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Aktuelle Themen Der Tag, als vor 25 Jahren die Mauer fiel

luchs35
luchs35
Mitglied

Der Tag, als vor 25 Jahren die Mauer fiel
geschrieben von luchs35
Wer erinnert sich noch an den Tag, als der friedliche Aufstand im Osten Deutschlands den Fall der Mauer, der die beiden Landeshälften trennte, erzwang?
Angela Merkel erfuhr es in der Sauna, als die Menschen bereits in den Westen Berlins strömten, andere waren unmittelbar an der Grenze dabei. Aber für jeden gab es den kurzen Moment, wo er das damals fast Unfassbare erfuhr.

Wer kann sich noch an den Augenblick erinnern? Was ging da durch die Kopf?
Freude, Nicht-glauben-können, Fassungslosigkeit, Hoffnungen, Bedenken, Ängste?

Und wie seht ihr die Entwicklung bis heute?

Es gibt einige Wenige, die am liebsten die Mauer wieder hätten, andere, für die die Gemeinsamkeit längst Alltag ist. Sehr junge Menschen wissen meist gar nichts anderes mehr als das, wie es heute ist.

Ist die Vereinigung und vor allem ihre Bedeutung auch wirklich in allen Köpfen angekommen?

Wie seht ihr Stler das heute mit einem Blick 25 Jahre zurück?

Vor allem: ist es für die Ostdeutschen mit einem Verlust vieler liebgewordenen Gewohnheiten verbunden? Und für die Westdeutschen eine Auseinandersetzung mit dem Neuen, das damit in ihr eigenes gewohntes Leben strömte?

Luchs
pschroed
pschroed
Mitglied

Re: Der Tag, als vor 25 Jahren die Mauer fiel
geschrieben von pschroed
Es freut mich immer wieder daß diese Diktatur nicht mehr existiert und die Menschen sich frei bewegen dürfen. Mann kann heute noch den Hut vor den DDR Bürger ziehen. Unvergessen bleiben die vielen Tote dieser Diktatur welche nur ihre Freiheit wollten.
Phil.

ZITAT SZ:

Eine Diktatur hat friedlich die Löffel abgegeben

Der Stolz darauf ist ein ganz anderer Stolz, als der, der sich sonst durch die deutsche Geschichte zieht: nicht auf militärische Siege, nicht auf Eroberungen, nicht auf königliche, kaiserliche oder feldherrliche Großtage - es ist vielmehr der Stolz auf den Mut der normalen, kleinen Leute in Ostdeutschland, die ihre Angst vor der Macht und des Regimes verloren - und damit dessen Machthaber so beeindruckten, so verwirrten und schockierten, dass die den Plan aufgaben, ihre Soldaten einzusetzen noch einmal, wie am 17. Juni 1953, mit Panzern und Gewalt zu sichern. Eine Diktatur hat friedlich die Löffel und die Macht abgegeben.
rose42
rose42
Mitglied

Re: Der Tag, als vor 25 Jahren die Mauer fiel
geschrieben von rose42
als Antwort auf luchs35 vom 03.10.2014, 11:50:46
Diesen Tag verbrachten wir in ungläubigem Staunen vor dem Radio, dem Fernseher, darauf bedacht, ja keine Nachrichten zu verpassen. Vorallem konnten wir nicht glauben, daß die Vorgänge ohne schlimme Konsequenzen bleiben.
2 Tage danach war ich im Auto unterwegs nach München. Vor mir fuhr ein Trabi - 2 junge Leute drin, die scherzten und lachten und waren offensichtlich in Höchst-Stimmung. Ich war damals echt gerührt und habe mich für die beiden gefreut und ihnen von Herzen alles Gute für ihre Zukunft gewünscht. Noch heute denke ich immer wieder an diese beiden und wüßte gerne, ob sich ihre Hoffnungen erfüllt haben.
rose42

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karl
karl
Administrator

Re: Der Tag, als vor 25 Jahren die Mauer fiel
geschrieben von karl
als Antwort auf rose42 vom 03.10.2014, 12:17:57
Auch wir saßen (im Westen) ungläubig vor dem Fernseher und haben Tränen der Freude verdrückt, weil die Freude der DDR-Bürger so mit Händen zu greifen war. Der Jubel war ansteckend. Wir hatten damit zu Lebzeiten nicht gerechnet. Karl
justus39 †
justus39 †
Mitglied

