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Aktuelle Themen Themenrunde "Sterbehilfe"

Medea
Medea
Mitglied

Re: Themenrunde -Sterbehilfe
geschrieben von Medea
als Antwort auf luchs35 vom 14.06.2007, 16:49:51
Luchsi,
danke daß Du noch einmal zusammengefaßt hast, was ich ebenfalls wie Du in der gestrigen Diskussion vertreten habe - es kommt mir auf ein selbstbestimmtes Sterben an, das ich einleiten möchte, wenn alle anderen Hilfen versagen. Es gibt nun einmal Fälle, wo auch die Palliativmedizin nicht mehr greift, die so grausam sind, das daran nichts menschenwürdiges mehr zu erkennen ist. Ich möchte mich dann nicht in die Abhängigkeit von Verwandten oder Ärzten begeben - wer von denen will nachempfinden können, was in mir vorgeht?

Ich lebe ein selbstbestimmtes Leben, ich will auch einen selbstbestimmten Todeszeitpunkt, wenn alle anderen angebotenen Hilfen nicht mehr tragen.

Medea.


pilli †
pilli †
Mitglied

Re: Themenrunde -Sterbehilfe
geschrieben von pilli †
als Antwort auf luchs35 vom 14.06.2007, 20:12:16
zum beispiel las ich dort und u.a. bei den weiterführenden links zu "Presse", dass es in Holland nicht möglich ist für Deutsche, aktive sterbehilfe zu erhalten. auch die PDFs, die zum download zur verfügung stehen, sind m.e. aufschlussreich und zeigen die sichtweisen nicht nur von befürwortenden stimmen.

luchsi nur kurz an dich:

danke auch für die m.e. wichtige info, dass es nicht in allen fällen möglich ist, schmerzfrei und sanft zu sterben und dass manche derjenigen, die sich für die aktive sterbehilfe entschieden haben, sehr wohl wußten, wie lange und schmerzreich das sterben werden könnte aufgrund vieler vorher stattgefundener gespräche mit den behandelnden ärzten.

anlässlich des todes eines alleinstehenden patenonkels meines schwiegersohnes vor drei wochen, eines juristen, der glaubte vieles geordnet, vorbereitet und verfügt zu haben, sind wir dennoch bei vielem "hilflos" geblieben, was diese seine verfügungen bezüglich des aufenthaltes im krankenhaus bzw. entlassung in ein Hospiz unserer wahl betraf.

"er geht seinen weg" so lautete es von seiten des sehr besorgten und sich liebevoll kümmernden pflegepersonal mehrfach auf nachfragen; ...aber dass dieser weg so lange war, das eben wollte er doch auschließen?
luchs35
luchs35
Mitglied

Re: Themenrunde -Sterbehilfe
geschrieben von luchs35
als Antwort auf pilli † vom 14.06.2007, 20:41:42
Pilli,

leider kenne ich die Bestimmungen in Holland nicht genau.Vielleicht könnte Dutchie mal was dazu sagen.
Aber in der Schweiz werden auch Nichtschweizer aufgenommen. Trotzdem ist kein "Sterbetourismus" entstanden, wie befürchtet wurde. Aber auch die ausländischen Kranken müssen alle Bedingungen erfüllen.

Bezüglich des Onkels deines Schwiegersohnes kann ich gut nachvollziehen, welche Hürden man da überwinden musste. OHne eine legale Handhabe ist die Patientenverfügung eine Sache der Auffassung. Leider schreiben die meisten Leute Sätze rein, die dann mehr Verwirrung als Klarheit schaffen. Schon der Satz, "wenn es keine Hilfe gibt, dann möchte ich......etc.."kann zum Stolperstein werden, denn Hilfe ist schon ein dehnbarer Begriff. Es fällt und steht alles mit der detaillierten Wortwahl.
Ich habe eine 30seitige, vorgefertigte Patientenverfügung, die alles nach dem Tod regelt, und eine halbe Din 4 -Seite von der Ärztekammer Schweiz, die klar umschreibt, auf was es ankommt. Alle zwei Jahre muss der Hausarzt und eine Drittperson unterschreiben, dass das noch immer mein Wille ist und mein Verstand noch klar tickt.
Eine Suizidbegleitung ist da aber nicht enthalten. Die müsste ich privat regeln, wenn ich sie wünsche.Und zwar erst, wenn es aktuell ist und ich bei klarem Verstand noch entscheiden kann.



