Gott sprach "Es werde Licht"



Gott sprach: „Es werde Licht“

Nehmen wir am Anfang doch ganz einfach das, womit am Anfang eben alles so anfängt.
Die Geburt eines neuen Erdenbürgers.

Natürlich nicht irgendeines neuen Erdenbürgers sondern eines Menschen. So wie du und ich oder auch wie er und sie.

Wie geschah dieses „Wunder“ vor ca. 70 Jahren?
Kann der eine oder die eine sich noch dunkel daran erinnern?
Nicht?

Dann versuchen wir doch einmal dieses mehr oder weniger freudige Ereignis ganz bescheiden und nicht ganz wissenschaftlich perfekt fundamentiert zu beleuchten.

Es ist finsterste Nachkriegszeit. Überall herrscht Chaos und Weltuntergangsstimmung. Einige Krankenhäuser mit den darin befindlichen Entbindungsstationen haben dank eines großen roten Kreuz auf ihrem Schindeldach überlebt. Fahrbare Untersätze gibt es nur gegen einige Stangen amerikanische Zigaretten und dann fangen irgendwo in dieser Welt; sagen wir mal in Ober- oder Unterschlotterbach die Wehen an zu wehen.

Das kann ja eigentlich nicht viel werden. Aber die Not macht bekanntlich erfinderisch und verschafft einen hellen Geist.

Hans-Peter ist vor genau zehn Monaten mit einer kleinen Schramme, welche er sich beim Brombeeren pflücken an der Ostfront zugezogen hat, ins nicht mehr vorhandene „Deutsches Reich“ zurück beordert worden.
Natürlich ausgehungert in jeglicher Hinsicht und scharf wie „Oscars Lumpi“. Seine einst, vor seinem Ritt in die Großherzogliche Zukunft, ihm angetraute Gunhilde hat auch mit einem Eimer voller vergossener Tränen auf ihren strammen „Max“ gewartet.
Einige schlaflose Nächte, durchgeschwitzte Matratzen und vergessenen knurrenden Magen und das Werk ist vollbracht.

Nun kommt, was biologisch relativ unvermeidlich ist – es wächst das zarte Bäuchlein der Heimkehrerfrau zu einer überdimensionalen Melone. Natürlich entwickelt sich in dem gleichen Zeitraum auch des Ritterkreuzträgers dünne Rippe zu einem wohlgenährten Stammeshäuptling, aber beides hat nun mal seine eigene Ursache.

Und es kommen sie. Die alles entscheidenden und nicht mehr zu verhindernden Wehen und sie scheren sich einen Teufel, welche Jahreszeit, welcher Uhrzeit und welches geschichtliche Datum gerade im Kalender steht. Und es kommt des alten Frontkämpfers Angstschweiß, welchen er noch nicht einmal an der bitterkalten Ostfront im Kugelhagel aus östlicher Richtung erlebt hat.

Nun heißt es nur noch die wenigen, übrig gebliebenen Nervenstränge zu ordnen und in schönster Sommerhitze von 32 Grad Celsius zum nächsten Bauern zu traben, um eventuell ein 1 PS Fortbewegungsmittel zum Krankenhaus in die Stadt zu ergattern.
Telefon? Was ist das zu dieser sagenumwobenen Zeit?

Beim dritten Bäuerlein dann endlich einen alten Klepper nebst an gehangenen fahrbaren Untersatz erhandelt, den Hühnereierbestand aus dem eigenen Stall für die nächsten drei Jahre an den Fuhrwerks Verleiher verpfändet und dann im schweinischen Tempo mit der werden wollenden Mutti ins 12-22 Kilometer entfernte Städtchen gerast.

Dort nach einer wilden Jagd um Minuten und Sekunden das wackelige Zugtier beiderseitig durch hilfreiche, arbeits- und gedankenlose, rein zufällig in Massen anwesende Stadteinwohner, gegen dessen kraftloses Umfallen, gestützt.

