Forum Politik und Gesellschaft Internationale Politik Ein neues Schottland.2 ist in Aussicht: Katalonien

Internationale Politik Ein neues Schottland.2 ist in Aussicht: Katalonien

olga64
olga64
Mitglied

RE: Ein neues Schottland.2 ist in Aussicht: Katalonien
geschrieben von olga64
als Antwort auf luchs35 vom 16.10.2017, 17:02:07

....aber als Grundlage sollte Herr P. doch erst mal klar und deutlich erklären, ob er nun die Unabhängigkeit erklärte oder nicht. Das steht ja noch aus und weshalb er hierfür einen weiteren, wochenlangen Aufschub benötigt, bzw. erbittet, das verstehe, wer will.
Herr P. hat anscheinend kein Interesse, in einem abhängigen oder unabhängigen Katalonien Regierungsverantwortung zu übernehmen. Hier wären dann sowieso Wahlen in Katalonien eine gute Sache, da m.W. eine grosse Mehrheit der Katalanen kein Interesse an der Unabhängigkeit haben und realistisch befürchten, dass dies nur mit Nachteilen für sie verbunden wäre. Olga

luchs35
luchs35
Mitglied

RE: Ein neues Schottland.2 ist in Aussicht: Katalonien
geschrieben von luchs35
als Antwort auf Bruny vom 16.10.2017, 14:38:08

  
 Bruny, ich bin nicht sicher, ob das wirklich nur mit Verzögerungstaktik zu tun hat. Puigdemont versucht Rajoy an den Verhandlungstisch zwingen, um für Katalonien ein bisschen mehr vom Wirtschaftskuchen ab zu bekommen, was bisher verwehrt wurde - im Gegensatz zu anderen Regionen. Das weiß Rajoy und stellt auf stur wie bisher immer.  Ob Puigdemont wirklich die Karte der Unabhängigkeit ausspielt, bleibt abzuwarten. 

Luchs35

Bruny
Bruny
Mitglied

RE: Ein neues Schottland.2 ist in Aussicht: Katalonien
geschrieben von Bruny
als Antwort auf luchs35 vom 16.10.2017, 17:21:53

Luchs, es ist und bleibt ein undurchsichtiges Trauerspiel. Herr Puigdemont hatte ja um einen Monat Aufschub gebeten, aus Madrid wurden zwei Tage zugestanden. Mir wurde erzählt, dass die Front auch unter den Separatisten bröckelt und das würde Puigdemont nicht in die Karten spielen. Bei uns um die Ecke hält sich zur Zeit eine Familie aus Barcelona auf, sonst sind sie nur während der Urlaubszeit hier. Der Mann hat eine große Spedition und spürt bereits die Auswirkungen. Er meinte Katalonien ist in eine Art Lähmungszustand gefallen.
Ich hoffe die zwei Haudegen denken daran, dass sie dem Land mehr schaden als nützen.
Bruny


Anzeige

olga64
olga64
Mitglied

RE: Ein neues Schottland.2 ist in Aussicht: Katalonien
geschrieben von olga64
als Antwort auf luchs35 vom 16.10.2017, 17:21:53

Worüber soll Rajoy denn mit Puigdemont sprechen, wenn nach wie vor unklar ist, ob die Unabhängigkeit nur erklärt wurde oder nicht und wenn P. dafür weitere zwei MOnate benötigt, um dieses (evtl.?) zu tun?
Für ein Gespräch oder eine Verhandlung sollte es doch eine Basis geben, worüber gesprochen werden soll. Fehlt diese, wäre alles vergeudete Zeit, bzw. will vermutlich Puigdemont weiteres Aufsehen erhalten und erregen. Einfach kindisch dieses Verhalten. Olga

adam
adam
Mitglied

RE: Ein neues Schottland.2 ist in Aussicht: Katalonien
geschrieben von adam
als Antwort auf olga64 vom 16.10.2017, 18:20:21

Meiner Ansicht nach geht es nur noch darum, für beide Männer "das Gesicht zu bewahren", längst nicht mehr um das Wohl Kataloniens und Spaniens. Wobei es bei der ganzen Geschichte wohl insgesamt mehr um die Eitelkeiten von zwei Möchtegernkönigen ging. 