Re: Der Tag, als vor 25 Jahren die Mauer fiel
geschrieben von justus39 †
als Antwort auf luchs35 vom 03.10.2014, 11:50:46
Wir hatten bereits im Jahr 1988 die Ausreise aus der DDR beantragt, und sie wurde uns genau heute vor 25 Jahren gewährt.
Wir hatten unsere Konten aufgelöst und unser Grundstück verschenkt als wir am 05. Oktober mit unseren vier Kindern die DDR verließen.
Unsere Koffer waren noch nicht vollständig ausgepackt, da fiel einen reichlichen Monat später am Abend des 9. November 1989 die Mauer.

In Anbetracht dessen, was wir vor der Ausreise durchgemacht haben und wie wir unser Vermögen verschleudert hatten, konnte ich mich nicht sofort über dieses Ereignis freuen, obwohl ich viele Jahre sehnsüchtig darauf gehofft hatte.
Erst so nach und lebten wir uns ein und schufen uns im Rheinland ein neues zu Hause.

Heute leben wir zwar besser als je zuvor, aber wir hätten es doch eigentlich viel einfacher haben können wenn die Mauer schon etwas früher verschwunden wäre.
Dann wäre alles anders, aber ich denke, dass es einen Sinn hat, dass auch unsere Kinder hier ihre Lebenspartner fanden und sesshaft wurden.

justus
beresina
beresina
Mitglied

Re: Der Tag, als vor 25 Jahren die Mauer fiel
geschrieben von beresina
als Antwort auf rose42 vom 03.10.2014, 12:17:57
am tag nach der "wende" fuhren wir - mein damaliger mann und die drei jungs, 10, 8 und 6 jahre alt und unser hund - von frankfurt/main nach hof. unser auto haben wir mit bananen, kaffee, schokolade und vielen anderen dingen beladen. da wir selbst verwandte im "osten" hatten, wussten wir, was gebraucht wurde.
auf den straßen kamen uns leute entgegen, die fast im freudentaumel waren und feierten. schliesslich landeten wir in einem restaurant. fast war es uns peinlich, unsere "schätze" auszupacken. aber die freude über die wiedervereinigung war so groß, dass sie unsere geschenke annahmen,wir uns lange unterhielten und auch freundschaften knüpften.
es war ein sehr emotionaler tag......
aber unsere "große" vereinigung war doch, dass nun auch auf legalem weg eine familien-zusammenführung stattfinden konnte.
alle meine ost-verwandten kamen zu uns nach franken.

beresina

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myrja
myrja
Mitglied

Re: Der Tag, als vor 25 Jahren die Mauer fiel
geschrieben von myrja
Ich konnte nachts nicht schlafen. Also stand ich auf, setzte mich ins Wohnzimmer und machte den Fernseher an.

Was ich da sah, hielt ich erst ein ganzes Weilchen für einen Spielfilm. Es dauerte einige Zeit, bis mir bewusst wurde: Das ist Realität.

Ich wollte einfach nicht glauben was da passierte. Es war unvorstellbar!

Auch ich habe ein paar Tränchen vergossen.

Doch ehrlich gesagt hatte ich gehofft, dass es nun zwei demokratische deutsche Staaten geben würde. Und dazu stehe ich auch heute noch.

Was da von unseren Politikern mit schneller Nadel gestrickt wurde, war eine Katastrophe. Die Menschen im Osten, die bisher nur Vollbeschäftigung kannten, wurden nach und nach arbeitslos. Die sozialen Erungenschaften im Osten, wie Kitas für alle Kinder, günstige Grundnahrumgsmittel etc. wurden ziemlich schnell eingestampft, Fabriken wurden geschlossen. Die Menschen mussten erleben, dass der "Goldene Westen" alles andere als golden war.