Nun nur noch mit Megafon Stimme nach dem herumlungernden Krankenhauspersonal gerufen, die ebenfalls mittlerweile in der gleichen Lautstärke brüllende Weiblichkeit auf eine herbei geschobene Trage aus dem achtzehnten Jahrhundert gewuchtet und nun fehlt nur noch eine Fachkraft für alles was ans düstere Licht der Welt will.

Diese, im Moment nur männlich und im leicht angesäuselten Zustand vorhandene Person kümmert sich dann mit all seinem vor unzähligen Jahren auf einer seltsamen Uni angeeigneten Fachwissen um das wehende Frauenzimmer. Der Frontkämpfer derweil liegt im Wachkoma in irgendeiner der vielen rein zufällig vorhandenen Ecken des Krankenhauses herum.

Dann erschallt durch alle vorhandenen und total überbelegten Krankenhausräumlichkeiten eine Stimme, welche dem Megafonvater sehr ähnlich ist und diesen dann schlagartig aus seinem Krankenhausecken Tiefschlaf weckt.
Ein Mann ist Vater geworden und eine Frau ist eine Mutter geworden, obwohl sich beide rein äußerlich nicht im geringsten verändert haben.

Wir schreiben das Jahr 1948 und Klaus hat sich der Überschrift angenommen; Gott sprach: „Es werde Licht.“ Und es ward Licht, irgendwann nach einigen Wochen, nachdem der Wonneproppen von einem Jungen durch seine eigenen Linsen glotzen konnte.

Und wie, meine Damen und Herren, meine Väter und Mütter, meine noch nicht Väter und noch nicht Mütter, ist das heute mit diesem anderen Umstand in der Natur der Frauen?

Heute ist unsere Welt technisiert, modernisiert, automatisiert, frisiert und trockengelegt. Uns geht es prächtig. Keine nennenswerten Kriegsschäden sind in Mitteleuropa mehr zu erspähen. Keine größeren Probleme drücken in den Schuhen der wachsenden Bevölkerung.
Die Betonung liegt hier eindeutig auf „wachsend“, denn auch heute noch soll es trotz „Eine-Nacht-Stehern“, unzähligen Beischlaffolgenverhinderungsmitteln, eheähnlicher Verbindungen und gleichgeschlechtlicher Hochzeitsfeier zu diversen Kürbisbäuchen bei der einen oder auch mal anderen weiblichen Person zwischen dem zwölften und zweiundachtzigsten Lebensjahr kommen.

Dann haben wir fast das gleiche Malheur, wie wir es vor 70 Lenzen oder sogar noch weit davor immer wieder erleben konnten.

Es kommt. Natürlich ist es vor ca. neun Monaten schon einmal gekommen, aber damals voller Lust, Leidenschaft und beiseite gelegtem Gehirn. Jetzt und hier heißt es aber, Gehirn einschalten und den unvermeidlichen Stress über seinen muskulösen männlichen Körper ergehen lassen. Auch heute ist es wie schon zu allen Zeiten der Weltgeschichte.

Die Kürbisbauch Trägerinnen lächeln trotz mörderischer Schmerzen in der Lendengegend allen werdenden Väter in deren vor blankem Entsetzen zu Mülleimerdeckel mutierten Sehorganen. Da die männliche Psyche trotz aller ihnen im Verlaufe der Geschichte der Menschheit auferlegten Strapazen und Herausforderungen nicht im geringsten an Stärke gewonnen hat, liegen die Nervenstränge der „Männlichkeit“ auch im heutigen Zeitalter bei dem Anblick einer werdenden Mutter total blank.

Trotz Fitnessstudios, harte Knochenjobs und Antistressmittel vom Hausarzt – die Männer der Schöpfung bleiben wie sie sind. Im Ernstfall alle durch die Bank das „schwache“ Geschlecht.
Aber wir sind Gott sei dank heute ein klein wenig weiter, als vor 70 Jahren.