luchsi35

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Re: Themenrunde -Sterbehilfe
geschrieben von ehemaliges Mitglied
als Antwort auf pilli † vom 14.06.2007, 20:41:42
pilli schrieb am 14.06.2007 um 20.41:
> danke auch für die m.e. wichtige info, dass es nicht in allen fällen möglich ist, schmerzfrei und sanft zu sterben und dass manche derjenigen, die sich für die aktive sterbehilfe entschieden haben, sehr wohl wußten, wie lange und schmerzreich das sterben werden könnte aufgrund vieler vorher stattgefundener gespräche mit den behandelnden ärzten.
>
Ich kannte einen sehr geachteten Chefarzt eines Krankenhauses, der Krebspatienten behandelt hatte und deren Leiden miterlebte. Dann erkrankte er selbst an Krebs. Er muss so um die 75 gewesen sein. Er wurde als Wasserleiche "gefunden". Es ist uns allen so nahe gegangen.

Der Vater meines Schwagers ist mit einem Strick auf den Boden gegangen, weil er kein Pflegefall werden wollte. Mein Schwager ist voriges Jahr an Krebs gestorben. Ihm ist das Hospitz erspart geblieben. Er hatte die ganze Zeit keine Schmerzen, nur die letzten 6 Stunden seines Lebens. Er ist erst zum Arzt als er nur noch Haut und Knochen und völlig kraftlos war. Er war allein, meine Schwester ist bereits 7 Jahre vor ihm gestorben. Seine Tochter konnte die ganze Zeit bei ihm sein.

Wenn es mich einmal betreffen würde, hätte ich gern eine Alternative zum Pflegeheim.

serra
luchs35
luchs35
Mitglied

Re: Themenrunde -Sterbehilfe
geschrieben von luchs35
als Antwort auf Medea vom 14.06.2007, 20:32:58
Medea

Du hast es völlig richtig aufgefasst. Wenn Palliativmedizin und individuelle Betreuung nicht ausreichen, sollte wenigstens die legale Möglichkeit gegeben sein, sich erlösen zu lassen. Dann kann jeder für sich entscheiden, was er machen will.
Selbstverständlich werden dabei auch religiöse und ethische Gründe miteintscheidend sein.
Das ist ein Punkt, der noch nicht genügend beleuchtet wurde, aber der ebenfalls im Bereich der eigenen Entscheidung verbleibt.

Leichtfertig wird wohl selten jemand diesen Weg beschreiten.
Sein Leben bei schwerster Erkrankung selbst zu beenden, ist ein Beschluss des inneren Kampfes.

Und mir scheint es auch richtig, dass man diese Bestimmung keinem andern Menschen überlässt und ihn damit womöglich bis an die Grenzen belastet.

Luchsi35




nasti
nasti
Mitglied

Re: Themenrunde
geschrieben von nasti
als Antwort auf susannchen vom 14.06.2007, 11:32:18

Susannchen,

ich kann Dir nicht helfen, muss ich mich von diese Thema fernhalten. Habe ich einmal in TV gesehen eine Frau aus DE, welche in Begleitung Ihres Familienangehörigen fuhr nach Schweiz zum Sterbehilfe. Ich bekam inzwischen eine Gänsehaut, die ganze Prozedur war so traurig und unwürdig. Warum hat das die Frau für Ihre Familiemitglieder angetan? Nein, so wichtig sehe ich mich selber nicht, und ich werde nicht reinziehen bei meiner absterben die ganze Familie.
Ich habe gelebt genügend lange, glaube ich nicht das die jüngere Familienmitglieder müssen unbedingt dabei sein, glaube ich das auch nicht das Sie sich wünschen verlängern das elend einer alte und todkranke Person.
Die Tiere ziehen sich zurück und sterben alleine. So werde ich das auch tun, und wenn das geht nicht schnell, werde mir alleine helfen müssen.
Eher damit muss ich mich beschäftigen wie ich mir das Selbsttötung Material besorge, so weit bin ich noch nicht, und das werde ich ohne eine Show durchziehen.
Und wenn die Gesetze werden sich in De positiv ändern, desto besser. Ich mache mir keine Sorgen damit heute.


