Soziales Einsamkeit

Cenima
Cenima
Mitglied

Einsamkeit
geschrieben von Cenima

Ich habe lange gezögert, etwas zu diesem Thema zu schreiben, dennoch versuche ich mal meine Erkenntnisse dazu mitzuteilen. Ich glaube, es passt hier in das Forum "Soziales".

In einem anderen Forum gab es schon einiges dazu zu lesen. Es gibt unterschiedliche Gründe, warum jemand einsam ist oder sich einsam fühlt. Im Grunde fühlt man sich dann einsam, wenn es keine Vertrauten mehr gibt. Menschen, die einen schon lange kennen und man weiß, woran man ist. 

Wenn man schon älter ist, ist es um so schwieriger noch eine "beste Freundin" finden zu können. Manche fühlen sich einsam, weil sie keinen Partner mehr haben, aber das ist etwas Anderes als niemanden mehr zu haben. Keine Verwandschaft, keine Freunde. Einkommensunterschiede trennen auch das Miteinander in Gruppen. Und natürlich auch Bildung. Ein gemeinsames Thema in solchen Gruppen verhindern meist nur das Alleinsein aber nicht die Einsamkeit, die einen täglich begleitet. Oft sortieren die Leute andere ein, entweder man hat nicht genug Einkommen, um nach der Gruppenaktivität genau das Private noch mitmachen zu können, was einem so sehr fehlt oder man hat zuviel oder zu wenig Bildung um mitreden zu können. Einsamkeit entsteht dann, wenn man niemanden mehr hat, auf den man sich verlassen kann im privaten persönlichen Bereich. Das Alleinsein kann man immer irgendwie ausgleichen. Nur nie etwas sehr Persönliches mal bereden zu können, das fehlt so sehr in der Einsamkeit, nicht irgendwelche Gruppen, wo sich meist doch kein privater Kontakt ergibt. Selbst wenn, dann weiß gleich die ganze Gruppe wieder Bescheid, weil erzählt wird, was man mit wem gemacht hat. Das Persönliche bleibt leider nie in einem privaten Rahmen. Wem gefällt schon diese Unsicherheit, dass immer gleich Mehrere über einen Bescheid wissen, diese anderen aber nichts über sich erzählen, verschlossen bleiben. Wie dem auch sei, Einsamkeit entsteht dann, wenn es keine vertrauten Menschen mehr gibt, die einen schon lange kennen. Und erzählt man etwas über die Zeit, als es einem noch gut ging in jeder Hinsicht, kann auch schon Neid aufkommen und man wird deshalb abgelehnt. Im Grunde hätte ich auch nur diesen einen Satz hier schreiben können, nur weil man keine Vertrauten mehr hat, fühlt man sich wirklich einsam.

Roxanna
Roxanna
Mitglied

RE: Einsamkeit
geschrieben von Roxanna
als Antwort auf Cenima vom 26.11.2019, 14:10:13
Diese Thema, liebe Cenima, taucht hier immer wieder mal auf und es wurde schon einiges geschrieben. Vielleicht wird es auch mit zunehmendem Alter eben besonders Thema, weil Nahestehende, Vertraute wegsterben. Ich verstehe sehr gut, was du meinst. Um sich einem Menschen anvertrauen zu können muss man ihn sehr gut kennen. So etwas muss über viele Jahre wachsen. Und eigentlich braucht jeder Mensch mindestens ein solchen, dem er vertrauen kann. Ich weiß auch aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist im fortgeschrittenen Alter Kontakte zu finden u.a. auch deshalb, weil uns unser Leben geprägt hat und es nicht mehr so leicht fällt, sich auf jemand anderen einzulassen. Trotzdem sollte man die Hoffnung nicht aufgeben, dass man eben doch noch einmal auf einen solchen Menschen trifft. Man muss es immer wieder versuchen, weil die Alternative eben nur die Einsamkeit ist.
 
LG
Roxanna

 
Cenima
Cenima
Mitglied

RE: Einsamkeit
geschrieben von Cenima
als Antwort auf Roxanna vom 26.11.2019, 14:29:27

Das sagst du etwas, liebe Roxanna. So etwas muss über viele Jahre wachsen, das ist so wahr. Wenn man älter wird hat man aber nicht mehr sooo viele Jahre vor sich. Jeder ältere Mitmensch bringt sein Päckchen an Erfahrungen, gute und weniger gute, mit sich und hat sich dementsprechend verändert. Deshalb ist die Jugend so wichtig, weil sich dann viele Freundschaften schneller bilden als im Alter und wenn sie dann noch Jahrzehnte halten, kann man sich glücklich schätzen. Aber so etwas sagt einem ja keiner, wenn man jung ist. Danke für deinen Beitrag.