Es gibt nun Telefone und sogar schon Kommunikationsgeräte, welche dauerhaft ans rechte oder linke Ohr angewachsen sind (meist aber bei den weiblichen Gesprächsteilnehmern).Es gibt heute Fuhrwerke mit mehr als 200 Pferdchen unter einer Blechhaube und es gibt wunderschön schnelle Krankentransportautos. Es gibt fast an jeder Ecke ein Kreis- oder Ecken Krankenhaus und darin unzählige nette Doktoren, Krankenschwestern, Hebammen, Urologen, Virologen, Ungelogen und super scharfe Empfangsdamen (letztere aber nur in den Augen der tapferen Schneiderlein, ähm, Männer).


Also läuft die ganze werdende Angelegenheit heute doch schon etwas geordneter ab, als damals der Wonneproppen Klaus in die unbarmherzige Welt geschleudert wurde.
Der werdende Vater muss heute zwar nicht mehr über Stock und Stein traben, um einen fahrbaren Untersatz ins nächste Städtchen zu ergattern, aber auch er hat standesgemäß seine ihm zugeordneten Problemchen.

Mit Schweiß tropfenden und schon leicht in eine totale Verkrampfung verfallenden Bauarbeitergriffel hat der gute Mann die Tasten des Telefons schon knapp drei Millimeter ins Gehäuse befördert, um so etwas wichtiges wie ein Taxiunternehmen oder einen Krankenwagen zu erreichen. Unzählige Male hat sich der starke Mann ein wenig auf den schwarzen Plastikwürfelchen vertan und dadurch diverse Aufregung im Umkreis von einigen Randkreisgebieten hervor gerufen. Nach knapp einer Stunde Schwerstarbeit mit dem Kommunikationsgerät stehen dann drei Freiwillige Feuerwehren, sechs Pizzadienste, zwei Damen des erotischen Gewerbes, ein Hausmeisterdienst und der Oberbürgermeister vor der weit geöffneten Wohnungstür.

Die alles beherrschende Kürbisbauch Dame hat sich derweilen dank eigenem Handy und herbeigerufenen Taxi in den vorgewärmten Kreißsaal begeben und unter Aufbringung all ihrer angeborenen Herkuleskräfte einen stattlichen Heinz-Bernhard zur Welt befördert.

Natürlich haben der guten Frau bei ihrer Schwerstarbeit zwei Hebammen, ein Geburtshelfern und sechs Krankenschwestern zur Seite gestanden. Aber die gewordene Mutter hätte das ganze Theater mit Leichtigkeit auch in jedem Winkel der Erde ganz allein über die Runden bekommen.


So kann man doch unschwer erkennen, wie sich doch die Zeiten ändern, aber niemals die Menschen, welche die Zeiten immer wieder selbst mit geprägt haben.



 


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Kommentare (27)

Humorus

An dieser Stelle möchte ich mich bei @felix772 und @Rastlos und auch allen anderen Lesern meiner Geschicht für die mir geschenkten Herz mit Schleife bedanken. Ich hoffe ich konnte Euch ein wenig unterhalten und ein Lächeln schicken.

Lieber Gruß Klaus

Struppchen

Hallo Klaus, ja , alles in unserem Leben hat sich verändert,
manchmal können wir uns darüber freuen, manchmal aber auch nicht.

Wer weiß, was nach - unserer Zeit - kommt, man kann es sich nicht vorstellen.

