Internationale Politik Die Welt ist aus den Fugen

luchs35
luchs35
Mitglied

Re: Die Welt ist aus den Fugen
geschrieben von luchs35
als Antwort auf karl vom 25.08.2014, 16:55:01
Der Historiker Carl von Clausewitz sagte einmal :“ Kriege sind nur die Fortsetzung der Politik, nur mit andern Mitteln!“

Leider verstehen die Politiker einfach nicht, dass in einer globalisierten Welt Kriege "nur Flucht aus der Politik" bedeuten.
In den 70er Jahren gab es einmal internationale Ansätze zu einer „Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa“.
Was ist daraus geworden?
Es gibt praktisch nur noch Auseinandersetzungen mit Androhung militärischer Interventionen oder Sanktionen.
Was heute in dem „Spiel" der internationalen Politik abläuft, erinnert mich an Gelesenes über den Ausbruch des 1. Weltkrieges, wo die beteiligten Staaten quasi eng umschlungen und keines politischen Dialoges mehr mächtig hineingetaumelt sind.

Luchs
olga64
olga64
Mitglied

Re: Die Welt ist aus den Fugen
geschrieben von olga64
als Antwort auf luchs35 vom 25.08.2014, 17:53:31
Ich finde es beruhigend, dass in unserer globalisierten WElt eine starke ökonomische Vernetzung manifestiert ist und diese - hoffentlich - verhindert, dass es zu einem letzten Atomkrieg kommen wird.
Ich bin auch beruhigt darüber ,dass in dieser unsäglichen Ukraine-Krise unsere sachliche Kanzlerin die Gesprächspartnerin von Putin ist ,den sie lange kennt und sicher auch gut einschätzen kann.
Ich möchte es mir nicht vorstellen, das der frühere Kanzler Gerd Schröder hier verantwortlich zeichnen müsste und mit seinem Freund, dem lupenreinen Demokraten solche Gespräche führen müsste. Olga
luchs35
luchs35
Mitglied

Re: Die Welt ist aus den Fugen
geschrieben von luchs35
als Antwort auf Bruny vom 25.08.2014, 16:12:36
Dass Russland mit ins Boot genommen wird, Bruny, ist schon lange meine Meinung, denn es ist nun mal ein verdammt grosses Stück Europa, das der Westen eines Tages noch dringend brauchen wird- und Russland auch den Westen, denn mit den Asiaten wird Putin nicht glücklich, obwohl -oder gerade weil-ein grosser Teil des Landes asiatisch ist.

Für die aktuelle Situation hoffe ich nur, dass der "russische Bär" in der westlichen EU-Überlegenheitsfantasie nicht zu sehr gereizt wird.

Luchs

Anzeige

Bruny
Bruny
Mitglied

Re: Die Welt ist aus den Fugen
geschrieben von Bruny
als Antwort auf luchs35 vom 25.08.2014, 19:57:12
Er ist ja ein hoch intelligenter Mensch und ich glaube, er hat seine äußerliche Emotionen soweit im Griff, das er sich nicht reizen lassen wird. Das hoffe ich zumindest. Noch hat er die Fäden in der Hand.
Innerlich wird er kochen, aber kochendes kühlt auch meistens wieder ab .

Gruss,
Bruny
Re: Die Welt ist aus den Fugen
geschrieben von marina
als Antwort auf luchs35 vom 25.08.2014, 19:57:12

Für die aktuelle Situation hoffe ich nur, dass der "russische Bär" in der westlichen EU-Überlegenheitsfantasie nicht zu sehr gereizt wird.
Luchs

Na, dann lasst ihn mal schön machen. Die Krim erobern, die Ukraine gleich dazu, Hauptsache, er wird nicht gereizt.
Empfehlen würde ich euch mal den Artikel von der russischen Schriftstellerin Ljudmila Jewgenjewna Ulizkaja, den sie im Spiegel letzte Woche veröffentlich hat.
…Ich lebe in Russland. Ich bin eine russische Schriftstellerin jüdischer Herkunft und christlicher Prägung. Mein Land hat gegenwärtig der Kultur, den Werten des Humanismus, der Freiheit der Persönlichkeit und der Idee der Menschenrechte, einer Frucht der gesamten Entwicklung der Zivilisation, den Krieg erklärt. Mein Land krankt an aggressiver Unbildung, Nationalismus und imperialer Großmannssucht.

Ich schäme mich für mein ungebildetes und aggressives Parlament, für meine aggressive und inkompetente Regierung, für die Staatsmänner an der Spitze, Möchtergern-Supermänner und Anhänger von Gewalt und Arglist, ich schäme mich für uns alle, für unser Volk, das seine moralische Orientierung verloren hat.
Die Kultur hat in Russland eine schwere Niederlage erlitten, und wir Kulturschaffenden können die selbstmörderische Politik unseres Staates nicht ändern. Die intellektuelle Gemeinschaft unseres Landes ist heute gespalten: Wie zu Beginn des Jahrhunderts äußert sich erneut nur eine Minderheit gegen den Mein Land bringt die Welt mit jedem Tag einem neuen Krieg näher, unser Militarismus hat bereits in Tschetschenien und Georgien die Krallen gewetzt, und nun trainiert er auf der Krim und in der Ukraine.
Leb wohl, Europa, ich fürchte, wir werden nie zur europäischen Völkerfamilie gehören. Unsere große Kultur, unser Tolstoi und unser Tschechow, unser Tschaikowski und unser Schostakowitsch, unsere Maler, Schauspieler, Philosophen und Wissenschaftler konnten die Politik der religiösen Fanatiker und der kommunistischen Ideen in der Vergangenheit ebenso wenig verhindern wie die der machtbesessenen Wahnsinnigen heute.