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chris33
chris33
Mitglied

RE: Einsamkeit
geschrieben von chris33
als Antwort auf Cenima vom 26.11.2019, 14:10:13

. Das Alleinsein kann man immer irgendwie ausgleichen. Nur nie etwas sehr Persönliches mal bereden zu können, das fehlt so sehr in der Einsamkeit, nicht irgendwelche Gruppen, wo sich meist doch kein privater Kontakt ergibt. Selbst wenn, dann weiß gleich die ganze Gruppe wieder Bescheid, weil erzählt wird, was man mit wem gemacht hat. Das Persönliche bleibt leider nie in einem privaten Rahmen. Wem gefällt schon diese Unsicherheit, dass immer gleich Mehrere über einen Bescheid wissen, diese anderen aber nichts über sich erzählen, verschlossen bleiben.
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ich habe mal kopiert, was ich sehr auffällig finde - wenn ich deinen bericht lese.

wenn du im grunde ein zusammensein mit menschen schwierig findest, weil sie:

aus anderen sozialen verhältnissen kommen als du, weil sie gruppen angehören, weil  sie ausplaudern, weil sie nichts von sich selber preis geben usw.,

wird es sicherlich nicht so einfach sein, leutchen zu finden- mit denen du auf einer wellenlänge bist.
es scheint, als ob du niemanden "traust" - aber ein gewisses mass an vertrauen braucht man ja, um mit menschen zu kommunizieren.

viele menschen fühlen sich einsam, besonders im seniorenalter- wie du schon sagtest, deshalb haben sich  experten auch diesem thema in der literatur gewidmet.aus positiver und auch negativer sicht ist darüber geschrieben worden.

alles gute dir

wünscht chris33




 

schorsch
schorsch
Mitglied

RE: Einsamkeit
geschrieben von schorsch
als Antwort auf Cenima vom 26.11.2019, 14:10:13

Manche werden grantig, wenn sie einsam sind....

....und manche werden einsam, weil sie grantig sind.....

....und manchen ist es nur wohl wenn sie einsam sind.

So verschieden sind die Menschen halt.

Cenima
Cenima
Mitglied

RE: Einsamkeit
geschrieben von Cenima
als Antwort auf chris33 vom 26.11.2019, 15:00:17

Es geht hier nicht um die Analyse dessen was ich geschrieben habe. Es geht auch nicht darum, wie oder was ich angeblich bin. Es geht um das Thema Einsamkeit. Jeder sollte so seine Erfahrungen mit Einsamkeit schreiben, wenn er/sie möchte. 


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chris33
chris33
Mitglied

RE: Einsamkeit
geschrieben von chris33
als Antwort auf Cenima vom 26.11.2019, 15:54:32

EINSAMKEIT ist ein breit gefächertes thema, finde ich -

gut, cenima, dass du geschrieben hast, wie dieser thread zu verlaufen hat - wenn auch ein wenig ruppig und autoritär du mir das vermittelt hast.. 😉

als ich deinen bericht las, wusste ich nicht, dass es um erfahrungsberichte geht, die du gern lesen würdest.....

eine analyse habe ich nun wahrlich nicht aufgestellt - (das machen u.a. fachärzte)- ich habe lediglich geschrieben, was mir sofort  in deinem bericht auffiel.

ja - ich lese berichte immer sehr sorgfältig und oft auch zweimal.. 😉

weiterhin alles gute

chris33

 

britti
britti
Mitglied

RE: Einsamkeit
geschrieben von britti

Einsamkeit - einmal anders; vielleicht ist im Alter die Einsamkeit eine Aufgabe, die gemeistert werden muss wie die Pubertät in der Jugend? Es ist natürlich, dass Freunde wegsterben und dass man durch seine lange Lebenszeit nicht mehr zu jedem passt.

Was kann man dagegen tun? Ein hobby hilft oder e-books oder ein Erzählkaffee, wie sie
hier vermehrt entstehen. Auch könnte man für die Alten mehr Kurse an Vormittagen einrichten, denn abends geht man nicht mehr gerne aus dem Haus. Auch Reisen müssen nicht immer gleich Gott weiss wohin stattfinden. Kleinere Vorhaben passen besser!