Aber das ist geblieben

, nur die Liebe zählt!!
_
==================

Gruß Renate

Humorus

@Struppchen  
Hallo liebe Renate, es freut mich, das Du den weiten Weg zu meiner Geschichte gefunden hast. Aber Du siehst, ich sehe alles mit einem Lächeln im Gesicht und so soll es auch bleiben. Wenn Du Zeit erübrigen kannst , es gibt ja noch soooo viel bei mir zu lesen für Dich. Danke für Deine Worte und
einen schönen Gruß von mir
Klaus

omasigi

Lieber Klaus,

so ganz dramatisch war bei mir nicht. Mitten im Krieg 1943 geboren,
war da kein Vater da.
Da wir in einer Stadt lebten ging meine Mutter zusammen mit ihrer
Schwester ins Krankenhaus. Fahrzeug war nicht.
So schnell erblickte ich nicht das Licht der Welt. Ich bin eine
Zangengeburt.
Dafuer kammen alle meine Kinder normal zur Welt auch meine
Zwillinge.
Deine ausfuehrliche Geschichte habe ich wieder schmunzelt
gelesen.
Was hast Du als Naechstes vor? Ich bin schon gespannt.

lieben Gruss
omasigi / Sigrid

Humorus

@omasigi  
Liebe Sigrid aus der immer noch weiter Ferne. Du bist ja bald ganz in meiner Nähe. Ich freue mich immer wenn ich ein paar nette Worte hier von Dir lesen kann. So habe ich bei allen Lesern ein paar Erinnerungen wecken können. Ja lange ist es her und Deinen Kindern wünsche ich natürlich alles Gute in deren Leben.
Mal sehen, womit ich Dir noch eine Freude machen kann. Ich denke bald .
Komm gut nach Germay.

Einen ganz lieben Gruß aus Karlsruhe in die weite Ferne.     Klaus

Muscari


Ein Glück, dass ich mir diese Lektüre für mein Dämmerstündchen (nicht zu verwechseln mit Schäferstündchen...) aufbewahrt habe.
Es ist eine Lust, eine ganz normale Angelegenheit so großartig beschrieben, zu lesen.
Die einzelnen Formulierungen sind wieder mal unübertroffen.

Und wieder kann ich nur Danke sagen für diese heitere Beschreibung, die ich mit einem Schmunzeln quittiere.
Andrea

 

Humorus

@Muscari
Liebe Andrea es freut mich natürlich sehr, wenn ich Dir ein paar schöne Augenblicke in den Abend schicken konnte. Deine netten Worte geben mir die notwendigen Flügel, um für Dich weiter zu schreiben, bis die Fingerchen glühen. Ein lächelndes Gesicht ist doch eigentlich das schönste, was ich erhoffen kann.

Ganz lieben Gruß bis zum nächsten Treffen hier im ST
Klaus

ahle-koelsche-jung

Wohl dem der bereits im Mutterleib schon ein Notizbuch dabei hat um seine Erlebnisse der künftigen Gesellschaft Kund zutun Lachen
Hallo lieber Klaus,
auch hier ist dir wieder ein tolles Werk gelungen, das meinen erkrankten Gliedern mal wieder etwas angenehme Abwechslung bietet. 
Deine humoristischen Werke sind jedenfalls für mich immer wieder ein Genuß.
Mit sonnigen Grüßen aus Köln 
Wolfgang 

Humorus

@ahle-koelsche-jung  
Hey und ein Hallo zum kranken kölscher Jungen. Na das mit dem Notizbuch muss ich noch nachprüfen, aber es freut mich natürlich, das ich Dir mit meiner Geschichte wieder ein wenig "Medizin" habe zukommen lassen. Nun denke daran - OBST - essen und dann wird es bestimmt bald wieder mit Dir.

Ganz liebe Grüße nach Köln und wir sprechen uns bestimmt wieder.

Klaus

HeCaro

Hallo Klaus,
als es für mich Licht wurde, war tiefste Winternacht, es war eiskalt
und ich ein Frühchen. Aber Unkraut vergeht nicht, wie man sieht und
ich habe seitdem so einige kalte  Winter überlebt.

Deine Idee diese Geschichte zu schreiben gefällt mir gut.

Liebe Grüße, Carola

 

Humorus

@HeCaro  
Hallo liebe Carola, erst einmal danke, dass Du bei mir vorbei gekommmen bist und das Dir meine Geschichte gefallen hat, ist für mich die Beleohnung. Naja das mit dem Unkraut ist so eine Sache. Ich sehe eher eine schöne Sommerblume mich anschauen.

