Forum Politik und Gesellschaft Innenpolitik Beate Klarsfeld----ich muss lachen

Innenpolitik Beate Klarsfeld----ich muss lachen

ingo
ingo
Mitglied

Beate Klarsfeld----ich muss lachen
geschrieben von ingo
Beate und Serge Klarsfeld werden das Bundesverdienstkreuz bekommen. Was hat sich Deutschland (und auch ich) damals aufgeregt, als Frau Klarsfeld Kiesinger georfeigt hat? Das war aber meine/unsere damalige "Denke". Dass diese Verleihung für mich heute völlig okay sein könnte, hätte ich damals für unmöglich gehalten.
karl
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Administrator

Re: Beate Klarsfeld----ich muss lachen
geschrieben von karl
als Antwort auf ingo vom 13.05.2015, 20:14:25
@ Ingo,

Du sprichst für Deine damalige Denke. Ich fand schon damals, dass Beate Klarsfelt sehr mutig war und hielt die Ohrfeige für den Altnazi Kiesinger für angemessen. Dass Du das heute auch so siehst, spricht für Dich.

Karl
sittingbull
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Re: Beate Klarsfeld----ich muss lachen
geschrieben von sittingbull
als Antwort auf karl vom 13.05.2015, 22:43:37
... und hielt die Ohrfeige für den Altnazi Kiesinger für angemessen.
geschrieben von karl


dito .

sitting bull

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olga64
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Mitglied

Re: Beate Klarsfeld----ich muss lachen
geschrieben von olga64
als Antwort auf karl vom 13.05.2015, 22:43:37
Es war längst überfällig, an diese beiden das Bundesverdienstkreuz zu geben - hoffe, dass sie es auch annehmen werden - sie sind ja auch sicher altersmilder geworden. Olga
ingo
ingo
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Re: Beate Klarsfeld----ich muss lachen
geschrieben von ingo
als Antwort auf karl vom 13.05.2015, 22:43:37
Wer diese Ohrfeige damals für "angemessen" hielt, muss schon sehr weit links außen gestanden haben, wenn selbst Grass das abgelehnt hat. Wer das befürwortet hat, hat sich damals ja auch mit Ulbricht "gemein gemacht". Ich stehe rückblickend zu meiner damaligen Bewertung und hätte damals das Wissen von heute haben müssen, um es anders einordnen zu können. Insofern spricht für mich am ehesten meine Altersweisheit. Für "angemessen" halte ich die Ohrfeige allefalls im Hinblick darauf, dass Deutschland durch eine so spektakuläre aktion begonnen hat, auch über diesen Teil der deutschen Geschichte nachzudenken; wobei dieser Teil für mich abgeschlossen ist. Ich halte es deshalb auch für müßig, dass Menschen es sich zur Lebensaufgabe machen, die Leben von Hinrich Wilhelm Kopf (früherer niedersächsischer Ministerpräsident) und Karl Peters durchforsten und bei Helmuth Schmidt rumzustochern. Bei Kopf und Peters wurden in Hannover und anderwärts Straßen umbenannt. Alleine für dies Adressenänderungen mussten Menschen Geld bezahlen, die diese Leute nicht einmal kannten. Und mein Kindheits-Ort heißt in meiner Erinnerung immer noch "Kalle Pee"= gleich Karl-Peter-Platz.

Zu Kiesinger-Ohrfeige gab es ja auch eine Vorgeschichte. Hier ein Auszug aus Wiki zum Verständnis dieser Zeit(was man auch haben sollte):

""Klarsfeld rief Kiesinger am 2. April 1968 im Bonner Bundestag von der Besuchertribüne „Nazi, tritt zurück!“ zu und wurde abgeführt, aber alsbald freigelassen. Einer archivierten Gesprächsnotiz zufolge reiste sie Ende April 1968 nach Ost-Berlin, um dort mit dem Nationalrat, dem obersten Gremium der Nationalen Front, „über die Vorbereitung einiger Aktionen gegen Kiesinger zu beraten und entsprechende Unterstützung zu erhalten“. Am 9. Mai sollte in West-Berlin eine Protestveranstaltung der Außerparlamentarischen Opposition „über die Nazi-Vergangenheit Kiesingers stattfinden“. Eine Pressekonferenz war für den 10. Mai vorgesehen. Am 14. Mai wollte Klarsfeld in Paris ein „Kiesinger-Colloquium“ organisieren. Die West-Abteilung des SED-Zentralkomitees setzte umgehend den Vorsitzenden Walter Ulbricht über die Pläne Klarsfelds in Kenntnis. Daraufhin wurde der Nationalrat angewiesen, „Frau Klarsfeld jede sachdienliche Hilfe zu gewähren“. Sie wurde schließlich beim Druck einer Broschüre in einer Auflage von 30.000 Stück unterstützt, jedoch nicht wie von ihr gewünscht finanziell.[7][8] Auf der Veranstaltung am 9. Mai im Audimax der Technischen Universität Berlin führten Klarsfeld, Günter Grass, der Kiesinger 1966 in einem offenen Brief zum Rücktritt aufgefordert hatte, Johannes Agnoli, Ekkehart Krippendorff, Jacob Taubes und Michel Lang vom studentischen „Jüdischen Arbeitskreis für Politik“ vor 2000 bis 3000 Studierenden eine Podiumsdiskussion. Grass wurde vor Beginn seiner Rede zunächst aus dem Publikum ausgepfiffen. Klarsfeld, die Kiesinger als Hauptgefahr für Deutschland darstellte und die Nationaldemokratische Partei Deutschlands als rechten Flügel der CDU bezeichnete, versprach den Anwesenden, ihn öffentlich ohrfeigen zu wollen. Auch sie wurde für ihre Äußerungen von Vertretern des SDS und einem Teil des Publikums nicht ernst genommen und ausgelacht. Grass' These, ein Rücktritt Kiesingers sei Voraussetzung für eine effiziente Bekämpfung der NPD, widersprachen Agnoli und Krippendorff.[9] Die Versammlung nahm mit einer 3/4-Mehrheit eine Resolution an, die Kiesinger zum Rücktritt aufforderte.[10] Grass lehnte Klarsfelds Vorhaben einer Ohrfeige ab.[11]"""
silhouette
silhouette
Mitglied