Auch Fotoalben oder Tagebücher nochmal anschauen, kann beleben. Vielleicht kommen noch mehr Vorschläge?

marina
marina
Mitglied

RE: Einsamkeit
geschrieben von marina
als Antwort auf Cenima vom 26.11.2019, 14:10:13

@Cenima, ich verstehe dich gut. Wenn man älter wird, nehmen die Freunde und Bekannten ab, weil einige gestorben sind und man dann kaum noch neue Freunde findet. Die meisten alten oder älteren Leute kennen das, aber kaum einer gibt es zu, weil man sich keine Blöße geben will; du bist sehr mutig, so offen darüber zu schreiben.
Weißt du, dass es in England schon ein Ministerium für Einsamkeit gibt? Das zeigt aber doch, wie groß dieses Problem ist, die Briten haben das längst erkannt. Und auch in Deutschland wird es jetzt von einigen Politikern gefordert, ich stell mal einen Artikel dazu ein: SPD will Regierungsbeauftragten für Einsamkeit
Am besten sucht man sich eine Beschäftigung, die einen mit anderen Menschen zusammenbringt, ich hatte das große Glück dadurch noch vor gar nicht langer Zeit eine neue Freundin zu finden, mit der ich jetzt ganz viel zusammen machen kann, denn ich habe auch schon zwei gute Freundinnen durch Krebs verloren. Aber es ist schwer und auch Glücksache, ob das nochmal gelingt mit neuen Freundschaften.

olga64
olga64
Mitglied

RE: Einsamkeit
geschrieben von olga64
als Antwort auf marina vom 26.11.2019, 18:02:33

Ich bezweifle aus tiefstem Herzen, dass ein "Ministerium gegen Einsamkeit" irgendjemanden helfen kann. Da wird nur wieder etwas "in die Politik" verlagert, die dann Abhilfe schaffen soll, es vermutlich nicht kann und letztendlich als unfähig hingestellt wird. Auch Einsamkeit ist ein individuelles Problem: unterschiedlich bei Frauen und Männern und kann m.E. nicht durch ein Ministerium gelöst werden, das vermutlich nur auf die Idee kommt, etwas Geld aus dem Staatssäckel locker zu machen, um irgendwo einen Raum anzumieten, wo dann Tee und GEbäck serviert werden.
Eine Gesellschaft, die immer älter wird, hat auch mit spezifischen Problemen zu kämpfen. Besonders schlimm dürfte sich Einsamkeit auf die auswirken, die Jahrzehnte in einer Partnerschaft/Ehe vieles gemeinsam machten und wann dann einer stirbt und der oder die andere zurückbleiben mit grosser Unfähigkeit, wie das nun geht, allein zu leben. Auch auf die Kinder kann und sollte nicht zu stark zurückgegriffen werden; die haben ein eigenes Leben und würden dann doch eher unwillig dieser Aufgabe nachkommen.
Neben der immensen Trauerarbeit bräuchte man dann noch Energie, um den ersten Schritt zu gehen. Den braucht es immer, wenn man eigene Lebensumstände ändern und verbessern möchte.
Diesen ersten Schritt muss man selbst gehen und man sollte auch nicht "die gute Freundin" mit der verwechseln, wie man sie in jungen Jahren noch recht leicht fand. DAs Leben hat ja bei allen seine Spuren hinterlassen, was auch Auswirkung auf die Bildung von Vertrauen hat.
WArum nicht "kleiner" anfangen? Es gibt sie die Gruppen, wo sich Gleichgesinnte und Gleichaltrige treffen können. Da sind doch bestimmt Menschen dabei, die ähnliche Interessen haben? Z.B. kultureller Art, sportlicher Art, mal eine Reise zusammen machen oder sich einfach gegenseitig einladen und Kaffee oder Wein zu trinken und sich aus seinem Leben zu erzählen.
Oder sich ein Ehrenamt suchen, wo man noch gebraucht wird - das kann sehr helfen und bringt einen wirklich aus einer Isolation, der man entkommen möchte.
Da kann dann schon was wachsen,vielleicht auch zusammenwachsen.
Was man aber auch für sich akzeptieren muss, ist, dass es nicht so weit kommt. DAs sollte einen nicht in Verzweiflung stürzen, sondern erkennen lassen, woran es haperte und beim nächsten Kontakt oder der Möglichkeit dazu es anders machen.

Einander Interesse entgegenbringen, vor allem zuhören und sich respektieren - das sind wohl die wichtigsten Grundvoraussetzungen. Manchmal lese ich zB. Anzeigen in der Wochenendausgabe der SZ, wo sich ältere Menschen gegenseitig suchen, um Dinge gemeinsam zu entdecken oder zu unternehmen. Wäre auch ein Weg für all diejenigen,denen das Internet in seiner zu grossen Anonymität doch nicht passend erscheint.
Auf jeden Fall wünsche ich, dass die Autorin einen Ausweg finden,bzw. auch sucht, um ihrem Leben eine neue Richtung zu geben. Olga

 


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