--

adam

Bruny
Bruny
Mitglied

RE: Ein neues Schottland.2 ist in Aussicht: Katalonien
geschrieben von Bruny

Auszug aus Stuttgarter Tageszeitung: „Barcelona - Kurz vor Ablauf eines Ultimatums aus Madrid verschärft die Inhaftierung zweier Anführer der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung die Spannungen zwischen der spanischen Zentralregierung und den Separatisten in Barcelona.
Zehntausende Menschen protestierten am Dienstagabend in Barcelona gegen die Festnahme von zwei führenden Aktivisten der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung. Der Sprecher der Regionalregierung Kataloniens, Jordi Turull, bezeichnete den Vorfall als "demokratische Schande". Am Donnerstag läuft ein Ultimatum aus Madrid an die Separatisten ab: Bis dahin sollen sie erklären, die Abspaltungsbestrebungen aufzugeben.
Turull versicherte, der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont werde dem Druck nicht nachgeben und Madrid erneut Dialog anbieten. "Er wird von seiner Position nicht abrücken", so Turull.
Die Demonstranten skandierten Parolen wie "Ihr seid nicht allein!" und "Spanische Justiz raus". Viele der Befürworter einer Abspaltung der Region von Spanien marschierten mit brennenden Kerzen. Auf Plakaten war unter anderem "Freiheit für die politischen Gefangenen" und "Help us Europe!" zu lesen. Die städtische Polizei der katalanischen Hauptstadt schätzte die Teilnehmerzahl auf 200 000.
Zum Protest aufgerufen hatten die Bürgerinitiative Katalanische Nationalversammlung (ANC) und der Kulturverein Omnium Cultural. Die beiden Präsidenten dieser einflussreichsten separatistischen Organisationen, Jordi Sànchez und Jordi Ciuxart, waren am Montag auf Anordnung einer Richterin in Untersuchungshaft genommen worden.
Den beiden Männern wird "aufrührerisches Verhalten" vorgeworfen. Ihnen droht eine Haftstrafe von bis zu 15 Jahren. Sie sollen unter anderem bei einer Demonstration am 20. September die Teilnehmer dazu ermutigt haben, Angehörige der staatlichen Polizeieinheit Guardia Civil einzukesseln. Dabei seien Fahrzeuge der Polizei beschädigt worden, erklärte der nationale Staatsgerichtshof.“
Ich finde es unglaublich, dass es mitten in Europa politische Gefangene gibt. Ich stelle mir gerade vor, dass die beiden Jordis Asyl beantragen weil sie in einem europäischen Staat politisch verfolgt werden und ich finde es skandalös, dass beschädigte Fahrzeuge der GC bedauert werden, aber kein Wort verloren wird über die von der GC verprügelten und misshandelten Menschen.
Und ich hoffe, dass sich die Geschichte nicht wiederholt. Auch die "Euskadi Ta Askatasuna" kämpfte ursprünglich für mehr Freiheit für das Baskenland, bevor sie zur Terrorgruppe wurde. 
Bruny
 


Anzeige

RE: Ein neues Schottland.2 ist in Aussicht: Katalonien
geschrieben von WoSchi
als Antwort auf Bruny vom 18.10.2017, 07:51:14

es mutet an wie ein surrealistisches Trauerspiel -
ein gut informierter Freund und Journalist aus Barcelona schrieb mir, dass inzwischen mehr als 600 Firmen ihren Sitz von Katalonien in eine andere Provinz verlegt haben. Alle mit den beruhigenden Worten, dass sie das alles rückgängig machen würden, wenn "nichts passiert" ....

Wie schrieb er es? "Der gemeine Menschenverstand ist zurzeit wenig verbreiet im Land, auf beiden Seiten" - und die rumänische Frau des President Puigdemont soll ihr Geld genommen und sich aus dem Staub gemacht haben. Alles sehr surreal in Katalonien. Und als ich mir neulich einmal eine Rede des Präsidenten auf "hochspanisch" anhörte, war ich ziemlich erstaunt, dass er die Sprache nicht einwandfrei spricht.

