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Innenpolitik Dieses Land braucht einen radikalen Umbau des Schulsystems

ehemaligesMitglied24
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Dieses Land braucht einen radikalen Umbau des Schulsystems
geschrieben von ehemaligesMitglied24
Die Schueler im Dauerstress, die Lerngruppen zu groß, die Lehrpläne überfrachtet, die Lehrer falsch ausgebildet: Das ganze Schulsystem selektiv wie kein anderes. Wenn das Wort Reform faellt, faehrt den Betroffenen der Schreck in die Glieder. Zurecht!
Am schlimmsten aber: Schuelerjahrgang auf Schuelerjahrgang wird die Freude am Lernen systematisch genommen. Das bulimische Fressen von Informationsmengen wird verkauft als "Fitmachen für die Zukunft". Horrender Blödsinn!
Die Schuelerinnen und Schueler brauchen dringend eine Lobby, die Hauptpersonen (Schuelerinnen und Schueler) muessen ins Zentrum gerueckt werden.
Anfang der Woche war ein ausgezeichneter Film zu dem Thema in 3sat zu sehen: alphabet - Angst oder Liebe. Daraus für den Anfang der Link.
Dooscastle
Elmos
Elmos
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Re: Dieses Land braucht einen radikalen Umbau des Schulsystems
geschrieben von Elmos
als Antwort auf ehemaligesMitglied24 vom 11.06.2016, 14:00:44
Hallo,

ergänzend dazu eine Buchempfehlung, die ich neulich schon mal gegeben habe:

Und ich war nie in der Schule

Liebe Grüße
Andrea
ehemaligesMitglied24
ehemaligesMitglied24
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Re: Dieses Land braucht einen radikalen Umbau des Schulsystems
geschrieben von ehemaligesMitglied24
als Antwort auf Elmos vom 11.06.2016, 14:28:09
Genau, der Autor kommt ebenfalls in dem angesprochenen Film vor.

Lieben Gruß

Dooscastle

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ehemaligesMitglied66
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Re: Dieses Land braucht einen radikalen Umbau des Schulsystems
geschrieben von ehemaligesMitglied66
Ich habe die Erfahrung mit 5 Enkeln, die von Grundchule bis Gymnasium, von städtischer Schule bis Montessori fast alles abdecken was es so im Schulwesen gibt.
Überfordert ist von denen keiner, sind alle gesund und munter und auch die Eltern klagen nicht über außerordentlichen Schusstress.
Am meisten beschäftigt scheint ausgerechnet der Montessorischüler zu sein.
Ab und zu fällt mal wegen lehrererkrankung oder Streik diese oder jenen Stunde aus.
Die Schüler finden das toll.
Allerdings sind alle diese Schüler im sächsischen Schulsystem angesiedelt, das neben dem Bayerischen wohl das Beste und Effektivste im Deutschland der vielen Länderschulsysteme (was völliger4 Quatsch ist) darstellt.
barbarakary
barbarakary
Mitglied

Re: Dieses Land braucht einen radikalen Umbau des Schulsystems
geschrieben von barbarakary
als Antwort auf ehemaligesMitglied66 vom 11.06.2016, 16:28:37
Großeltern bzw. Eltern von erfolgreichen Schülern werden wohl nicht so schnell was am System auszusetzen haben! Aber wie geht das System mit etwas schwerfälligeren Kindern um? Welche Chancen haben die Sekundarschüler - wie wird motiviert?

Dank meiner Enkel mit gutem Abitur kann ich am Schulsystem nichts aussetzen - von Bekannten weiß ich aber, dass es da auch von Gymnsium zu Gymnsium große Unterschiede gibt, wie motiviert ein Kind die Schule durchläuft.

Ich selbst habe Saarland und Baden-Württemberg erlebt samt Schulreformen, meine Kinder dann Rheinland-Pfalz - ist es Glückssache, wo man gerade wohnt, ob die Schullaufbahn erfolgreich ist?

