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Literatur Weihnachten für Proletenkinder

loretta †
loretta †
Mitglied

Re: Weihnachten für Proletenkinder
geschrieben von loretta †
als Antwort auf pilli † vom 30.11.2010, 09:41:13
Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern

Ein kleines Mädchen sitzt am Silvesterabend auf der Straße, um seine Schwefelhölzchen zu verkaufen. Es ist dürftig gekleidet und friert; die mit ihren Feiertagsbesorgungen beschäftigten Bürger übersehen das Kind und seine Bettelwaren. Ohne etwas verdient zu haben, wagt sich das Mädchen jedoch nicht nach Hause und harrt frierend zwischen zwei Stadthäusern aus.

Verzweifelt vor Kälte zündet das Mädchen eines der Streichhölzchen an, obwohl ihr dies streng verboten ist. Im Lichtschein des Hölzchens fühlt sie sich, als würde sie an einem warmen Ofen sitzen, doch dies hält nur an, bis das Streichholz verlischt. Nach und nach zündet das Mädchen auch die weiteren Streichhölzer an und gleitet so in immer reichhaltigere Träume. Schließlich begegnet es seiner Großmutter und bittet diese, es in den Himmel mitzunehmen. Die Großmutter nimmt das Mädchen zu sich. In der Erzählung wird deutlich, dass das anfänglich in dieser Welt lebende und leidende Mädchen nicht wunderbar verwandelt wurde: die märchenhafte Auflösung besteht lediglich aus einem sanften Erfrierungstod.

*********

Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern (dänisch: Den lille Pige med Svovlstikkerne) zählt zu den bekanntesten Märchen von Hans Christian Andersen. Er hat es im Jahre 1845 während eines neuntägigen Aufenthalts auf dem Schloss Gravenstein an der Flensburger Förde geschrieben. Es ist die tragische Geschichte eines kleinen Mädchens, das frierend auf der Straße Schwefelhölzchen verkauft und dabei in den Tod gleitet.


Auch dieses Märchen passt bei zunehmender Kinderarmut wieder in unsere Zeit.
Gruß loretta

clara
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Mitglied

Re: Weihnachten für Proletenkinder
geschrieben von clara
als Antwort auf hugo vom 29.11.2010, 16:26:45
Was haltet Ihr davon Hilfe f Weihnachten

ist das nun ein Armutszeugnis, eine Betrugsmasche, eine sehr positive christliche Angelegenheit oder ein Mischmasch ??

hugo
geschrieben von hugo

Hugo, ich bin die Seite mal etwas durchgegangen. Direkt christlich würde ich nicht sagen, abgesehen davon, dass die Aktion halt an Weihnachten statt findet. So wie es auch bei unserer, von der Zeitung lancierten ist. Jeder ist angesprochen. Dabei werden, genau wie im Link, die Verhältnisse geprüft, so dass kein Schindluder betrieben werden kann.
Jedenfalls existiert ein ordentliches Impressum und die Ziele finde ich gut. Anonymität ist ja auch gewährleistet.
Trotzdem würde ich diese Art der Hilfe nicht nutzen!

Clara
myrja
myrja
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Re: Weihnachten für Proletenkinder
geschrieben von myrja
Großstadt-Weihnachten
v. Kurt Tucholsky

Nun senkt sich wieder auf die heim'schen Fluren
Die Weihnacht! Die Weihnacht!
Was die Mamas bepackt nach Hause fuhren,
wir kriegens jetzo freundlich dargebracht.

Der Asphalt klitscht. Kann Emil das gebrauchen?
Die Braut kramt schämig in dem Portemonaie.
Sie schenkt ihm, teils zum Schmuck und teils zum Rauchen,
den Aschenbecher aus Emalch glase.

Das Christkind kommt! Wir jungen Leute lauschen
auf einen stillen heiligen Grammophon.
Das Christkind kommt und ist bereit zu tauschen
den Schlips, die Puppe und das Lexikon.

Und sitzt der wackre Bürger bei den Seinen,
voll Karpfen, still im Stuhl, um halber zehn,
dann ist er mit sich selbst zufrieden und im reinen,
"Ach ja, son Christfest ist doch ooch janz scheen!"

