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Sprunggelenksarthrose: Wenn die Schmerzen nicht mehr aufhören

Das obere Sprunggelenk (OSG) muss von allen Gelenken die größte Belastung tragen und ist daher auch besonders anfällig für Verschleißerscheinungen wie Arthrose.

 Prof. Dr. med. Dr. phil Victor Valderrabano
©SWISS ORTHO CENTER, BASEL

Prof. Dr. med. Dr. phil Victor Valderrabano ist ein international renommierter Spezialist für Orthopädische Chirurgie und Chefarzt des SWISS ORTHO CENTER in Basel, Schweiz. Er beantwortet die wichtigsten Fragen rund um die OSG-Arthrose und ihre Behandlungsmöglichkeiten.

Welche Altersgruppe ist besonders häufig von einer Sprunggelenksarthrose betroffen?

Prof. Valderrabano: „Ein typisches Alter für die Arthrose im oberen Sprunggelenk (OSG) gibt es nicht. Diese Verschleißerkrankung betrifft sowohl ganz junge Menschen, als auch ältere. Das Durchschnittsalter liegt bei etwa 50 Jahren."

Wie entsteht eine Sprunggelenksarthrose und welche Beschwerden löst sie aus?

Prof. Valderrabano: „Eine Arthrose im Sprunggelenk ist sehr viel schmerzhafter als eine Arthrose im Knie- oder Hüftgelenk. Die Betroffenen leiden häufig dauerhaft unter Schmerzen, sowohl tagsüber in Bewegung und Belastung, als auch nachts in Ruhestellung. Anders als bei einer Knie- oder Hüftgelenksarthrose ist die Verschleißerscheinung im Sprunggelenk keine altersbedingte Erkrankung. Die Ursachen liegen in 80 Prozent der Fälle in einer vorausgegangenen Verletzung wie z.B. einem Bruch bei einem Unfall, Umknicktrauma mit Bandinstabilität oder einer Schwäche der Sehnen und Muskel. Eine Fehlstellung, wie z.B. ein Knick-Senkfuß oder Hohlfuss, kann ebenfalls eine Arthrose hervorrufen. Profisportler, z.B. im Fußball oder Tennis, sind durch die extreme Belastung auch dafür prädestiniert, eine OSG-Arthrose zu entwickeln."

Wie kann eine Sprunggelenksarthrose behandelt werden?

Prof. Valderrabano: „Im ersten Schritt wird immer versucht, konservativ (nichtoperativ) zu therapieren. In einem gering fortgeschrittenen Stadium helfen Physiotherapie, spezielle Einlagen oder Bandagen, die Beschwerden zu lindern. Auch Knorpelaufbaumaßnahmen wie Chondroitinsulfat-Gluocosamin-Produkte oder Hyaluronsäure-Spritzen sind in diesem Stadium hilfreich. Mit diesen Maßnahmen kann man den Krankheitsverlauf, sowie einen möglichen chirurgischen Eingriff, hinauszögern. Bei Patienten, die rechtzeitig eine Behandlung anstreben und bei denen eine sogenannte „schräge" Arthrose vorliegt, kann eine operative Korrektur der Sprunggelenksachse mit Knorpelchirurgie das Gelenk erhalten. Dabei wird die Fehlstellung oder Asymmetrie ausgeglichen, so dass die Belastung auf einen anderen, nicht geschädigten Bereich des Sprunggelenks verlagert wird. Das Gelenk bleibt bei diesem Eingriff erhalten, der Verlauf der Arthrose wird verzögert und die Beschwerden gelindert. In einem späteren Stadium und wenn alle konservativen und gelenkerhaltenden Therapien nicht helfen, bleiben als Therapieoptionen noch die Sprunggelenksprothese, ein künstlicher Gelenkersatz, oder zuletzt die Versteifung, die sogenannte Arthrodese."

Welche Vor- und Nachteile haben eine Sprunggelenksprothese bzw. eine Versteifung?

Prof. Valderrabano: „Früher hieß es immer: ‚Bei OSG-Arthrose-Patienten am besten versteifen' – es nehme die Schmerzen, sei solide und kostengünstiger als eine Prothese. Was man aber nicht vergessen darf: Durch eine Versteifung des Sprunggelenks verringert man die Beweglichkeit und verändert die gesamte Biomechanik des Fußes und des Beines. Dies hat zur Folge, dass andere Gelenke die Funktionen des versteiften Sprunggelenks übernehmen müssen und durch diese Überbelastung mit hoher Wahrscheinlichkeit später ebenfalls eine Arthrose entwickeln. Man gibt das Problem also weiter. Mit modernen Sprunggelenksprothesen besteht dieses Risiko nicht. Die künstlichen Gelenke der jüngsten Generation erlauben nicht nur eine normale Alltags- und Freizeitgestaltung, sondern auch „Low Impact"-Sportarten wie z.B. Radfahren, Wandern, Golf, Skifahren, Schwimmen und andere. Die Lebensqualität mit einer Sprunggelenksprothese ist definitiv höher als bei einer Versteifung."

Wie lange hält eine Sprunggelenksprothese?

Prof. Valderrabano: „In der Regel liegen die Standzeiten der künstlichen Sprunggelenke um ca. 20 Jahre. Wenn Probleme auftauchen, z.B. Lockerungen, ist eine Revision, ein Austausch zu einer neuen Prothese, jederzeit möglich. Dabei können sowohl einzelne Teile, als auch die gesamte Prothese ersetzt werden. Wenn die Prothese oder die Lebensumstände dafür sprechen, kann im Nachhinein auch eine Versteifung des Gelenks durchgeführt werden. Die umgekehrte Variante, nach einer Versteifung eine OSG-Prothese einzusetzen, ist zwar möglich, aber deutlich komplizierter und aufwändiger."

 


 

Quelle: Interview von Susanne Amrhein, Primo Medico

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