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dutchweepee
dutchweepee
Mitglied

Re: Themenrunde -Sterbehilfe
geschrieben von dutchweepee
als Antwort auf Medea vom 14.06.2007, 20:32:58
@medea ...und schon wieder bin ich mit dir einer meinung. ich habe beobachten müssen, wie mein bruder (ein grosser, starker oberst a.D.) an einem darm-melanom jämmerlich krepiert ist. chemo und bestrahlungen helfen bei einem melanom nicht und so wurde er von op zu op gejagd.

das letzte halbe jahr hatte er höllische schmerzen und wartete nur noch, daß die schwester wieder den morphium-hahn aufdreht - natürlich immer eine stunde zu spät. er wünschte sich von mir nichts sehnlicher, als daß ich ihm seine dienstwaffe besorge.

so werde ich definitiv NICHT sterben, egal ob meine gesamte mischpoke mir dabei das händchen hält!

------------------------------------------------------

p.s.: wie die holländischen bestimmungen zur aktiven sterbehilfe im einzelnen sind, weiss ich nicht genau genug, werde mich aber zeitnah bei freunden und kunden genau erkundigen. ich hoffe, die ziehen keine falschen schlußfolgerungen über meinen gesundheitszustand.
albawil
albawil
Mitglied

Re: Themenrunde
geschrieben von albawil
als Antwort auf nasti vom 13.06.2007, 20:29:50
ich wundere oft warum es vielen doch gut in deutschland gefällt. andernfalls würden sie doch bestimmt wieder gehen mögen. Nein hier bleiben und meckern.
--
albawil
luchs35
luchs35
Mitglied

Re: Themenrunde -Sterbehilfe
geschrieben von luchs35
als Antwort auf dutchweepee vom 15.06.2007, 00:51:52
Hallo Dutch, die Schweiz hat sich am Modell Holland orientiert, es dürfte wohl im Kern dasselbe sein. Wenn Holland ausländischen Kranken diesen Dienst verweigert, dann liegt hier wohl ein interner Unterschied zur Schweiz vor, denn hier werden auch Nichtschweizer aufgenommen.
Das geht auf die privaten Organisationen "Exit" und "Dignitas" zurück.
Allerdings soll hier auch nicht verschwiegen werde, dass es erstens nicht gratis ist, zweitens in einem nicht unbedingt anheimelnden Zimmer in sehr nüchterner Atmosphäre stattfindet,"zweckmässig" halt.

In privatem Rahmen gestalten sich die Sterbewilligen ihren Todeszeitpunkt mit entsprechender feierlichen Umrahmung selbst.
Ich erinnere mich an die bekannte Schriftstellerin Sandra Paretti, die ihr schönstes Abendkleid anzog, ihre Angehörigen und Freunde verabschiedete, eine Cd mit ihrem Lieblingskonzert einlegte , ihre Sterbebegleiter hereinbat und inmitten eines Blumenmeeres sich vom Leben verabschiedete: still und voller Würde.

Mit einem gesetzlichen Untergrund würde ich einen solchen Abschied jedem sterbewilligen Schwerkranken wünschen. Denn gerade vorhin hörte ich einen Bericht aus Deutschland über eine krebskranke Frau, die sich mit einem Rollstuhl von ihrem Mann an eine Brücke fahren liess, um sich hinunterzustürzen. Nun wird untersucht, ob der Gatte ihr beim Überwinden des Geländers geholfen hat. Er hätte sich damit strafbar gemacht.

--
luchsi35
chris
chris
Mitglied

Re: Themenrunde -Sterbehilfe
geschrieben von chris
als Antwort auf luchs35 vom 14.06.2007, 21:49:36


Nun hatte ich endlich Gelegenheit alle Beiträge in Ruhe nachzulesen.

Den Beiträgen von pucki, Musikerin und Luchsi35 kann ich nur zustimmen, möchte aber
nicht alles nochmal wiederholen.

Was mir zu diesem Thema wichtig ist, das ist der Wunsch, dass der Gesetzgeber endlich
Richlinien schafft, in dessen Rahmen, ich dann meine persönlichen Wünsche einbringen kann.
Sichergestellt sollte aber sein, dass auch die Ärzteschaft, dann diese meine Wünsche auch akzeptiert und nicht diese einfach als nicht geschrieben betrachtet.


--
chris

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