Und frohgelaunt spricht er vom "Weihnachtswetter",
mag es nun regnen oder mag es schnein.
Jovial und schmauchend liest er seine Morgenblätter,
die trächtig sind von süßen Plaudereien.

So trifft denn nur auf eitel Glück hienieden
in dieser Residenz Christkindleins Flug?
Mein Gott, sie mimen eben Weihnachtsfrieden -
"Wir spielen alle. Wer es weiß ist klug."

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hugo
hugo
Mitglied

Re: Weihnachten für Proletenkinder
geschrieben von hugo
als Antwort auf clara vom 30.11.2010, 13:25:35
danke clara

da kann man sich nur über jede gelungene Aktion freuen wenn mal kein Schindluder betrieben wurde..

aber bezogen auf das Thema Proletenkinder - besser Reichtumsopfer,,hatte ich gerade heute eine schlimme Begegnung,,

nachher haben wir uns angeguckt und Einer sagte: wenn ich 1990 hätte wetten müssen wie in meinem Ort die ärmsten Weihnachten feiern werden,,ich hätte jede Wett verloren..

das es so furchtbar schlimm kommen könnte hab nicht mal ich -und ich war bestimmt nicht der größte Optimist bezüglich dessen, was uns alle erwartet in der reichen BRD- vorhergesehen.

heute packen hier die Menschen in Kleinstädten Pakete für bedürftige Familien mit,,ihr werdet es nicht glauben, mit Lebensmitteln für den Gabentisch und nicht etwa für Haiti ,,,nein, für die eigenen Mitbürger..

solln wir uns nun freuen ob der gewaltigen Hilfsbereitschaft oder doch lieber schämen wegen der Ursachen und Hintergründe ?

oder passt ein solcher Gedanke nicht in unser BIld von der fröhlichen Weihnacht ??

hugo
myrja
myrja
Mitglied

Re: Weihnachten für Proletenkinder
geschrieben von myrja
als Antwort auf hugo vom 05.12.2010, 17:25:57

.....
heute packen hier die Menschen in Kleinstädten Pakete für bedürftige Familien mit,,ihr werdet es nicht glauben, mit Lebensmitteln für den Gabentisch und nicht etwa für Haiti ,,,nein, für die eigenen Mitbürger..

solln wir uns nun freuen ob der gewaltigen Hilfsbereitschaft oder doch lieber schämen wegen der Ursachen und Hintergründe ?

oder passt ein solcher Gedanke nicht in unser BIld von der fröhlichen Weihnacht ??

hugo
geschrieben von hugo


Hervorhebung von mir.

Ja Hugo,

es ist traurig, was manche Menschen für Verdrängungskünstler sind. Sie wollen die Armut nicht sehen, die uns doch täglich begegnet, wenn man mit offenen Augen durch das Leben geht.

Letztes Jahr haben wir in unserem Stadtteil über die Presse Kinderspielsachen gesammelt, sie hübsch verpackt und an einem Adventssonntagnachmittag kostenlos an Eltern abgegeben, die nicht in der Lage waren, ihren Kinder zu Weihnachten Geschenke zu machen. Du hättest die Freude in den Augen der Eltern sehen sollen, dass sie nun doch auch mit ihren Kindern eine Bescherung an Heilig Abend haben werden. Wir hatten ca. 400 Geschenkpäckchen, vom Kinderbuch übers Kuscheltier bis hin zum Puppenhaus. Wir wurden alles los. Aber wir bemerkten auch die Scham. Es ist nicht leicht zuzugeben, dass man mit sehr wenig Geld auskommen muss.

Ein tolles Beisspiel ist für mich auch der Sänger Frank Zander, der jedes Jahr in Berlin in einem Hotel ein Weihnachtsessen für ca. 2.700 Obdachlose organisiert.

Ich brauche keine bunt blinkenden Fenster, keine Glitzerbildchen und Ähnliches um in "Weihnachtsstimmung" zu kommen. Ich freue mich, dass ich weder hungern noch frieren muss und ein paar schöne Tage mit meinen Kindern verbringen kann, ohne Schenkstress in den Wochen davor.

