Religionen-Weltanschauungen Die Göttin

teri
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Die Göttin
geschrieben von teri

Ich habe lange gezögert, mit diesem Thema zu beginnen. Doch glaube ich, daß uns unsere Kultur einiges zu erzählen hat - damit wir die heutigen kulturellen und religiösen Kreisläufe besser verstehen können. Über eure aktive Mitgestaltung würde ich mich sehr sehr freuen.........

Beginnen wir mit dem Alten Testament.

Versteckt - und selbst Theologen oft unbekannt - findet sich im Alten Testament ein älterer Anfang der Geschichte von Gott.

Bevor Gott mit der Schöpfung beginnen konnte, musste er erst Rahab besiegen (Hiob, Kapitel 26, Vers 12): »Durch seine Kraft hat er das Meer erregt, und durch seine Einsicht hat er Rahab zerschmettert.
 
Wer oder was aber war Rahab?

Diverse Lutherausgaben der Bibel erklären in Fußnoten, Rahab sei »der Drache der Urzeit« gewesen. Und in der Tat: Der Prophet Jesaja umschreibt Rahab als Drachen.

Jesaja appelliert an Gott (Jesaja, Kapitel 51, Vers 9): »Wach auf, wach auf, zieh Macht an, du Arm des Herrn! Wach auf, wie vor alters zu Anbeginn der Welt! Warst du es nicht, der Rahab zerhauen und den Drachen durchbohrt hat?«

Der versteckte Schlüssel zum Geheimnis um Rahab findet sich gleich zu Beginn des Alten Testaments. Allerdings muss man den Text gründlich im hebräischen Original untersuchen.

In der Übersetzung heißt es wenig aussagekräftig (1. Buch Mose, Kapitel 1, Vers 2): »Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe.« Nimmt man das hebräische Original aber wörtlich, lautet der zweite Teil des Verses: »Finsternis lag auf dem Antlitz von Tehom.«

Tehom lässt sich auf uralte babylonische Mythologie zurückführen. Sie wird oft als Meeresdrachen bezeichnet, war aber ursprünglich die Meeresgöttin.

Die biblische Geschichte vom Kampf Gottes gegen Rahab ist die Kopie einer älteren Vorlage. Das Original steht in der babylonischen Geschichte von Gott: Schöpfergott Marduk muss erst Tiamat besiegen, damit er den Kosmos erschaffen kann. Jahwe, der biblische Gott, entspricht dem babylonischen Gott Marduk, Rahab ist die hebräische Variante der babylonischen Meeresgöttin Tiamat.
 
Das Alte Testament verdrängt weitestgehend die Erinnerung an die Göttin, die vor Jahwe geherrscht haben muss. Wie sich die Bilder doch gleichen: Viele Jahrhunderte vor Niederschrift des Alten Testaments verehrte man Baal, den Bezwinger des Meeresmonsters Yam.

Die Göttin musste aus religiösen Texten gestrichen werden, viele ihrer Anhänger verehrten sie aber weiter. Im Heiligen Land wurde sie noch im 6. Jahrhundert v. Chr. als »Himmelskönigin« angebetet.

Der Prophet Jeremia prangert das wütend an (Kapitel 7, Verse 17 und 18): »Siehst du nicht, was sie tun in den Städten Judas und auf den Gassen Jerusalems? Die Kinder lesen Holz, die Väter zünden das Feuer an, und die Frauen kneten den Teig, dass sie der Himmelskönigin Kuchen backen.«

Was Jeremia ganz besonders erzürnt haben muss: Es waren nicht einige unbedeutende Frauen, die den Kult um die Himmelskönigin am Leben hielten. Sie vertraten als Kultangestellte einen wichtigen Teil des öffentlichen religiösen Lebens, in dessen Mittelpunkt der Tempel in Jerusalem stand!

Die Himmelskönigin spielte, auch wenn das von den Jahwe-Priestern alles andere als gern gesehen wurde, nach wie vor eine zentrale Rolle im religiösen Leben des Volkes.

teri

schorsch
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RE: Die Göttin
geschrieben von schorsch
als Antwort auf teri vom 21.12.2019, 22:51:16
Hätte es vor Gott keine Göttin gegeben, wer hätte ihn den gebären sollen? (;-))
RE: Die Göttin
geschrieben von dicker68
als Antwort auf schorsch vom 22.12.2019, 11:24:47

Schorsch, mal ehrlich was soll das..? Ist doch wie die Frage: wer war zuerst da - das Huhn oder das Ei. Eines geht ohne das andere nicht.


