphabeten in Deutschland
geschrieben von Edita
als Antwort auf gatita49 vom 10.09.2014, 09:40:16
Zitat aus :Bildung auf einen Blick 2014
Fettgedruckt von mir!

" Schaut man lediglich auf das hohe Niveau bei Schulabschlüssen und die im internationalen Vergleich niedrige Arbeitslosenquote, dann steht Deutschland gut da. Auf der anderen Seite steigt die Anzahl unbesetzter Ausbildungsplätze hierzulande seit Jahren, bei gleichzeitigem Anstieg unvermittelter Bewerber. Hinzu kommt: Deutschland investiert im Vergleich zu anderen Ländern noch immer einen geringeren Anteil seines Vermögens in Bildung. Drängende Aufgaben - etwa flächendeckende Ganztagsangebote oder Inklusion - gibt es jedoch nicht zum Nulltarif. Auch die Tatsache, dass es die meisten Schulabgänger nicht über das Bildungsniveau ihre Eltern hinausschaffen, spricht nicht gerade für ein faires und chancengerechtes Bildungssystem. "

Wenn tatsächlich eintrifft, was schon lange prophezeit wird, daß nämlich die Mittelschicht per desaströser Finanzpolitik zwangseleminiert wird, dann wird sich diese Tatsache dramatisch verschärfen, und dann kann man ein altes Sprichwort ummünzen in " sage mir wer deine Eltern sind, und ich sage dir wer du bist und was du kannst "!
In 32% der anderen Staaten in Europa überholen Kinder beim Bildungsabschluß ihre Eltern, in Deutschland sind es nur läppische 19%! Das sagt so einiges aus über unsere Bildungspolitik, und in Anbetracht dessen, daß jeder Dummkopf heute schon weiß, daß gegen Arbeitslosigkeit, Kriminalität, Drogensucht, Alkoholismus, Gewalttätigkeit, Radikalismus in jeglicher Form, usw. nichts besser schützt als Bildung,, dann ist dieser Teil des Ergebnisses der Studie eine Riesenschande!

Edita
gatita49
gatita49
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Re: Analphabeten in Deutschland
geschrieben von gatita49
als Antwort auf Edita vom 10.09.2014, 10:14:13
Wenn vom Elternhaus oder dem engeren Umfeld jungen Jahren nichts vemittelt wird, gibt es da von Anfang an ein ganz großes Manko, das die Bildungsinstitute nicht immer schließen können.

Ich bin in äußerst problematischen Verhältnissen aufgewachsen, es gab vieles nicht, was andere sich leisten konnten, doch Bücher, Lesestoff gab es bei uns zu Hause immer. Wenn das Geld dann gar nicht mehr für die letzte Woche des Monats reichte, wurden auch schon mal Bücher verkauft...
Edita
Edita
Mitglied

Re: Analphabeten in Deutschland
geschrieben von Edita
als Antwort auf gatita49 vom 10.09.2014, 10:40:53

Ich bin in äußerst problematischen Verhältnissen aufgewachsen, es gab vieles nicht, was andere sich leisten konnten, doch Bücher, Lesestoff gab es bei uns zu Hause immer. Wenn das Geld dann gar nicht mehr für die letzte Woche des Monats reichte, wurden auch schon mal Bücher verkauft...


Ich glaube, daß das in unserem Alter fast auf jeden zutrifft, denn wir sind ja kurz nach dem Krieg aufgewachsen! Nur.........man kann die Zeit von damals nicht mit heute vergleichen, damals gab es als Unterhaltung und Ablenkung im besten Falle mal ein Radio, aber kein Fernsehen und kein Internet, wenige Kinos und andere Amüsiermöglichkeiten, man war ausgeglichner und ausgeschlafener, weil man, auch um Strom zu sparen in den dunklen Jahreszeiten, fast mit den Hühnern ins Bett gegangen ist, also hat man seine Phantasie über den Bücherkonsum erweitern können und wollen! Tja, diese Zeiten sind leider vorbei!

Edita
Re: Analphabeten in Deutschland
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf Edita vom 10.09.2014, 10:53:49
diese zeiten sind leider vorbei?
gottseidank sind sie vorbei, würde ich meinen.

nicht alles in unserer zeit ist schön, aber tauschen möchte
ich wahrhaftig nicht, wenn ich erzählungen von früher höre.

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