Gespräche mit einem Pferd...........


...es war am Morgen - es war 7 Uhr -
und hörte sie schon wiehern - bitte noch 5 Minuten !!!
Mein Indianerpferdchen, die Tonka, eine braun/weiße Schecke,
trommelte schon mit den Hufen an die Stalltür.
Ich riß das Fenster auf und schrie runter, daß ich sofort komme.
Das war ein Fehler, jetzt stimmte die dritte auch noch ein und die Pferdemusik war perfekt.
Es war Sommer und herrlich schön und die Pferde wollten einfach auf die Weide raus, aber vorher gab es noch im Eimer für jede eine Portion Kraftfutter, was sie alle liebten.
Im Schlafanzug die Treppe runter - in die Gummistiefel rein und hin zum Stall.
Ein allgemeines Schnauben begrüßte mich.
Zuerst erzählte ich Tonka, daß sie sich nicht so anstellen sollte, denn ich bin wirklich nicht zu spät.
Latoya schnaubte an der Zwischentür und ich schob mit aller Kraft die Tür auf und sie tänzelte vor mir rum. Ich ging zur Außentür in ihrem Stall und schmiß sie erstmal raus, mit einem Klatsch auf den Hintern. Sie stand dann beleidigt da und schaute in den Stall.
"Guck nicht so...du kriegst schon gleich deinen Eimer - ich weiß, es ist der rote.
Bei Vitesse war das anders, sie stand einfach ganz still in ihrem Stall, mit leicht gesenkten Kopf und die schob ich raus, obwohl sie als erste gewiehert hatte.
Altes Mädchen komm, es ist wunderschön draußen, ich stell dir gleich deinen Eimer hin.
Ich ging zurück und füllte die Eimer mir der jeweiligen Mischung auf. Roter Eimer Latoya, gelber Vitesse und der grüne gehörte Tonka. Und jeder Eimer hatte seinen bestimmten Platz.
Mit der Schubkarre noch Heu auf den gemeinsamen Freßplatz gekarrt,
überall Wasser nachgefüllt - die Pferdeäppel gesammelt und auf die Mistdeponie verladen und dann waren die Hühner dran.
Die tänzelten inzwischen auch am Zaun ihres Geheges rum - ich machte auf und schwuppdiwupp waren sie im Freigelände und freuten sich über die Körner, die es zum Frühstück gab.
Ich setzte mir einen Kaffee auf, ging duschen und zog mich an.
Kater Fielmann war mir auf der Spur - und quakte mich an.
Ja, Fielmännchen, ich mache doch schon Frühstück, nun warte doch.
Ich sah aus dem Küchenfenster, von dem aus, ich die Pferde sehen konnte und alles lief wie immer friedlich ab. Sie schnurbsten vor sich hin.
Ein Frühstück mit Fielmann ist ein Erlebnis - seine Nase immer kurz vor der Kaffeetasse oder dem Brot, doch ungefragt klaut er nicht.
Ich ging dann nochmal zum Stall, speziell zu Vitesse, denn dort hatte der Sandboden große Kuhlen und das gefiel mir nicht. Ich schaufelte und ebnete ein und Vitesse schaute mit dem Kopf zur Stalltür rein und ging auch nicht mit den anderen auf die Weide raus.
Irgendwas lief hier verkehrt - ich wußte es nicht.
Ich stülpte ihr das Halfter auf und lief mit ihr ein paaaar Runden über den Paddock, den Vorbereich zum Stall. Langsam kam sie in Schwung und trottete zur Weide hin. Ich sah sie grasen, die anderen auch und am späten Nachmittag war sie weg. Nirgendwo war sie zu sehen, ich raste in den ersten Stock, den besten Aussichtspunkt, und da sah ich sie im Grase liegen und mit den Beinen strampeln.
Sie kam nicht mehr auf.
Ich raste runter und erstmal zum Pferd, sie unternahm gerade einen Versuch um Aufzustehen - ich drückte mit, habe mich fast unter ihrer Schulter eingegraben, doch es gelang uns nicht.
Hier mußte Taktik her. Ich rannte zurück, zuerst das Telefon, dann einen Eimer Wasser und ein Tuch und den Sonnenschirm.
So kam ich wieder an und erzählte dem Pferd, daß sie ganz ruhig liegen bleiben sollte und Tante Moni macht sie jetzt erfrischend naß und zog das große, nasse Tuch über sie drüber und bohrte den Sonnenschirm ins Gelände rein. Ich holte den nächsten Eimer Wasser und setzte mich neben sie, streichelte ihre Ohren und ihren Hals und sie beruhigte sich. Und sprach ständig mit ihr.
Es gab mir das Gefühl, sie hörte zu und lag ganz ruhig da und kämpfte sich nicht ab.
Ich schaute auf die Uhr, meine Schwester war auf einer Tagung in Düsseldorf, aber jetzt könnte sie auf dem Heimweg sein.
Ja, sie war es - ich schilderte ihr das Problem und sie meinte in 30 Minuten zu Hause zu sein.
Und endlich, endlich kam sie an. Im Schlepptau noch eine Arbeitskollegin, was ein Glück und so kam auch wieder Schwung in Vitesse. Einer vorne, einer hinten zum Schieben und ich von der Seite an der Schulter. Den Sonnenschirm weggeschmissen, alles frei gemacht und mit Hauruck kam das Pferd wieder auf die Füße.
Vitesse stand da und schaute uns an, so als ob sie sagen wollte:
so ein Quatsch, Tante Moni hat mir so schöne Geschichten erzählt und ich konnte so gut geschlafen.
Wir waren allesamt kaputt.............