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dutchweepee
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RE: Die Göttin
geschrieben von dutchweepee

Ich bin zwar Atheist, kann aber mit Menschen gut zusammenleben und lieben, die an ein übernatürliches, allmächtiges Überwesen glauben. Wenn dann aber die Frage auftaucht: "welche Drachenmutter hat Gott geboren?" würde ich Angst haben, dass das Dope zu stark war.

JuergenS
JuergenS
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RE: Die Göttin
geschrieben von JuergenS
als Antwort auf dutchweepee vom 22.12.2019, 11:42:58

Google sagt, dope sind illegale Drogen, wow.

Auch ich kann mit gläubigen Menschen gut, denn man weiss genau, woran man mit ihnen ist.

Drachenmutter
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RE: Die Göttin
geschrieben von Drachenmutter
als Antwort auf dutchweepee vom 22.12.2019, 11:42:58

Öm, ich nicht.

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Drachenmutter


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teri
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RE: Die Göttin
geschrieben von teri
als Antwort auf dutchweepee vom 22.12.2019, 11:42:58
Ich bin zwar Atheist, kann aber mit Menschen gut zusammenleben und lieben, die an ein übernatürliches, allmächtiges Überwesen glauben. Wenn dann aber die Frage auftaucht: "welche Drachenmutter hat Gott geboren?" würde ich Angst haben, dass das Dope zu stark war.
Tja dutch, erstens - was meinst du mit Dope?
Göaubst du, daß sich die Menschen früher dopen mußten, um an ein allmächtiges Überwesen zu glauben.

teri
dutchweepee
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RE: Die Göttin
geschrieben von dutchweepee
als Antwort auf teri vom 22.12.2019, 12:33:41

Oh ja ...bei den Mescaleros funktionierts noch heute. *zwinker*

teri
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RE: Die Göttin
geschrieben von teri

Soweit ich die Geschichte verfolgt habe, war der Gedanke an die Göttin etwas vollkommen natürliches. Sie betrachteten die Erde, die Natur sowie den Kosmos als eine Symbiose des Lebens und richteten ihr Leben danach aus.

Durch Beobachtung der Natur lernten sie die Gezeiten des Lebens lernen, wie und wann und wo sie die entsprechende Nahrung finden konnten.

Sie nutzten die Natur, um Schutz zu finden. (Wohnen, Kleidung, Werkzeuge etc.)

Sie transzentierten den Zyklus Leben und Sterben aus der Beobachtung in der Natur - Geburt, Entwicklung - Sterben und neue Entwicklung........ ein ewiger Kreislauf. So entwickelte sich auch eine eigene Philosophie des Weiblichen, das gebärte und für die Fortpflanzung weitergab.

Sie nutzten zwar die Natur, wußten aber auch um die Rhythmen und deren Eigenentwicklung  - sowie den Schutz der Tiere, die sie als beseelt betrachteten. Daher auch die Dankes-Rituale bei einer Schlachtung.

Die Göttin war damals nie ein Person, sondern sie war ganz einfach das Leben und sicherte den Fortbestand des Lebens, indem sie für eine gesunde, soziale Orientierung sorgte.

teri

PS.: ....... nur ganz knapp - so viel für den Anfang..........

Danke für euer Interesse - und ich finde keine Frage oder Ansicht zu blöd oder zu langweilig, weil ich der Meinung bin, daß die heutigen Menschen sich wieder ein bißerl mehr an der Natur orientieren sollten, anstatt sie und damit ihre Lebensgrundlagen zu vernichten. Vielleicht ein nicht alltäglicher Gedanke - doch für einige interessant.

🌲 🌳 🌎 🌏 🐉 🐸 🐣

teri
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RE: Die Göttin
geschrieben von teri
als Antwort auf dutchweepee vom 22.12.2019, 12:35:11
Oh ja ...bei den Mescaleros funktionierts noch heute. *zwinker*
Du wirst dich wundern, sogar das Bier wurde von Frauen erfunden bzw. die dazu notwenigen Pflanzen und deren Gebrauch dazu. Sie waren große Kräuterkennerinnen. Rituelles doping war stets ein kontrolliertes Fest der Gemeinschaft.

Nur so am Rande, auch Tiere kennen ihre dops und benutzen sie in der Natur ganz eifrig. ;-)))

teri

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