LG barbarakary
Gerdd
Gerdd
Mitglied

Re: Dieses Land braucht einen radikalen Umbau des Schulsystems
geschrieben von Gerdd
Am schlimmsten aber: Schuelerjahrgang auf Schuelerjahrgang wird die Freude am Lernen systematisch genommen. Das bulimische Fressen von Informationsmengen wird verkauft als "Fitmachen für die Zukunft". Horrender Blödsinn!
geschrieben von dooscastle


Ich stimme Dir zu!
Zwei Beobachtungen am Rande:

Wenn Grundschüler nach 16 Uhr durch die Stadt nachhause gehen, ziehen sie inzwischen einen "Bücherkarren" hinter sich her.
Einesteils vernünftig, wenn man die anderen tief gebeugten Grundschüler sieht, die unter der Last ihrer Schulbücher auf dem Rücken sich dahinschleppen.
(Ich frage: Was soll das? Sind denn Lehrer und Eltern blind oder gedankenlos?)

Die Schule meines Bruders wurde komplett auf Computer getrimmt!
Keine Tafel, keine Landkarten, keine Hefte, kein Papier mehr - Hausaufgaben werden auf Stick abgegeben usw usw usw....
(Ich frage: Kennt niemand - Lehrer und Eltern - mehr z.B. die Weisheit "Lernen durch Bewegung, Handeln, Haptik, Vormachen-Nachmachen" usw usw usw....?)

JA, das ist bulimisches Fressen von Informationsmengen!
Aber man wird ja belohnt für dieses Fressen, wie man in den diversen "Wissens-TV-Sendungen" beobachten kann.

Gerdd

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ehemaligesMitglied24
ehemaligesMitglied24
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Re: Dieses Land braucht einen radikalen Umbau des Schulsystems
geschrieben von ehemaligesMitglied24
als Antwort auf ehemaligesMitglied66 vom 11.06.2016, 16:28:37
Lieber Ron,
das föderalistische Schulwesen ist als faktische Kleinstaaterei abzulehnen, das gebe ich dir recht.
Allerdings machen doch zwei Dinge in deinem Text nachdenklich:
Ich rede (cum grano salis) vom deutschen Schulsystem; vielleicht besser: von dessen Grundannahmen. Und da ist schon die Frage erlaubt, was ein "effektiver" Unterricht ist. Wer kann in vorgegebener Zeit die meisten Vokabeln vermitteln? Wie interpretiert man ein Liebesgedicht "effektiv"?
Wie macht man Effektivität in Philosophie und Geschichte sichtbar? Hilft sie da überhaupt? Du siehst, es gibt Fragen.
Dann die "beste" Schule:? Nimm nur den Unterschied G9 und G8 (Abitur nach 8 Jahren Gymnasium oder nach 9). Dort, wo die Eltern wählen können, gibt es einen Run auf G9, egal, ob Niedersachsen, Baden-Württemberg oder Bayern.
Im übrigen Glückwunsch zu den gelungenen Enkeln, verbunden mit der Hoffnung, dass der Prüfungsstress sie nicht doch noch einholt.

Alles Gute!

Dooscastle
Femmefatale †
Femmefatale †
Mitglied

Re: Dieses Land braucht einen radikalen Umbau des Schulsystems
geschrieben von Femmefatale †
Ich oute mich mal als..........pensionierte Lehrerin an einer Hauptschule, später erweiterte Realschule genannt.

Mir war schon immer ein Rätsel, wie aus begeisterten Erstklässlern muffige Fünftklässler werden können.

Meiner Ansicht nach lebt und stirbt der Unterricht an den entsprechenden Lehrpersonen. Lehrplan hin, Computer her, es kommt drauf an, wie eine Lehrperson was rüber bringt,wie sie den Schülern klar macht, dass sie mit ihnen gemeinsam das Ziel "Abschluss" erreichen will. Dazu gehört, was die Lehrpläne angeht, auch mal der Mut zur Lücke. Nicht alles, was da drin steht, muss und kann umgesetzt werden.
Gute Lehrer entwickeln viel Phantasie, wie sie ihren Schülern was beibringen können.Gute Lehrer lassen auch mal 5 gerade sein, setzen aber dennoch Grenzen.
Es muss/darf auch gelacht werden, auch über den Lehrer selbst.
Es liegt nicht am System, glaubt mir.
Wenn ich mich natürlich vor eine Klasse stelle mit der Meinung, ich werfe eh nur Perlen vor die Säue, dann wird das nix.
Wenn unsre Schüler nichts können, eins können sie:
Sie merken sofort, ob eine Lehrperson ihnen gut will oder ob sie nur ihren Job macht.