Helmut Kohl ließ sich als Wiedervereinigungskanzler feiern, zu Unrecht nach meiner bescheidenen Meinung. Er hatte doch nichts dazu beigetragen. Er war zu dieser Zeit eben zufällig der regierende Kanzler von Westdeutschland. Es waren die Menschen im Osten, die oft unter Gefahr dafür gekämpft haben!

Und immer noch zahlen wir den Solibeitrag und immer noch geht es den Menschen in Ostdeutschland finanziell schlechter als uns hier im Westen.

Natürlich genieße ich als Westlerin auch gerne die Vorteile der Wiedervereinigung. Ich hatte so die Möglichkeit im Osten wunderschöne Urlaube zu verbringen.

Myrja
Re: Der Tag, als vor 25 Jahren die Mauer fiel
geschrieben von ehemaliges Mitglied
.
vor 25 jahren fiel die mauer, 45 min .

heute nacht suchte ich eine diskussion, wie üblich auch auf phoenix. und fand dort
"25 Jahre Mauerfall - Wie vereint sind wir Deutschen?"
besonders interessierte mich das von gysi und geissler geschilderte.

eine volksbefragung zur wiedervereinigung war damals wohl nicht möglich, der zeitdruck, diese einmalige chance der wiedervereinigung blitzschnell zu ergreifen, war zu stark.

ich meine, dass man dem osten aber mehr chancen hätte lassen sollen, das was im osten gut war, auszubauen bzw. zu moderniesieren: "versuch macht klug."

gysi erwähnte z.b. die polykliniken und das wissen der handwerker,
aus fast nichts wieder was zusammen-zu-puzzeln, wie ich es nenne.
ein talent, das ich bewundere, und das man in der wegwerf-gesellschaft des westens ja vergessen hat.

geissler kritisierte sehr offen die treuhand.

und ich träume noch immer vom trabbi und überlege,
ob mit ähnlichem aussehen und auf dampf gebrachtem innenleben dieses autochen nicht für längere zeit hätte "kult" werden konnen ...

lg m./.
.
pepa
pepa
Mitglied

Re: Der Tag, als vor 25 Jahren die Mauer fiel
geschrieben von pepa
Ich war Monate vor dem Fall der Mauer bei den Motagsdemos in Leipzig dabei. Die Stimmung der Demonstranten war ganz eigenartig, es war eine Mischung aus Entschlossenheit, aber auch Angst. Keiner wußte zu diesem Zeitpunkt, wie die „Oberen“ reagieren würden. Einen großen Anteil hatte unser leider verstorbene Pfarrer Führer der Nikolaikirche. Er beschwor die Demonstranten während seiner Friedensgebete vor Beginn der Demos zur Gewaltlosigkeit und zum Unterlassen von Provokationen.
Ich habe erlebt, wie die Stimmung kippte, als die Mauer fiel. Wollten die Menschen vorher eine bessere DDR, wurden jetzt die Rufe nach der West-Mark laut.

Als die Mauer fiel, erkannte ich die historische Bedeutung und habe mich von Herzen gefreut, dies mitzuerleben.
Trotzdem gehöre ich zu den Verlierern der Wende. Als Maschinenbauingenieur verlor ich gleich nach der Wende das erste mal meine Arbeit. Es folgten einige neue Arbeitsstellen, Arbeitslosigkeit, Jobs, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, Minijobs, Harz IV - die ganze Palette eben.
Rückblickend hätte ich einige Entscheidungen anders treffen müssen, habe gravierende Fehler gemacht. Vielleicht wäre ich dann zumindest finanziell abgesichert. Hätte – wenn und aber ….
So zittere ich mich nun alleinstehend mit einer befristeten Arbeit bis zur Rente, die ich mit 65 Jahren und 4 Monaten dann endlich im April 2016 erreicht habe und wenn unterm Strich ca. 700,- Euro Rente rauskommen, kann ich wirklich froh sein, es geschafft zu haben.
pepa
gerry
gerry
Mitglied

Re: Der Tag, als vor 25 Jahren die Mauer fiel
geschrieben von gerry
als Antwort auf pepa vom 03.10.2014, 14:19:26
Die Mauer fiel nicht am 3. Oktober 1989 sondern am 9. November!
Am 3 Oktober 1990 wurde Deutschland wieder vereinigt!
Also vor 24 Jahren!

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