liebe wiehernde Grüße
das Moni-Finchen




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Kommentare (6)

Britt Gerade lese ich deine entzückende Geschichte als Pferdeflüsterin.
Es macht mich auch sozusagen glücklich, wenn ich von so netten Begebenheiten lesen darf und irgendwie erinnern mich deine Geschichten an früher, als man gerne Kinderbücher las, darin wärst du meine Heldin. Grüßend und dankend verbleibe ich - Britt
finchen Du hast ein Thema angesprochen, was bei mir schon lange in der Schublade liegt. Nur es kostet Geld, was ich mit meiner kleinen Rente nicht habe.
Und trotzdem verzage ich nicht und schreibe Euch im ST meine Geschichten und erfreue mich daran, wenn Kommentare kommen und ich bin den Kram meiner Erinnerungen endlich los. Und es macht Spaß die Leserzahlen zu sehen und vorallem die Kommentare und die beflügeln mich. Und jeder Kommentar ruft irgendwie einen neue Geschichte in mir auf und das könnte man bei einem Buch nicht erwarten. Denn auf den Pullitzer-Preis möchte ich nicht warten wollen.
Aber ein Danke für Dich und Deine Gedanken, ich habe es richtig genossen - oh..jetzt bin ich stolz, wie Nachbars Lumpi....nee, ohne Quatsch, es macht mich glücklich, wenn ich anderen Menschen Freude bereiten kann.
Ganz liebe Grüße der besonderen Art

ein Moni-Finchen





christl1953 Du erzählst so wunderbare geschichten von deinem Leben auf dem Pferdehof.
Es könnten das richtige wundervolle Geschichten sein,die für ein Buch wären.
Hast du dir noch nie überlegt,diese Geschichten gesammelt erscheinen zu lassen ?
Du hast auch das Schreiben gut in der Hand.Das möchte ich dir mal gesagt haben.berta
finchen na, das glaube ich. Es braucht Zeit, um sich an diese großen Tiere zu gewöhnen, mir ging es auch nicht anders. Doch ein Pferd sieht alles größer und streckst du dann noch die Arme hoch, dann zuckt es zurück.
Mit Vitesse haben wir noch viel negativen Spaß gehabt. Der Tierarzt wurde Dauergast. Mal ging es besser und plötzlich kippte sie förmlich um. Sie war alt - sehr viel älter, als Pferde eigentlich werden würden.
Ein Jahr später rief mich meine Schwester weinend an: Vitesse ist in ihrem Stall gestorben, einfach so und ist 37 Jahre alt geworden.
Ein biblisches Alter für ein Pferd und sie hat es gut gehabt.
Liebe Flüstergrüße
Dein Moni-Finchen
Traute Das ist doch wieder eine von den schönen Finchen-Geschichten, einfach
das Erlebte in ganz natürlicher Art zu erzählen.
Ein schöner Schwester- Vertretungs- Tag war das.
Mein Sohn und sein Kumpel haben mal bei meinem Bruder
Vertretung gemacht, 14 Tage.
Der Hatte Schwein und zwei Hafflinger, da sind die zwei
Stadtburschen zitternd im Stall herumgeschlichen mit dem Futter
und Wassereimer, bis sie sich ran trauten.
Aber sie reden heute noch davon und waren Stolz.
Mit freundlichen Grüßen,
Traute
sissismam ich liebe deine "schreibe"!
kann mir vorstellen, wie ihr geackert habt, das pferd wieder auf die beine zu bringen.
hoffentlich haben ihm deine geschichten nicht so gut gefallen, dass es das dann jeden tag gemacht hat (sich hingelegt und auf neue geschichten gewartet!)
wünsch dir einen schönen tag und
lg malene

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