Lieben Gruß aus Karlsruhe   Klaus

Syrdal


Dieses ganze Prozedere – beginnend mit der anfänglich „körperlichen Arbeit“ bis hin zum lichtbestaunenden Ende, das ja eigentlich der Start des „Neuen“ ist – hat immer wieder seine ganz speziellen Eigenheiten, freilich geprägt von den jeweiligen „Umständen“.  – Bei mir hieß es damals nicht nur: Es werde Lichrt... nein, ich war da weit besser dran, denn das Licht kam sogar aus sprühenden  Feuerblitzen daher und dazu gab es dröhnenden Donner irgendwo oben unter und über den Wolken. Welch ein Empfang! Und das ging dann noch ein ganzes Weilchen so weiter... 
...erinnert sich
Syrdal

Humorus

@Syrdal  

Lieber Syrdal wie ich in Deinem Kommentar lesen kann bis Du ja recht feierlich empfangen worden. So mit "Pauken und Trompeten" natürlich von ganz oben so zu sagen. Vielleicht hat dieser Umstand sogar Dein ganzes Leben geprägt. Du schreibst ja auch immer mit hellem Schein und nicht immer leise. Danke dass Du bei mir vorbei geschaut hast und Dir noch weiterhin gute Ideen.

Ein lieber Gruß vom Klaus

Arni

Hallo Humorus. Als es für mich Licht wurde war es erst mal dunkel. 3 Jahre vorher hatten meine Eltern mit meiner 10jährigen Schwester aus ihrer Heimat flüchten müßen, um ihr Leben zu retten. Sie hatten alles verloren. Mein ins Leben purzeln war wohl kein Problem und die Einheimischen waren sehr am helfen.
Also doch ein positiver Anfang - aber die lustigen Zeiten kam erst ein bisschen später.

Herzliche Grüße
Arni

Humorus

@Arni  

Hallo Arni,ich muss sagen, da hast Du aber auch eine schwere Vergangenheit hinter Dir. Ich sehe jedenfalls, dass aus Dir etwas gutes geworden ist. So hat meine Geschichte doch so einige Erinnerungen geweckt.
Danke aber, das Du wieder bei  mir rein geschaut hast und Dir weiterhin alles Gute wünscht Klaus

Christine62laechel

Ich glaube, da könnte dieses Zurweltkommen doch anders organisiert werden... Die werdende Mutter und das winzig kleine Baby müssen sich so viel Mühe geben; es sei denn, dass es so geht, wie es bei mir der Fall war:

   Meine Mutter (ich sollte ihr drittes Kind werden) wurde von meinem Vater ins Krankenhaus gebracht, 24 km vom Haus entfernt. Der Chefarzt hatte sie untersucht, und scharf getadelt: Es sei noch gar nicht soweit, das Baby kommt erst in mehreren Tagen ja, wieso ist sie jetzt schon ins Krankenhaus gekommen, und so. Erst als sich mein Vater als Arzt vorgestellt hatte (der Herr Kollege...), wurde es meiner Mutter erlaubt, da zu bleiben.

   Noch am selben Abend, als meine Mutter in die Toilette gegangen war... Sie erzählte dann immer wieder gerne, dass es kaum nur einer Krankenschwester gelungen war, mich noch "im Flug" zu packen. Die Geschichte hatte mir nie sooo gut gefallen. :)

   Im Gegenteil zu Deiner Geschichte, Klaus. Wie immer, gern gelesen.

Mit Grüßen
Christine

Humorus

@Christine62laechel  
Liebe Christine, erst einmal danke für das vorbei schauen in meiner kleinen Ecke. Nun auch bei Dir habe ich hiermit einige Erinnerungen geweckt und ich muss sagen dürfen, Du hast den "Flug" bestimmt gut überstanden und nun stehst Du mir mit Deinen Worten zur Seite.