Re: Beate Klarsfeld----ich muss lachen
geschrieben von silhouette
als Antwort auf ingo vom 16.05.2015, 10:10:04
Danke für die Details (mögen sie auch gelesen werden!)
Sie werden in mehreren anderen Quellen bestätigt.

Auch der andere Mythos, den sich B. Klarsfeld zugelegt hat, weist einige beträchtliche Unwahrheiten auf: Die Enttarnung und Verhaftung von Klaus Barbie ist nicht ihr Verdienst. Im Gegenteil, ihre Aktionen in Bolivien, um Barbie zu stellen, waren stümperhaft und z.T. kontraproduktiv. Sie sind eines Rififi-Films durchaus würdig:

Mehr Mythos als Wahrheit
Und das stand nicht nur in der Springer-Presse. Es war nur der erste, zu ergoogelnde Bericht darüber. Möge auch dieser Bericht hier gelesen werden!

Drittens: ich habe in diesem Forum schön öfter darauf hingewiesen, dass dem angeblichen Nazi Kiesinger viele Juden ihr Leben verdanken, weil er sie im Rahmen seiner Funktion im Auswärtigen Amt noch rechtzeitig über ihre bevorstehenden Abtransport informieren und die entsprechenden Formalitäten, die auch in seiner Kanzlei gegengezeichnet wurden, kurze Zeit in der Schublade zurückhalten konnte. Aus den USA sind damals jede Menge Proteste bzw. Dankbarkeitsbekundungen von Seiten der Betroffenen eingegangen, von denen man schon damals nichts wissen wollte. Denn man wollte ja um jeden Preis Nazis jagen und die Vergangenheit bewältigen.Darüber hat vor Urzeiten mal der Spiegel ausführlich berichtet.

Vielleicht hat Kiesinger auch unter der Namensähnlichkeit mit Filbinger (zumindest für Nicht-Baden-Württemberger) zu leiden gehabt, zu dem es unglücklicherweise auch Parallelen im politischen Leben nach dem Krieg gab.

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marianne
marianne
Mitglied

Re: Beate Klarsfeld----ich muss lachen
geschrieben von marianne
als Antwort auf silhouette vom 16.05.2015, 12:38:06
Kurt Georg Kiesinger (* 6. April 1904 in Ebingen, Württemberg; † 9. März 1988 in Tübingen....,

unser Landsmann....

Sil, ich muss das doch mal loswerden- ich erinnere mich ja.

Mein Vater (1896- 1963 ) sagte Ende der Vierziger: "Alle alten Tailfinger Nazis sind in der CDU....."

Marianne
silhouette
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Re: Beate Klarsfeld----ich muss lachen
geschrieben von silhouette
als Antwort auf marianne vom 16.05.2015, 14:53:42


Mein Vater (1896- 1963 ) sagte Ende der Vierziger: "Alle alten Tailfinger Nazis sind in der CDU....."

Marianne

Die alten Mannheimer anscheinend aber auch. Hat aber die SPD in den 60er Jahren nicht davon abgehalten, mit beiden auf Bundes- bzw. Landesebene mit ihnen Regierungskoalitionen unter deren Führung einzugehen...........
karl
karl
Administrator

Re: Beate Klarsfeld----ich muss lachen
geschrieben von karl
als Antwort auf ingo vom 16.05.2015, 10:10:04
Wer das befürwortet hat, hat sich damals ja auch mit Ulbricht "gemein gemacht". Ich stehe rückblickend zu meiner damaligen Bewertung und hätte damals das Wissen von heute haben müssen,
Ingo,

ich kann über Deine Unterstellungen nur staunen. Was habe ich je mit Ulbricht gemein gehabt? Im Gegensatz zu Dir war mir die Nazivergangenheit Kiesingers bekannt und zuwider.

Karl
dutchweepee
dutchweepee
Mitglied

Re: Beate Klarsfeld----ich muss lachen
geschrieben von dutchweepee
als Antwort auf karl vom 16.05.2015, 23:06:26
@karl Vielleicht war Ingo "damals" die NAZI-Vergangenheit Kiesingers egal, obwohl er davon gewusst hat?

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