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Aktuelle Themen Wie krank ist unsere Gesellschaft wirklich?

Wie krank ist unsere Gesellschaft wirklich?
geschrieben von ehemaliges Mitglied

Jeden Tag holen staatliche Stellen 77 Kinder aus ihren Familien. Das sind in einem Jahr
mehr als 28.000 Fälle, in denen die Gesundheit, das Seelenheil oder gar das Leben eines
Kindes bedroht war.

Es heißt im Behördendeutsch, in allen Fällen seien die Eltern "überfordert" gewesen.

Wie grausam sich das Versagen von Eltern auswirken kann, zeigt das Martyrium der kleinen
Lea-Sophie, wo die Eltern gerade gestern zu 11 Jahren und 9 Monaten Haft verurteilt wurden.

Wo waren die Großeltern, die Nachbarn, das soziale Umfeld, die Behörden?
Wieso merkt niemand, wenn ein Kind plötzlich derart gequält wird und mit 5 Jahren gerade
mal noch 7 Kilo wiegt?

Es heißt, der Vater spielte derweil im Nebenzimmer Computerspiele, während die Mutter
liebevoll Hunde, Katzen, Papageien und Leguane versorgte.


karin2
Re: Wie krank ist unsere Gesellschaft wirklich?
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf vom 17.07.2008, 06:58:44
karin, der grossvater hatte sich mehrfach mit dem jugendamt schriftlich und persönlich in verbindung gesetzt. es wurde aber auf ihn nicht gehört. das war auch der grund, warum mitarbeiter ihrer hut nehmen mussten.

ich finde es sehr gut, dass die strafe endlich einmal höher ausgefallen ist als die verurteilungen in der vergangenheit.
--
plumpudding
minu
minu
Mitglied

Re: Wie krank ist unsere Gesellschaft wirklich?
geschrieben von minu
als Antwort auf vom 17.07.2008, 06:58:44
Ich frage mich schon lange, warum müssen Hundehalter eine Hundeschule besuchen,
Menschen die Eltern werden wollen, brauchen keine Schule .
Dabei ist das doch die grösste Aufgabe, die es gibt.
--
minu

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baerliner
baerliner
Mitglied

Re: Wie krank ist unsere Gesellschaft wirklich?
geschrieben von baerliner
als Antwort auf minu vom 17.07.2008, 07:24:03
Minu,

normalerweise lernen die Eltern der nächsten Generation von ihren Eltern, wie sie ihre Kinder richtig erziehen.

Genauso werden sie aber zur Gleichgültigkeit erzogen, wenn ihre Eltern sich nicht um sie kümmern bzw. kümmern können.
--
baerliner
schorsch
schorsch
Mitglied

Re: Wie krank ist unsere Gesellschaft wirklich?
geschrieben von schorsch
als Antwort auf baerliner vom 17.07.2008, 07:31:38
Dies ist die EINE Möglichkeit. Viele Menschen aber wollen nicht so erziehen, wie sie selber erzogen wurden. Das kann gut kommen. Es kann aber auch dazu führen, dass von total autoritär zu total antiautoritär gewechselt wird. Und beides ist schliesslich nicht von Gutem.

--
schorsch
eleonore
eleonore
Mitglied

Re: Wie krank ist unsere Gesellschaft wirklich?
geschrieben von eleonore
als Antwort auf schorsch vom 17.07.2008, 08:46:27
Es gibt bundesweit an die 600 jugendämter, und jeder ist anders organisiert.
Kinder und jugendhilfe ist aufgabe der kommunen, und niemand kann vorschreiben, wie sie ihre jeweilige verwaltung aufbauen.

In viele rathäuser sind sozial arbeiter von jugendamt gleichzeitig auch für senioren zuständig.

Ein nicht zu unterschätzendes problem ist der datenschutz.
Wenn eltern mit ihre gefährdete kinder umziehen, hat das jugendamt an neue wohnort praktisch ein neue fall, da die daten beim alten verbleiben.