Eine lieben Gruß aus Karlsruhe  Klaus

debi

Lieber Klaus/Humorus  -0048.gif
also eine vollkommen normale Sache, so eine Geburt ... 
 
Mein Vater erzählte oft, als er geboren wurde, war seine  (bereits vielfache)  Mutter gerade auf dem Feld bei der Arbeit. Heimtransport auf dem Heuwagen … und von wegen Schonung nach dem Ereignis. Nicht ohne Grund wurde mein Papa bereits im Alter von 9 Jahren Halbwaise und die älteren Schwestern übernahmen die Mutterrolle.

Genauso unspektakulär verlief meine eigene Geburt.
Das heißt, nicht etwa unbemerkt ging es vonstatten, denn es war eine Hausgeburt und die vielbeschäftigte Hebamme, die schon meiner Mutter und ihrer Zwillingsschwester auf die Welt geholfen hatte, war eine wohlbekannte Persönlichkeit im Städtle mit Namen „ Fraela Nobber  oder  d‘Nobbere “, übersetzt Fräulein Nopper.  

Doch warum sagte ich  „nicht unbemerkt“ ?   
Es war nämlich so: 
In unserer Straße wohnten Bedienstete der Deutschen Bahn, beschäftigt auf dem großen Rangierbahnhof des Städtchens. Eine lange Straße, beidseitig Wohnblöcke mit je zwei Eingängen à 6 Wohnungen. Und zwischen den Wohnblöcken eine mit Pflastersteinen gespickte Straße.
Nun trug d'Nobbere, die zuständige Hebamme, immer bequeme Schuhe mit breiten Blockabsätzen, welche vermutlich mit Eisele versehen waren. Sicher kann sich jeder an die halbmondförmigen Schoner der Schuhspitzen und -absätze erinnern.

Hörte man nun diese Schuhe von Fraela Nobber durch die Straße klappern, was regelmäßig in nur kurzen Abständen der Fall war, wußte jeder rundum, jetzt liegt wieder eine werdende Mutter in den Wehen.
So kam es, daß unsere Straße aufgrund der vielen nobberschen Einsätze nur noch "Glabbergasse" genannt wurde. Und wenn jemand den korrekten Straßennamen zwar nicht kannte, so wußten doch alle Bescheid, wenn der Name Glabbergasse fiel.

Uns Kindern jedoch gefiel es gar nicht, wenn jemand sagte: „Waaaas, du wohnsch en dr Glabbergass?“  Das war anscheinend ein „Underdog“, wie man heute sagen würde. Trotzdem bin ich überzeugt, dass aus den Glabbergässlern auch anständige Leut geworden sind.
Sollte es dagegen jedoch Einwände geben, dann b'haltet dess bidschee für Euch ...
   danke-smilie_020 (2).gifsagt mit nem Grüßle
                        die debi
                       
 

Humorus

@debi  
Liebe Dichterin debi, ich freue mich erst einmal, dass Du wieder zu meiner Geschichte gefunden hast und ich hoffe, sie hat Dir gefallen. Nun hast Du mich aber mit Deinem Bericht über Deine "Licht der Welt" erblicken Situation etwas aus der Fassung gebracht. Es war wirklich sehr gut zu lesen und ein wenig Humor hast Du ja auch darin verpackt. So habe ich wieder etwas dazu lernen können und deshalb danke dafür.

Einen lieben Gruß natürlich auch noch von mir und bis bald wieder bei Dir.

Klaus

Manfred36

Mache doch mit deiner (lieb zu lesenden) Parodie nicht die gesamte Gegenwart  verächtlich. Ist doch gut, wenn etwas fachgerecht organisiert ist. Als ich 1936 in einem Landort zur Welt kam, war die Diakonissenschwester Hedwig Hebamme, Arzt und ggf. auch Seelentröster. Als mein Vater von der Arbeit nach Hause kam, plärrte ich in ihrer Obhut das Haus voll. Sie schnitt mir auch später mit einem Skalpell die Geschwüre am Fuß auf, von denen aus ein roter Streifen schon weit bis zum Bauch lief. Wo ihre "Ermächtiung" lag, weiß ich nicht. 