Liebe Grüße von ff, die wirklich unheimlich gerne unterrichtet hat und heute noch viele Kontakte zu ihren ehemaligen Schülern hat
ehemaligesMitglied66
ehemaligesMitglied66
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Re: Dieses Land braucht einen radikalen Umbau des Schulsystems
geschrieben von ehemaligesMitglied66
als Antwort auf ehemaligesMitglied24 vom 11.06.2016, 17:16:27
Ich kann nur aus meiner Erfahrung als Schüler sprechen.
Was mir aber aufgefallen ist:
Wir hatten gute und weniger gute Lehrer, die später für Staatsbürgerkunde waren die am wenigsten Beliebten.
Allerdings hat uns kein Lehrer die Freude an der Schule genommen, Schule war muß, da ging man hin, Abschluß war muß, den machte man.
Wer nicht mitkam oder mitwollte holte die Klasse nach oder kam nicht auf die Oberschule.
Der war aber immer selbst schuld, da nicht genügend angestrengt.
Heute ist anscheinend immer der Lehrer Schuld oder die Schule, wenn die Kindlein nicht wollen oder nicht können oder einfach nur faul sind.
Wir waren alles "Kriegskinder", einige andere und ich "sogenannte Umsiedler", die schwere Zeiten hinter sich und Hungern noch partiell bei sich hatten.
Allerdings hatte keiner von uns psychische Probleme, Schulpsychologen und Psychiater wurden nicht gebraucht und wie ich bei Klassentreffen mitbekam ist aus allen Mitschülern was ordentliches geworden.
Krankheiten haben sie heute alle, aber an Überforderungsstreß oder Psychosen, wie heute an den Schulen zu finden, kann sich keiner erinnern.
Schule ist ein Lebensabschnitt, den jeder durchlaufen muß und hinter sich bringen sollte so gut er kann.
Was heute für die Schüler getan wird, daran war bei mir nicht zu denken, aber der "BOHEI" der heute um die "armen Kinder an der bösen Schule" gemacht wird, den find ich total übertrieben.
Elmos
Elmos
Mitglied

Re: Dieses Land braucht einen radikalen Umbau des Schulsystems
geschrieben von Elmos
als Antwort auf Femmefatale † vom 11.06.2016, 17:22:26
Hallo,

ich oute mich jetzt mal als Mutter zweier Kinder, die ihre Sprösslinge in eine freie Alternativschule geschickt hat.

Und natürlich ist es auch dort so, dass die engagiertesten Lehrer die "besten Erfolge" haben.

Aber ich stelle es mir schon so vor, dass ein Lehrer, der in einem Team mit Kollegen arbeitet, denen eben dieses Engagement, und die Zusammenarbeit mit den Schülern an höchster Stelle steht, in seinem Verhalten unterstützt und bestärkt wird.

Für die Schüler ist es mit Sicherheit optimaler ohne Notendruck und mit Spass am Lernen durch ihre ersten Jahre zu kommen. Leider endete diese Schule in unserem Ort hier mit der 10ten Klasse, so dass meine Kinder anschliessend das Abi auf einer Regelschule machen mussten. Für beide war wenigstens das erste Jahr von etlichen Fassungslosigkeiten geprägt - Fassungslos vor allem auch davon wie uninteressiert viele ihrer Mitschüler waren und wie viel wichtiger der Schein als das Sein dann plötzlich war.

Meine Tochter hat das noch relativ gut weggesteckt, mein Sohn meinte mal, das schönste an den letzten drei Jahren Schule seien seine Pausebrote gewesen und hier die herrlichen Orangen in der Winterzeit. Das hat mich unglaublich traurig gemacht.

Liebe Grüße
Andrea

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