Myrja

hugo
hugo
Mitglied

Re: Weihnachten für Proletenkinder
geschrieben von hugo
als Antwort auf myrja vom 05.12.2010, 19:03:03
Wir hatten ca. 400 Geschenkpäckchen, vom Kinderbuch übers Kuscheltier bis hin zum Puppenhaus. Wir wurden alles los. Aber wir bemerkten auch die Scham. Es ist nicht leicht zuzugeben, dass man mit sehr wenig Geld auskommen muss. (myria)

hm myria, wenn ich sowas lese (und meine Tageszeitung ist gerade jetzt alltäglich angefüllt mit solchen und ähnlichen Beiträgen)
dann schwanke ich zwischen Dankbarkeit ob dieser Hilfsbereitschaft einerseits und Trauer und Wut darüber das sowas bei uns inmitten Europas im Jahre 2010 noch, oder besser wieder, nötig ist.

Die Bekanntschaft mit zwei -hm soll ich Bettler schreiben oder was- Männern mit denen ich ins Gespräch kam wühlt noch in mir.

Die schämten sich nicht -nicht mehr, so wie sie selber meinten- dafür, das sie mit dem was sie als Stütze bekommen nicht auskommen.
Deren Probleme waren ganz anderer Art als ich mir gerade vorstellte.
Deren Weihnachtswunsch war nicht ein Fresspaket sondern der Wunsch das wir (bei uns in der Gegend ist das üblich) unsere Mülltonnen nicht Tag und Nacht verschließen.


Wenigstens ein Stunde am Tage hätten sie gerne mal den Schlüssel um sich mit den Dingen zu versorgen welche sie darin noch für begehrenswert halten.

Unser Wohlstand aber besonders unser Geiz bringen uns dazu die Tonnen abzuschließen damit nicht der noch geizigere Nachbar seinen Müll billig in unsere packt, (an Bettler haben wir dabei gar nicht gedacht -in Alaska macht man das wegen der Eisbären-)

Woanders wird wegen der Ratten und Waschbären, Krähen und Möwen dichtgemacht,,aber sind wir Ratten frug mich der Eine ?? können wir nicht anders behandelt werden ?

übrigens gibts bei uns auch keine frei zugänglichen Müllkippen/Müllberge mehr und der Müll wurde vorher sortiert gepresst und für Sammler unerreichbar und nutzlos gemacht,,(nicht das ich das möchte, aber,,)

Die beiden kannten sich aus und erzählten das es Firmen und Kneipen und anderes gibt die geben 5000 € für eine kühlbare Mülltonne aus, weil es nach deutschem Gesetz wohl in bestimmten Fällen verboten ist, Lebensmittelabfälle über 5° C zu lagern.

ich wollte es nicht glauben und hab gegoogelt und tatsächlich, es gibt solche Vorschriften und diese sauteuren Kühlboxen.


Durchdachte Ausstattung für optimale Nutzbarkeit
Abschließbare Türen und Luken, durchgehende Griffprofile und wechselbare Magnetdichtungsrahmen sorgen für ideale Handhabung des Konfiskatkühlers, Perfekte Verarbeitung für höchste Hygieneansprüche, Automatische Abtauung
austenitischem Edelstahl,,
Automatische Abtauung
von Gesundheitsverordnung ist da die Rede von Abfallverordnung und EU-Recht usw massenhaft Paragraphen und Absätze

ich bin noch ganz geschafft,,ok von Bettlern, Müllsammlern (manchmal heißen die auch Mülldiebe) ist da nicht die Rede und von Weihnachten schon mal gar nicht *g*

In Wien sah ich mal Plakate im Schaufenster: bitte geben sie den Bettlern keine Almosen -oder so ähnlich,,

damit sie sich vermutlich nicht vermehren wie die Ratten oder in die Aussenbezirke abwandern oder oder,,??

ich hatte das schon längst vergessen, aber heute erinnerte ich mich daran,,man verdrängt eben vieles im Leben immer wieder ,,

nee ich werd mal schnell hier abbrechen, ich merk schon, ich könnte ausschweifend wütend werden,,

ps hoffentlich muss ich mir jetzt nicht wieder eine Litanei über Mielke die Stasi und die Mauer anhören
hugo


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hinterwaeldler
hinterwaeldler
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Re: Weihnachten für Proletenkinder
geschrieben von hinterwaeldler
als Antwort auf hugo vom 05.12.2010, 19:42:05
Das ist die Realität im Deutschland: http://www.google.de/search?q=Spielzeugbasar&AWO Sucht euch selbst raus was ihr braucht.
myrja
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Re: Weihnachten für Proletenkinder
geschrieben von myrja
als Antwort auf hinterwaeldler vom 05.12.2010, 19:50:31
Hallo Hinterwäldler,

ich persönlich brauche nichts. Bin Gott sei Dank in der Lage die Geschenke für meine beiden Enkelkinder bezahlen zu können. Für viele menschen ist das leider nicht mehr möglich.