Humorus

@Manfred36  
Hallo Manfred, da hast Du ja schon von klein an einiges hinter Dir und das tut mir leid zu hören. Aber meine kleine Geschichte ist nichts als nur etwas zum lesen, Lachen oder zumindestens zum Schmunzeln. Es ist wirklich nichts persönliches von mir - nur ein paar verwirrte Gedanken eines alten Mannes. Bitte sehe es mir nicht nach.

Lieben Gruß Klaus

Monalie

Lieber Klaus  du hast wieder alle Register gezogen und ich habe mich auch amüsiert, als ich 1944 geboren wurde war kein Arzt da,nur eine Hebamme und die sagte diese Kleine hat keine Chance !  Also gab es Ziegenmilch und nun schau ,was aus der Kleinen geworden ist lache  ein propper Mädel !! Aber wie gut die Zeiten sich geändert haben,das sehe ich an meinen Enkel und Urenkeln,aber ein muss ich noch sagen,die Oma von 75 Jahren kann mehr ab als die Jugend heute,lieber Klaus hast du gut geschrieben danke sagt MonaRose

Humorus

@Monalie  
Na siehst Du liebe Mona, nun habe ich Dich wieder in eine Erinnerung geschickt und das freut mich. Na Du bist ja auf Deinem Bild nun wirklich ein propper Mädel, wie Du Dich so schön ausgedrückt hast. Mich freut es, wenn es wieder ein Lächeln bei Dir gab.

Einen lieben Gruß Klaus

Roxanna

Also, lieber Klaus, mit der Zeitspanne von 12 bis 82 Jahren hast du doch ein wenig übertrieben Tränen lachen, (da sieht man mal wieder wie wenig Ahnung Männer haben Tränen lachen) aber sonst stimmt Wort für Wort. Ich bin auch eine Hausgeburt auf einem Bauernhof auf der Schwäbischen Alb, wohin es meine Eltern nach dem 2. Weltkrieg aus Oberschlesien her verschlagen hat. Aber, wie man mir erzählte, der Hausarzt wäre mitten in der Nacht gekommen. Wie sie ihn erreicht haben, keine Ahnung, wie er gekommen ist, ob auf dem Pferd oder im Auto, das weiß ich auch nicht. Aber er muss beizeiten da gewesen sein. Ist doch immer wieder ein erhebender Augenblick, wenn ein neuer Erdenbürger das Licht der Welt erblickt. Ich habe mich wieder bestens amüsiert, danke dir und grüße dich herzlich

Brigitte

Humorus

@Roxanna  
Liebe Brigitte, nun habe ich auch Dich ein wenig in Deine Vergangenheit geschickt und das ist doch auch schon etwas gutes. Das Dir meine gleiche Gechichte auch noch gefallen hat freut mich natürlich um so mehr.

Dir noch eine schöne Zeit und ein lieber Gruß
Klaus

Songeur

Wieder eine gute Geschichte, Klaus.

Und ich weiß jetzt endlich, warum ich armer Wicht zu Hause geboren bin. Mein bauarbeitender Vater hatte anno 51 gar kein Telefon und wohnte mit meiner Mutter "ganz weit draussen". Keine Stadt und damit kein Krankenhaus auch nur in der Nähe. Zwinkern

Humorus

@Songeur
hallo Songeur, Du siehst, so hat jeder seine Erfahrungen machen können und ich habe Dich ein wenig in Deine Vergangenheit befördert. So hat meine Geschichte doch auch seinen Nutzen für Dich gebracht.

Dir noch einen schöne Zeit und bis zum nächsten Mal einen lieben Gruß vom
Klaus


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