Ebenso problematisch ist die zusammenarbeit zwischen ärzte und jugendamt, da beide an datenschutz gebunden sind.
Manche finden mittel und wege, es zu umgehen, leider viel zu wenige.

Kinderrechte in deutschland sind primär elternrechte.
Vor dem gesetz hat der staat zu kindern das gleiche verhältnis wie zu hunde.

Mit hunde kann der halter auch machen, was er will, nur nicht quälen.
Wenn der staat davon erfährt, kommt hund ins heim.

Dasselbe prinzip gilt auch bei kindern.
Niemand kann die eltern zu etwas zwingen, nur bei kindesgefährdung entscheidet ein gericht, ab ins heim.

Wichtiger wäre, wenn frau von der leyen sich stark machen würde, für ein bundesweit einheitliche regelung und zusammenarbeit, ohne ausreden mit datenschutz.

Wenn lea sophie und kevin,und andere kinder in zeitung kommen, ist die dame natürlich betroffen.
Aber geschehen tut nichts.
geschrieben von eleonore, 04.05.2006


ich mag keine wiederholungen, aber in diesen fall mache ich es.
--
eleonore

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Re: Wie krank ist unsere Gesellschaft wirklich?
geschrieben von meli
als Antwort auf schorsch vom 17.07.2008, 08:46:27
ich denke, dass sehr vieles in unserer Gesellschaft schon immer krank war. Meine Großmutter pflegte zu sagen: Es hat sich eigentlich nichts verändert, nur die Röcke waren früher länger.
Ich denke weiter, dass die Bereitschaft hinzuschauen, gewachsen ist.
Die Reaktion vieler Behörden sind zu langsam, die Gesetzeslage zu lasch und die Strafen zu niedrig. Obwohl Strafen die Gleichgültigkeit und emotionale Abgeflachheit gewalttätiger Eltern nicht verändern, allenfalls ein Warnsignal geben, was für manches Kind die Rettung sein könnte.
Aufgrund der Vernetzung ist die Welt zusammengerückt. Wer hinschauen will, dann dies tun, auch auf die einschlägigen Seiten. Wie will man das verhindern?
Wie will man in dieser Zeit, die von Netz und Technik beherrscht wird,
die Muße, die Freude, die Kreativität fördern und die Liebe zum eigenen Nachwuchs wecken bei Menschen, die sich selbst nicht lieben? Alles nur staatliche Programme?
Ich will aber hierfür nicht das Netz allein verantwortlich machen. Es gibt unendlich viele Bereiche, die unter ungünstiger Konstellation zusammenkommen und sich katastrophal auswirken.
Ich bin kein Bibelleser. Doch manchen Spruch finde ich gut:
So z.B. "Die Sünden der Eltern pflanzen sich fort bis ins 3. und 4. Glied." zunmindest habe ich ihn so in Erinnerung und erlebe dies in oft schlimmster Form in meiner täglichen Klinikarbeit. --
meli
Re: Wie krank ist unsere Gesellschaft wirklich?
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf meli vom 17.07.2008, 09:11:59

Ich glaube, wenn Kinder zu Eltern werden, die seinerzeit selbst keine Erziehung hatten,

wie sollten sie selbst imstande sein, ein Kind zu erziehen? Darin liegt wahrscheinlich

das Problem. Und das Problem wird, fürchte ich, noch immer mehr zunehmen, wenn man sich

in der Umwelt umsieht. Wo gibt es noch "normale" Familien?

(unsere Generation mal ausgenommen)


karin2
miriam
miriam
Mitglied

Re: Wie krank ist unsere Gesellschaft wirklich?
geschrieben von miriam
als Antwort auf eleonore vom 17.07.2008, 08:51:34


Zwar hatte ich schon in einem Thread die Geschichte meines kleinen Adoptivenkelchens erzählt, der Thread wurde aber gelöscht, wegen einiger Streitereien.