300 Jahre lang haben wir uns an denselben Quellen genährt – es waren auch unser Bach und unser Dante, unser Beethoven und unser Shakespeare – und nie die Hoffnung aufgegeben. Heute können wir russischen Kulturschaffenden, der kleine Teil von ihnen, zu dem ich gehöre, nur noch eines sagen: Leb wohl, Europa!
geschrieben von Ljudmila Ulitzkaj
.

Das sind die Sorgen einer russischen Intellektuellen, die keinesfalls bereit ist, die Großmanssucht ihres Zars gutzuheißen.
Und damit ist sie nicht allein! Diesen Leuten fallen wir in den Rücken mit unserem übergroßen Putin-Verständnis.
Mich hat der Text sehr beeindruckt.
wandersmann_1
wandersmann_1
Mitglied

Re: Die Welt ist aus den Fugen
geschrieben von wandersmann_1
als Antwort auf marina vom 25.08.2014, 22:37:41
Mich hat der Text sehr beeindruckt.


Mich auch.
Nur befürchte ich, dass sie manches doch etwas eindimensional sieht.

Leb wohl, Europa, ich fürchte, wir werden nie zur europäischen Völkerfamilie gehören. Unsere große Kultur, unser Tolstoi und unser Tschechow, unser Tschaikowski und unser Schostakowitsch, unsere Maler, Schauspieler, Philosophen und Wissenschaftler konnten die Politik der religiösen Fanatiker und der kommunistischen Ideen in der Vergangenheit ebenso wenig verhindern wie die der machtbesessenen Wahnsinnigen heute.
geschrieben von Ludmilla Ulizkaja


Ich bin mir auch nicht sicher, ob es nun ausgerechnet die Aufgabe von Künstlern ist, bestimmte Systeme zu verhindern. Wie steht es neben den hier bereits Erwähnten, wie steht es um Puschkin, um Dostojewski? Oistrach und Repin?

Anzeige

Re: Die Welt ist aus den Fugen
geschrieben von marina
als Antwort auf wandersmann_1 vom 25.08.2014, 22:59:07
Es ist vielleicht oder sicher nicht die Aufgabe von Künstlern, bestimmte Systeme zu verhindern, sie sind keine Politiker. Aber es ist die Aufgabe von Künstlern, den Finger in die Wunde zu legen und ihre Sorgen zu artikulieren. Oft sind sie klüger und weitsichtiger als die Funktionäre, die die Poltik machen.

Eindimensional ist etwas anderes. Eindimensional ist die Diskussion in einem Forum, wo westliche Medien als verlogen hingestellt und Ria Novosti und andere russische Erzeugnisse aus einem Staat ohne Pressefreiheit als Urquell aller Wahrheit herhalten müssen.
Das ist eindimensional!
wolfgang
wolfgang
Mitglied

Re: Die Welt ist aus den Fugen
geschrieben von wolfgang
als Antwort auf marina vom 26.08.2014, 08:48:13
tatsächlich glaube ich nicht den lügen der westlichen propagandakompanien verbreitet vom staatsfunk und von der staatsnahen jounaille.
---
w.
luchs35
luchs35
Mitglied

Re: Die Welt ist aus den Fugen
geschrieben von luchs35
als Antwort auf marina vom 25.08.2014, 22:37:41
Marina, wenn Du meinen Eingangsthread gelesen hast, solltest Du bemerkt haben, dass bei meinen Worten etwas anders ausgesagt wird als "Putin-Verständnis".

(Und nebenbei: Der Russische Bär ist eine nationale Personifikation Russlands, die in Westeuropa, vor allem in Großbritannien verwendet wurde und wird. Meist wird dabei auf die (geografische) Größe Russlands angespielt. Seit dem 20. Jahrhundert wird das Symbol auch von den Russen selbst verwendet.)

Luchs
hinterwaeldler
hinterwaeldler
Mitglied

Re: Die Welt ist aus den Fugen
geschrieben von hinterwaeldler
als Antwort auf luchs35 vom 26.08.2014, 09:11:35
Seit dem 20. Jahrhundert wird das Symbol auch von den Russen selbst verwendet.

Ursprünglich war es ein Ausdruck, den Napoleon Bonaparte geprägt hat.

In der russischen Märchen- und Sagenwelt spielt der Bär eine große Bedeutung und ist Ausdruck für Güte und unendliche Geduld. Anderseits sind Russen eine sehr reale Erscheinung und ihr sagenhaftes Gemüt kann sich auch mal ins Gegenteil umschlagen. Dann wehe dem Angreifer. Ich möchte nicht zu ihnen gehören.

Anzeige