Spielzeugbazare gibt es wie Sand am Meer. Aber das Spielzeug dort gibt es nicht umsonst. Auf Bazaren wird nichts verschenkt. Da muss alles, was man haben möchte, auch bezahlt werden. Bei unserer Aktion gab es das Spielzeug umsonst. Das ist doch ein großer Unterschied.

Myrja
myrja
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Re: Weihnachten für Proletenkinder
geschrieben von myrja
als Antwort auf hugo vom 05.12.2010, 19:42:05
Tja Hugo,

unsere Welt ist kalt geworden, nicht an Temperatur, sondern auch an Mitgefühl im eigenen Land mit den Armen.

Mich packt auch oft die nackte Wut!

Myrja
clara
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Re: Weihnachten für Proletenkinder
geschrieben von clara
als Antwort auf hugo vom 05.12.2010, 17:25:57
das es so furchtbar schlimm kommen könnte hab nicht mal ich -und ich war bestimmt nicht der größte Optimist bezüglich dessen, was uns alle erwartet in der reichen BRD- vorhergesehen. (Hugo)

Solche Gedanken gehen mir natürlich auch öfter durch den Kopf, nicht nur an Weihnachten.

In den neuen Bundesländern gibt es besonders viele bedürftige Menschen, wenn ich z.B. an die hohe Arbeitslosenzahl in Mecklenburg-Vorpommern denke. In der DDR wurde ja viel Westfernsehen geschaut, und die Leute hatten die glitzernden Fernsehbilder vor Augen, die tollen Autos auf ebenso tollen Straßen, die modisch gekleideten Menschen, die schmucken Einfamilienhäuser oder verlockenden Auslagen in den Schaufenstern. Für Viele war es das Schlaraffenland, in das sie unbedingt wollten, dabei aber übersahen, dass es das Schlaraffenland nur im Märchen gibt! Dann war alles anders, und man spricht von den Verlierern der Wiedervereinigung.

Armut gab und gibt es schon immer und überall, auch in als reich bezeichneten Ländern.

heute packen hier die Menschen in Kleinstädten Pakete für bedürftige Familien mit,,ihr werdet es nicht glauben, mit Lebensmitteln für den Gabentisch und nicht etwa für Haiti ,,,nein, für die eigenen Mitbürger..
solln wir uns nun freuen ob der gewaltigen Hilfsbereitschaft oder doch lieber schämen wegen der Ursachen und Hintergründe ?


Beides, meine ich. Zuerst muss die augenblickliche Not gelindert werden, ganz so wie bei der Katastrophenhilfe, wo Hilfe auch nicht daran scheitern darf, dass Pakistan ein islamisches Land ist.
Dann aber muss versucht werden, die Ursachen zu beseitigen, ganz klar. In einer Demokratie gibt es nun mal unterschiedliche Auffassungen der Parteien, eine oft hinderliche Bürokratie und natürlich die Interessen von Wirtschaft und Lobbyisten. Dies alles unter einen Hut zu bringen und dann noch die globalen Verflechtungen zu berücksichtigen...??

Der Versuch, eine gerechtere Welt zu schaffen, wurde gemacht, und er ist gescheitert. Weil auch im sozialistischen System Einige gleicher sein wollen, als Andere.

oder passt ein solcher Gedanke nicht in unser BIld von der fröhlichen Weihnacht ??

Doch, ich finde, er passt gerade zu Weihnachten. Leider ist inzwischen in Vergessenheit geraten, dass da ein Kind kleiner Leute auch in eine bedrohliche Umwelt hinein geboren wird und für ein paar notwendige Geschenke dankbar ist. Selbst für einen religionsfernen Menschen hat dieses Bild Symbolkraft.

Clara

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