Mathias (Name geändert), ist nun 2 Jahre und 8 Monate alt - wurde, zu seinem Glück - mit 16 Monaten sehr krank. Die Eltern entschieden sich ihn doch in eine Kinderklinik zu bringen, und das war seine Rettung.
Er hatte bis dann in einem Bettchen, im Dunkeln gelebt, hatte eine so atrophische Muskulatur, dass er nicht nur nicht sitzen konnte, sondern auch noch nicht seinem Kopf ohne gestützt zu werden, aufrecht halten. Er war völlig verängstigt und emotional zu keinerlei Regung fähig.

Man nahm erst an, dass das Kind irgendeine seltene Krankheit hat - es folgten sehr gründliche Untersuchungen, und so stellte es sich heraus, dass er "nur" ein extrem vernachlässigtes Kind war.

Mathias blieb eine zeitlang im Krankenhaus - den Eltern wurde das Sorgerecht sofort entzogen. Dann kam er in eine sehr gute Auffangsfamilie - bis das Jugendamt die richtigen Adoptiveltern für ihn finden würde.
Nochmals ein Glück: er wurde von einer ganz tollen Mitarbeiterin des Jugendamtes betreut, die sich auch sehr bemühte das Kind in die passende Familie, die ihn fördern würde, zu vermitteln.

Nach einer längeren Übergangsphase des Kennenlernens und der Gewöhnung, kam dann Mathias in Februar zu meiner Tochter und ihrem Mann. Inzwischen wurde mit ihm schon intensiv Krankengymnastik gemacht - als er zu uns kam, lernte er auch laufen.

Er ist mittlerweile ein lustiger, lebhafter Junge, entwickelt sich zum Witzbold, auch wenn er noch nicht gut sprechen kann (versteht aber alles).

Nun, das klingt sehr schön, erfordert aber einen riesigen Einsatz seitens der Eltern. Da meine Tochter Pädagogin ist, kann sie diese Förderung auch leisten, mit Unterstützung eines Frühförderungszentrums und einer sehr guten Kinderärztin.
Es ist eine sehr große Aufgabe, Mathias konnte zum Beispiel am Anfang gar nicht spielen. Nun entwickelt er seine speziellen Interessen, das sind hauptsächlich alle Gegenstände die vier Räder haben!!!

Als man seinen leiblichen Eltern versuchte zu erklären warum ihnen das Sorgerecht entzogen wurde, antworteten sie: "Wieso? Wir haben das Kind doch nicht in eine Tiefkühltruhe gesteckt!"
Das sind also in leider nicht wenigen Fällen, die Maßstäbe an denen man sich richtet.

Ein sehr gutes und wichtiges Thema

Gruß

Miriam

Entschuldigung, habe etwas lange gebraucht um den Beitrag zu schreiben, dadurch beziehe ich mich auf Eleonores Beitrag, und nicht auf die letzte Schreiberin.




nasti
nasti
Mitglied

Re: Wie krank ist unsere Gesellschaft wirklich?
geschrieben von nasti
als Antwort auf vom 17.07.2008, 06:58:44

Eine Frage.

Können sehr gut ernährte, bestens bekleidete Kinder
Nöte haben? Eine seelische Not?
Was wird aus der Kindern welcher sind so äußerlich sehr gut versorgt, leiden Sie aber unten Liebesmangel?
Kann die Seele verkümmern?
Kann eine sozial Arbeiterin so etwas feststellen? Nur wenn das Kind sichtbare wunden trägt, oder stirbt, dann ist die Gesellschaft aufmerksam.
So ist unsere materiell angestellte Gesellschaft krank,
nur das zählt was einer Besitzt, ich wage mir das behaupten das die Straßenkinder in Mexiko sind viel glücklicher als die in Willa sitzende in Europa beim PC.

Nasti


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