Unter den Firmen, die ihren sitz verlegt haben, sind einige wichtige und sehr grosse wie Caixabank, Gas Natural, Abertis, Banco Sabadell, FCC, Almirall,  Pangaea Oncology und selbst die ehrwüdige Firma 
Gallina Blanca, vergleichbar mit Maggi, ein Lebensmittelproduzent für Ferigsuppen und Brühwürfel, die es in jedem spanischen Haushalt gibt.
Wie immer es ausgeht, es ist ein Trauerspiel. Schönes, stolzes Katalonien :-(


 

luchs35
luchs35
Mitglied

RE: Ein neues Schottland.2 ist in Aussicht: Katalonien
geschrieben von luchs35

Und wo gibt es noch eine Verfassung in demokratischen Ländern, die regionalen Regierungen Abstimmungen verbieten? Madrid verstößt gegen das Völkerrecht, das besagt, dass alle Völker das Recht auf Selbstbestimmung haben. 
Die einseitige Aufhebung der Selbstbestimmung der Katalanen durch das spanische Verfassungsgericht besticht nicht gerade durch Unabhängigkeit.
So wie es nun aussieht können beide Parteien - Rajoy und Puigdement - nun nicht mehr nachgeben ohne das Gesicht zu verlieren, und wir werden erleben, dass es inmitten in der EU politische Gefangene geben wird.

Luchs35



Das Selbstbestimmungsrecht der Völker ist eines der Grundrechte des Völkerrechts. Es besagt, dass ein Volk das Recht hat, frei über seinen politischen Status, seine Staats- und Regierungsform und seine wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung zu entscheiden. Dies schließt seine Freiheit von Fremdherrschaft ein. Dieses Selbstbestimmungsrecht ermöglicht es einem Volk, eine Nation bzw. einen eigenen nationalen Staat zu bilden oder sich in freier Willensentscheidung einem anderen Staat anzuschließen.
Heute wird das Selbstbestimmungsrecht der Völker allgemein als gewohnheitsrechtlich geltende Norm des Völkerrechtes anerkannt.    
 

Bruny
Bruny
Mitglied

RE: Ein neues Schottland.2 ist in Aussicht: Katalonien
geschrieben von Bruny
als Antwort auf luchs35 vom 18.10.2017, 10:55:25

Ja Luchs, so ist das nun. Keiner der beiden kann nachgeben und wie ich heute Morgen schon schrieb, sieht es verdammt nach einer Wiederholung der Geschichte aus. Es ist als ob ein Vater seinen erfolgreichen Sohn zurück an den heimischen Tisch zwingen will. Es ist ein Spiel um Macht und Geld.
Diese gewaltbereite Seite Spaniens ist nicht ungewöhnlich, ich habe gelernt ihr weitgehend aus dem Weg zu gehen. 
Bruny

olga64
olga64
Mitglied

RE: Ein neues Schottland.2 ist in Aussicht: Katalonien
geschrieben von olga64

Anscheinend weiss Herr Puigdemont nicht mehr ein und aus. Trotz Ultimatium sandte er anscheinend einen weiteren Brief an Herrn Rajoy, ohne explizit zu erklären, ob nun Katalonien unabhängig ist oder nicht.
Jetzt dürfte es zur Einschränkung der Autonomie kommen; der Senat in Madrid steht voll und ganz hinter dem Regierungschef.
Aus der Ferne leuchtet mir dies auch ein, dass sich ein hohes Regierungsmitglied nicht noch länger durch einen unprofessionellen Regionalfürsten an der Nase rumtanzen lässt.
Wohin Eitelkeit doch manche Männer bringen kann - für ein wenig Aufmerksamkeit bringen sie ganze Länder und Völker in Gefahr.
Und dann weinerlich auf die EU blicken, die ein Verbund von Staaten und Ländern ist, aber nicht von grössenwahnsinnigen Regionen, die unprofessionelle Referenden abgeben, hinter denen nicht mal das Volk selbst steht. Olga


Anzeige